Bissendorf früher und heute

Die Autoren Cord Knibbe (links) aus Bissendorf und Friedrich Lüddecke aus Evensen blättern selbst gerne in ihrem Werk, das jetzt druckfrisch auf den Markt gekommen ist. Foto: A. Wiese

Knibbe und Lüddecke bringen rechtzeitig vor Weihnachten ein Buch heraus

Bissendorf/Evensen (awi). Seine Frau Christa hat es sowieso nicht geglaubt: dass die Wennebosteler Chronik das letzte Buch sein würde, das Friedrich Lüddecke am Computer layoutet hat, für das er hunderte von Bildern eingescannt und Texte verarbeitet hat. Jetzt hat der 71-Jährige, durch seine MS-Krankheit an den Rollstuhl gefesselte und fast zur Bewegungsunfähigkeit verurteilte gebürtige Bissendorfer gemeinsam mit dem 81-jährigen Cord Knibbe aus Bissendorf pünktlich zum Weihnachtsgeschäft ein Buch herausgebracht: "Bissendorf früher und heute", 360 Seiten, fünf Pfund schwer, in einer Auflage von 250 Stück. Der Verkaufspreis von 48 Euro stellt nur die reinen Materialkosten dar. Verdienen können und wollen Lüddecke und Knibbe an ihrem Werk nichts. Sie eint der Idealismus und die Begeisteung, Historisches für die Nachwelt zu sammeln und zu erhalten. Auch in diesem Band finden sich vor allem Bilder, aber bei weitem nicht nur. Kernstück sind die Bissendorfer Fachwerkhäuserund ihre Erklärungstafeln. Dazu kommen Rückblicke in frühere Zeiten, Text und weit über 500 Fotos, Geschichten über Dorf-Originale, Lieder und Gedichte über Heimat und Heide. Einiges wird up Platt vertellt. Den Umschlag ziert ein Bild vom "Bu", dem ältesten Haus der Wedemark, das bis 1979 im Pfarrgarten hinter der Kirche stand, und ab 1987 im Wöhlershof 5 wiederaufgebaut wurde. Der "Bu", das steht für Bau, stammt aus dem Jahre 1589.
All diese Informationen über Bissendorf und seine Häuser dürfen nicht verloren gehen. Ein Jahr nach dem Tod des Ortshistorikers Dr. Hellmuth Hahn sehen sich Cord Knibbe und Friedel Lüddecke mehr denn je in der Pflicht, Historisches zu dokumentieren. Ersetzen können sie Hahn nicht. "Wir bräuchten ganz dringend einen Nachfolger für ihn, der mit Fotos festhält, was sich im Dorf verändert und auf alten Spuren wandelt", sind sich beide Autoren einig.
Worin sie sich nicht einig sind, auf welche Resonanz ihr Werk stoßen wird. 250 Exemplare sind viel zu viel, ist Lüddeckes Überzeugung. "Wir werden noch nachdrucken müssen", hoft der stets optimistische Knibbe. Es ist wieder was ganz anderes als die Hofgeschichten, die Bildchronik, die 750 mal gedruckt wurde und in wenigen Tagen vergriffen war oder gar das erste Buch "Dönekens", das Rekordzahlen erreichte. Mit über 12.500 Euro sind die beiden Herausgeber in Vorleistung gegangen. Natürlich hoffen sie, dass die Gemeinde Wedemark ein paar Exemplare für die Bücherei und das noch nicht vorhandene, aber unbedingt notwendige Archiv ankauft, doch die meisten Bücher müssen von Privatleuten, Bissendorfern und geschichtsinteressierten Wedemärkern erworben werden, damit die Rechnung aufgeht. Die Bücher sind ab sofort in Bissendorf bei Bücher am Markt und im Schreibwarengeschäft Masur erhältlich.
"Wir wollten keine Chronik machen, aber doch etwas Grundlegendes über Bissendorf erzählen, um Neubürgern den Einstieg zu erleichtern", berichtet Cord Knibbe. Darum finden sich in "Bissendorf früher und heute" Basisinformationen über Kirche, Schule, Friedhof, das Amt, die Amtsvogtei und die Realteilung 1838. Auszüge aus dem Corpus Bonorum, dem Wirtschaftsbuch der Kirche, sind enthalten, die Landwirtschaft wird beleuchtet, denn schließlich war Bissendorf einmal ein altes Bauerndorf. Heute sind sechs Höfe übriggeblieben, die sich noch mit Landwirtschaft beschäftigen. Einige plattdeutsche Geschichten sind eine Hommage an diese Sprache. Besonders die Erzählung vom Ziegenbock ist zu empfehlen.
"Cord Knibbe kam Anfang des Jahres zu mir und sagte, wir müssten was machen, damit die Geschichte der Fachwerkhäuser, für die es zwar die Schilder gibt, die aber teilweise schon abgerissen sind und vom Abriss bedroht sind, nicht verloren geht", berichtet Friedrich Lüddecke. Sein Gesundheitszustand schränkte ihn allerdings mittlerweile bei der geliebten Arbeit am Computer immer mehr ein. Doch er fand eine Lösung: ein neues Spracherkennungsprogramm, das gesprochene Text in Schrift umsetzt, es dem Autor noch einmal vorliest und so korrekturen ermöglicht. Lüddeck fuchste sich rein und kam bald prima mit dem Programm zurecht, denn die Texte zu den Bildern, die er einscannte, bekam er von Cord Knibbe, der sich der hohen Kunst des Computers und der E-Mail weiterhin standhaft verweigert, auf dessen alter mechanischer Schreibmaschine getippt geliefert. Mit den Fachwerkhäusern fing es an, dann kamen die verdienten Bissendorfer dazu, zu denen auch noch Lebende wie Ortsbürgermeisterin Susanne Brakelmann, Bernd Depping und seine "Gute Tat" oder Dr. Helmut Dohnke und Pastor Volkmar Biesalski gehören, aber natürlich auch die bereits verstorbenen Dr. Hellmuth Hahn, Hans Klipphahn, Otto Knibbe, Heinrich Henstorf, Carl Mangelsdorf, Hinrich Braasch, Annemarie Nutzhorn, Richard Brandt und Malerin Ursula Greve. Es lohnt sich wirklich einen Blick hineinzuwerfen und das nicht nur einmal. "Bissendorf früher und heute" gehört einfach in den Bücherschrank jedes an der Geschichte des Dorfes interessierten Bürgers und es ist ganz bestimmt ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk. Und ob das jetzt wirklich und wahrhaft Friedrich Lüddeckes letztes Buch war? Abwarten...