Brandschutz tut Not

Landesbranddirektor Jörg Schallhorn spricht über Brandschutz in Niedersachsen. Foto: B. Stache
 
CDU-Stadtverbandsvorsitzender Frank Martin begrüßt die Gäste zur öffentlichen Informationsveranstaltung. Foto: B. Stache

Editha Lorberg fasst auch heiße Themen an

Osterwald (st). Aus aktuellem Anlass hatte am Montagabend die CDU Garbsen und Wedemark zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung zum Thema „Brandschutz in Niedersachsen“ eingeladen. Am 17. Juli war das neue Brandschutzgesetz vom Niedersächsischen Landtag verabschiedet worden. Die Landtagsabgeordnete Editha Lorberg konnte Landesbranddirektor Jörg Schallhorn für einen Vortrag über das Thema gewinnen. Frank Martin, Vorsitzender des CDU Stadtverbandes Garbsen, begrüßte zu der Veranstaltung im Hotel-Restaurant Körber in Osterwald über 50 Gäste, unter ihnen die Stadtbrandmeister Dieter Göhns (Garbsen) und Michael Hahn (Wedemark), sowie die beiden CDU-Fraktionsvorsitzenden Heinrich Dannenbrink aus Garbsen und Sven Sobanski, Wedemark. „Wie werden wir in Zukunft den Brandschutz und andere Hilfeleistungen der Feuerwehren in unserem Flächenland sicherstellen können?“ Mit dieser Frage eröffnete Landesbranddirektor Schallhorn seinen Vortrag, in dem er sich zunächst mit den Problemfeldern „Demografischer Wandel und Nachwuchsgewinnung“ sowie „Erklärte Schutzziele der Feuerwehr“ auseinandersetzte, um anschließend Lösungsmaßnahmen vorzustellen. Der demografische Wandel mache auch vor der Freiwilligen Feuerwehr nicht Halt, erklärte er: „Die Mitgliederentwicklung ist nach wie vor rückläufig, auch bei den Jugendfeuerwehren.“ Erfreulich hingegen sei die Entwicklung bei den Kinderfeuerwehren mit mittlerweile über 7000 Jungen und Mädchen sowie jährlich mindestens 100 neuen Kinderfeuerwehren in Niedersachsen. Ein fester Arbeitsplatz und ein sicheres soziales Umfeld führen zu höherem Engagement auch im Ehrenamt bei den Freiwilligen Feuerwehren, machte der Vortragende deutlich. Wenn derzeit die Einwohnerzahl in Niedersachsen rückläufig sei, bedeute das nicht auch einen Rückgang der Feuerwehreinsätze. „Das ist aber überhaupt nicht der Fall, sondern die Zahl der Einsätze steigt kontinuierlich. Allein im Bereich der Brände haben wir über die letzten drei Jahre eine Steigerung von zehn Prozent“, stellte der Landesbranddirektor fest und verwies zudem auf den Anstieg an Großbränden und schweren Brandstiftungen. Jörg Schallhorn zog daraus folgendes Fazit: „Wenn wir also nichts gegen die Auswirkungen des demografischen Wandels unternehmen, dann ist unser System, das zu 98 Prozent auf Ehrenamtlichkeit fußt, langfristig gefährdet.“ Er prognostizierte zudem einen Anstieg der Anforderungen an das Ehrenamt – in der Menge wie auch der Qualität. „Ehrenamtliches Engagement funktioniert nur dann, wenn die Rahmenbedingungen in Ordnung sind, wenn Sie ein vernünftiges, modernes Feuerwehrhaus, eine vernünftige Technik, eine vernünftige persönliche Schutzausrüstung und vernünftige Qualität in der Aus- und Fortbildung haben“, machte der Vortragende deutlich: 90 Prozent der Motivation für das ehrenamtliche Engagement seien so zu erreichen. Der Landesbranddirektor warf anschließend folgende Fragen auf: „Welche Schutzziele wollen wir verfolgen, was ist unser Sicherheitsstandard und wie viel Geld benötigen wir dafür?“ Lösungsmaßnahmen stellte er unter das Motto „agieren statt reagieren“ und präsentierte ein „20-Maßnahmenpaket“, das unter anderem die Einführung eines Feuerwehrdienstausweises, die langfristige Nutzung eines ehemaligen Bundeswehrgeländes in Celle-Scheuen für realistische Übungseinsätze sowie Aktivitäten im Bereich der Nachwuchsgewinnung beinhaltet. Mit Blick auf das soeben verabschiedete Brandschutzgesetz verwies er auf die Anhebung der Altersgrenze im aktiven Feuerwehrdienst auf 63 und die Möglichkeit, zukünftig in zwei Feuerwehren Mitglied sein zu können, was besonders für Berufspendler von Vorteil sei. Landesbranddirektor Jörg Schallhorn zog folgendes Fazit: „Mit dem neuen Gesetz haben wir eine gute Basis. Wir konnten viele Dinge umsetzen, die wir uns gewünscht haben. Für die Zukunft ist der rechtliche Rahmen gesteckt.“ In der folgenden Fragestunde ging es um Themen zum europäischen Standard beim Brandschutz, die Bereitschaft von Arbeitgebern zur Freistellung ihrer Mitarbeiter für den freiwilligen Dienst in der Feuerwehr sowie Personalersatz für Berufsfeuerwehren. Die Landtagsabgeordnete Editha Lorberg hielt anschließend ein kurzes Plädoyer für das ehrenamtliche Engagement bei der Freiwilligen Feuerwehr und überreichte Jörg Schallhorn zum Dank das Buch „Der Waldvogel“ von Christian Oehlschläger. Alle Besucher der Informationsveranstaltung nahmen an einer kostenlosen Tombola teil, bei der es Rauchmelder zu gewinnen gab. Editha Lorberg verteilte diese „Lebensretter“ mit großer Freude.