BfR findet keinen Vorsitzenden

Lange, Kolb und Großkopf führen Ämter erst einmal weiter

Resse (awi). Erwartungsgemäß hat sich am Donnerstagabend bei der Jahreshauptversammlung des Vereins Bürger für Resse kein Kandidat für den Posten des Vorsitzenden gefunden. Dies hatte sich bereits im Vorfeld abgezeichnet. Es wurden daher auch keine anderen Ämter an diesem Abend neu gewählt. Die bisherigen stellvertretenden Vorsitzenden Ingo Lange und Renate Kolb sowie Schatzmeisterin Gabi Großkopf bleiben im Amt, bis eine neue Mitgliederversammlung einberufen und dann möglicherweise ein Vorsitzender gewählt und dann auch die anderen Posten zur Wahl gestellt werden. Die Neuwahl ist notwendig geworden, weil wie mehrfach berichtet der erste Vorsitzende des BfR, Jochen Pardey, am 26. März schriftlich seinen Rücktritt erklärt hatte, Schriftführer Alexander Stelzig ebenfalls zurückgetreten war und die drei anderen Vorstandsmitglieder ihre Ämter im Zuge einer Neuwahl zur Verfügung gestellt hatten. Am Donnerstagabend erklärte allerdings Renate Kolb, dass sie doch noch einmal im Vorstand mitarbeiten würde, um vor allem das begonnene „Handbuch des Qualitätsmanagements“ und die Kulturarbeit fortzusetzen. Sie stehe jedoch auf keinen Fall schon aus Altersgründen für den Vorsitz zur Verfügung. Schatzmeisterin Gabriele Großkopf bekundete ihre Bereitschaft, noch ein Jahr weiterzumachen und einen künftigen Nachfolger gründlich einzuarbeiten.
Natürlich waren die Hintergründe des Rücktritts von Pardey Thema bei der Versammlung im Heidegasthof Löns, zu der nur 55 der über 500 Mitglieder gekommen waren, was eine formale Neueinberufung der Versammlung ohne Ladungsfrist notwendig machte, um eine Beschlussfähigkeit herstellen zu können.
Der stellvertretende Vorsitzende Ingo Lange führte dazu unter dem Titel „BfR im Umbruch“ aus, dass die Gemeinnützigkeit des Vereins kurzzeitig zur Disposition gestanden habe. Diese sei für den Verein wesentlich, denn nur auf dieser Basis ließen sich Gelder einwerben und mit entsprechenden Spendenquittungen belegen. Die Gemeinnützigkeit zu verlieren sei keine Option. Dies hätte jedoch passieren können, da notwendige Unterlagen beim Finanzamt nicht fristgerecht eingereicht und trotz mehrfacher Mahnung, so die Information der Redaktion, auch nicht nachgereicht worden seien. Nachdem der Vorstand über die Tatsache informiert worden war, wurde das Versäumnis schnellestens nachgeholt und dem Verein sei kein materieller Schaden entstanden, betonte Lange mehrfach auf Nachfrage aus der Versammlung. Für den Hinweis sei der Vorstand wie gesagt auch dankbar, Kritik komme nur an, wenn sie bereichtigt sei. Das Vier-Augen-Prinzip sei im Vorstand zu kurz gekommen, so Lange selbstkritisch. Auf Grund der Vielzahl der Aktivitäten sei ein Team erforderlich, um die vielen Aufgaben zu schultern. Dazu sei eine enge und intensive Abstimmung erforderlich, in den einzelnen Arbeitsgruppen ebenso wie im Vorstand. Die stellvertretenden Vorsitzenden hätten das Vier-Augen-Prinzip nicht in angemessener Form wahrgenommen. „Jochen Pardey macht das schon“, sei der Gedanke gewesen. Es habe keine Veranlassung gegeben, daran zu zweifeln. Es sei jedoch ein Versäumnis gewesen, nicht zu fragen, ob bei den zunehmenden Aktivitäten des Vereins Unterstützung nötig wäre. Dafür übernehme der Vorstand die Verantwortung und stelle die Ämter zur Verfügung.
