Blick auf Europa geschärft

Publizist Konstantin Paraskevaidis. Foto: Th. Schirmer

Neujahrsempfang der Gemeinde im Zeichen der europäischen Idee

Wedemark (sch). Wie viel Europa steckt in der Wedemark? Diese Fragestellung bildete den Themenschwerpunkt des diesjährigen Neujahrsempfangs der Gemeinde. Unter dem Motto „Wedemark – Mitten in Europa“ referierten vor knapp 300 geladenen Gästen des öffentlichen Lebens Bürgermeister Tjark Bartels, der hannoversche Gastronom und Publizist Konstantin Paraskevaidis sowie der Regisseur und ehemalige Intendant der Niedersächsischen Staatsoper Professor Hans-Peter Lehmann. Einen „freundschaftlichen Blick über den Gartenzaun auf unsere Partner und Freunde aus Frankreich, Schweden und Ungarn“ versprach die Einladung der Gemeinde, und entsprechend positiv war auch der Grundton, den die Redner des Abends in Sachen Europa wählten. Bevor er den Blick auf Europa richtete, dankte Bürgermeister Tjark Bartels den zahlreich erschienenen Repräsentanten aus Politik, Verwaltung, Kirchen, Schulen, Vereinen und Verbänden für die im vergangenen Jahr zum Wohl der Gemeinde geleistete Arbeit. Insbesondere alle Unterstützer der freundschaftlichen Beziehungen, die seitens der Gemeinde Wedemark mit Roye in Frankreich, Pecs in Ungarn und Gislaved in Schweden gepflegt werden, hob er mit Blick auf das Motto des Abends lobend hervor und kündigte an, dem Gemeinderat im Frühjahr eine Beschlussvorlage zur Schaffung einer offiziellen Partnerschaft mit Gislaved einreichen zu wollen. „Bei allen Diskussionen, die wir über Europa führen, übersehen wir oft die Dinge, die wirklich wichtig sind“, betonte Bartels mit Blick auf die aktuellen Krisenthemen rund um die Stabilität des Euros und den Verbleib Griechenlands in der Europäischen Union. Bartels brach eine Lanze für das jüngst so viel gescholtene Staatenbündnis und hob dessen besondere Bedeutung für Frieden und Freiheit hervor. Ein schöner Vergleich sei dazu seiner Ansicht nach die Region Hannover. Auch sie stelle einen in ihrer Art einmaligen Zusammenschluss dar, in dem ebenso oft kontrovers diskutiert und gestritten werde. „Aber auch dort stellen wir deswegen nicht das ganze Konstrukt infrage“, bekräftigte Bartels. Nach einer musikalischen Einlage des Choire Under Fire unter Leitung von Andreas Matterstieg mit Karin Ebermann am Klavier beantworteten die beiden Gast-Referenten des Abends jeder für sich die Frage „ Ich bin Europäer, weil…“. Konstantin Paraskevaidis, der sich als „Griechischer Hannoveraner“ vorstellte, bedankte sich zunächst bei Bartels. „Ich möchte Ihnen ein Lob für den Mut aussprechen, gerade einen Griechen zum Thema Europa zu Wort kommen zu lassen“, erklärte er mit einem Augenzwinkern. „Kann man gleichzeitig Deutscher, Grieche und Europäer sein?“, fragte der in Deutschland geborene Sohn eines griechischen Gastarbeiters anschließend laut und gab für sich gleich die Antwort: „In der Seele bin ich ganz Europäer.“ Europa strebe in einzigartiger Weise das Ideal des Friedens und der Freiheit an, das letztendlich Zweck der Europäischen Union sei. Hart ins Gericht ging Paraskevaidis in der Diskussion um die Wirtschaftskrise in Griechenland mit den Medien, denen er vorwarf, ein Feindbild in Sachen Griechenland aufzubauen. „Darf man ein ganzes Volk für etwas verurteilen, was auch andere zu verantworten haben?“, fragte er kritisch und schloss mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für eine differenzierte Wahrnehmung auf das Volk der Griechen und seine gesellschaftlichen Probleme, für das er besonders intensiven Applaus des Publikums erntete. In diesen ebenso nachdenklichen wie emotionalen Moment fügte sich der Liedvortrag von Dietmar Sander in Begleitung des Pianisten Johannes Nies mit der „Ode an die Freude“ aus Beethovens Neunter Symphonie perfekt ein. Ebenso individuell nahm sich schließlich der zweite Gast-Referent, Professor Hans-Peter Lehmann, der Fragestellung an. Lehmann zeichnete in seinen Ausführungen sein ganz persönliches Bild vom Europa. In einem Rückblick auf seinen Lebensweg ließ er das Publikum an vielen Begegnungen mit den großen Namen aus der europäischen Kunstgeschichte, Philosophie und Literatur teilhaben, die prägenden Einfluss auf ihn hatten und ihn mit den vielen Facetten Europäischer Kultur in Verbindung brachten. Für den erfolgreichen Regisseur habe Europa sein Leben einzigartig geprägt und bereichert. Musikalisch klang der offizielle Teil des Programms mit einem weiteren Beitrag des Choire Under Fire aus, bevor zum anschließenden „Meet and Greet“ erneut das Ole-Wegener-Trio, wie bereits zum Auftakt der Veranstaltung, das musikalische Zepter übernahm.