Es gehe jedoch nicht nur um den berechtigten Hinweis auf den drohenden Verlust der Gemeinnützigkeit, sondern auch um das wie, machte Lange in seiner Rede deutlich. Aus Sicht des Vorstandes habe der Hinweisgeber, ein Vereinsmitglied, auf seines Erachten unangemessene Weise immer wieder neue, aus Sicht des Vorstandes vollkommen unberechtigte Anschuldigungen und Forderungen hervorgebacht. Dies habe massive Spuren bei den ehrenamtlich Tätigen hinterlassen. Demotivation bis hin zur Frustration seien noch die freundlichen Formulierungen, so Lange. Die Projektarbeit habe unter dem hohen Zeitbedarf für die Restrukturierungsarbeit gelitten, die für Rechtfertigungen und Richtigstellungen aufgewendet werden musste. Dennoch habe sich der Vorstand seinen Aufgaben gestellt, die Arbeit stark intesiviert und bis zur Mitgliederversammlung eine Geschäftsordnung mit klaren Aufgabenverteilungen, Vorgehensweise und für Prozesse der einzelnen Bereiche erstellt.
Der Vorstand bedankte sich beim bisherigen Vorsitzenden Jochen Pardey ausdrücklich für die Arbeit, die dieser in den zurückliegenden zehn Jahren geleistet habe und überreichte ihm einen Gutschein als Dankeschön. Pardey gab in einem Statement diesen Dank an den Vorstand zurück. Er hätte die Arbeit nicht zehn Jahre machen können, wenn es nicht ein Team gegeben hätte, mit dem man konstruktiv und fair hätte zusammenarbeiten können. Er selbst hätte die Strukturänderung früher anstoßen müssen, so Pardey selbstkritisch. Dadurch, dass er im administrativen Teil mehr gemacht habe, als sinnvoll gewesen sei, seien Fehler passiert und daraus habe er die Konseqenzen gezogen.
Einige Mitglieder versuchten Pardey – insbesondere vor dem Hintergrund, dass es keinen Vorsitzendenkandidaten gibt- zur Umkehr zu bewegen, Fehler passierten nun mal, wenn gearbeitet werde und dem Verein sei ja kein materieller Schaden entstanden. Ein Mitglied ging sogar soweit, Pardey vorzuwerfen, den Verein hängen zu lassen. Das dementierte allerdings die stellvertretende Vorsitzende Renate Kolb energisch. Pardey habe seine Entscheidung getroffen und dies sei zu akzeptieren. Auf massive Forderung aus der Versammlung heraus, outete sich Karl-Heinz Müller als der Hinweisgeber auf den drohenden Verlust der Gemeinnützigkeit, der den Stein ins Rollen gebracht habe. Er habe seine Gründe für das Vorgehen gehabt, werde diese aber in der Versammlung nicht öffentlich darlegen, erklärte Müller. Er konnte daher den Vorwürfen aus dem Vorstand bezüglich seines Verhaltens öffentlich nichts entgegensetzen, erklärte aber, ebenso wie der Vorstand, am Vorsitz ehrlich interessierten Ressern die Hintergründe und den kompletten E-Mailverkehr offenzulegen. Vorstand wie Müller betonten, keine Hexenjagd veranstalten zu wollen. Müller begründete seine Entscheidung, vor den Mitgliedern keine Einzelheiten ausbreiten zu wollen mit einem Deal zugunsten der betroffenen Person, an den er sich halte. Intern werden jetzt die Gespräche zur Suche nach einem Vorsitzenden weitergehen. Wie lange dies dauern wird und wann die nächste Mitgliederversammlung einberufen wird, steht noch nicht fest und ist durch die Satzung auch nicht vorgeschrieben. Nach dem Haushaltsbericht und dem Bericht der Rechnungsprüfer wurde der Vorstand komplett entlastet und der neue Haushaltsplan beschlossen, so dass der Verein Bürger für Resse auch weiterhin voll handlungsfähig ist.