Bürgermeister schreibt an Umweltminister

Bartels und Bürgerverein treten für Moorgeest ein

Wedemark. Bezüglich des Naturschutzgroßprojektes „Hannoversche Moorgeest“ und der in Frage gestellten Genehmigung der Umsetzungsphase hat Wedemarks Bürgermeister Tjark Bartels sich mit einem Schreiben an den Bundesumweltminister Dr. Norbert Röttgen gewandt. Darin heißt es unter anderem: „Als Bürgermeister der Gemeinde Wedemark, in der ein Großteil der Fläche des Naturschutzgroßprojektes Hannoversche Moorgeest liegt, bin ich äußerst beunruhigt über die Mitteilung, dass Ihr Haus die Weiterführung des Projektes in Frage stellt. Zusammen mit der Region Hannover und Herrn Prof. Dr. Priebs habe ich mich in den vergangenen Jahren für das Projekt eingesetzt und versucht, die Bedenken der Land- und Forstwirtschaft, besonders aber von Bürgern auszuräumen. Ich sehe in der Umsetzung eine große Chance für unsere ländliche Gemeinde und insbesondere eine Zukunftsperspektive für den Ortsteil Resse, der zwischen den Mooren liegt." Die Gemeinde Wedemark könne mit dem Projekt „Hannoversche Moorgeest“ einerseits ihre wertvollsten Landschaftsbestandteile langfristig erhalten und sehe andererseits die Möglichkeit, ein umweltverträgliches Tourismusprojekt zu entwickeln, das über die Grenzen der Gemeinde und der Region Hannover Außenwirkung habe. Für eine kleine ländliche Gemeinde sei das eine große Chance. Daher arbeite die Gemeinde Wedemark schon jetzt, unabhängig von der Durchführung des Naturschutzgroßprojektes, in enger Zusammenarbeit mit der Region Hannover an der Realisierung eines Moorinformationszentrums im Ortsteil Resse. Das erforderliche Grundstück habe die Gemeinde bereits zur Verfügung gestellt. Nach anfänglicher großer Skepsis stehe Resse nun hinter dem Infozentrum und dem Projekt, betont Bartels. Das alles würde in Frage gestellt und viel Überzeugungsarbeit wäre umsonst gewesen, wenn das „Moorprojekt“ nicht in die Umsetzungsphase gehen könne. Ihm persönlich sei wichtig, dass sich die Bürger in der Kommune wohlfühlten und sich mit ihr identifizierten. Daher unterstütze er Projekte, die dazu beitrügen, schreibt der Bürgermeister. Dazu gehörten zum Beispiel das „Bündnis für Familien“, ein geologischer Lehrpfad, die Beschilderung von Radwegen und Bürgerprojekte wie in Resse zur Erhaltung des Lebensmittelmarktes.
„Ich erhoffe mir, dass wir mit dem Naturschutzgroßprojekt ein weiteres Vorhaben erhalten, auf das die Bürger - trotz anfänglicher Bedenken – stolz sind und das sie mit Engagement unterstützen, wie sie das auch mit anderen Projekten tun. Ich bitte Sie daher, uns diese Chance nicht zu nehmen und sich dafür einzusetzen, dass das Projekt in die Umsetzungsphase gehen kann. Daher möchte ich Sie persönlich einladen, sich vor Ort davon zu überzeugen, dass wir das Projekt wollen und unterstützen, bevor Sie Ihre Entscheidung fällen", so Bartels abschließend.
In einem offenen Brief hat auch der Vorstand des Vereins „Bürger für Resse eV“ an den Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheitappelliert, das Projekt „Hannoversche Moorgeest“ nicht scheitern zu lassen. Der im Oktober 2006 gegründete Verein, dem sich mittlerweile mehr als 500 Personen aus dem Ort angeschlossen haben, über zwanzig Prozent der Einwohnerschaft, hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Erfolgen bei der Sicherung und Stärkung der Infrastruktur von Resse erzielt und hat sich auch an den Beratungen zum Projekt „Hannoversche Moorgeest“aktiv beteiligt. Resse ist die viertgrößte Ortschaft der nördlich von Hannover gelegenen Gemeinde Wedemark und liegt im Zentrum der Hannoverschen Moorgest. Drei der vier zum Projektgebiet gehörenden Moore grenzen unmittelbar an den Ort. Der Verein verweist darauf, dass nach Jahren intensiver Planung und konstruktiver Verhandlungen mit allen vom Projekt betroffenen Gruppen ein Pflege- und Entwicklungsplan vorliege, der die Möglichkeit biete, die Hannoversche Moorgeest vor der endgültigen Zerstörung zu bewahren und damit eines der bedeutendsten Moorgebiete des Landes zu erhalten. Die Hannoversche Moorgeest bildet mit vier Moorgebieten den größten zusammenhängenden Hochmoorkomplex in Niedersachsen. Unter der Verantwortung der Region Hannover als Objektträger wird seit drei Jahren an einem Konzept gearbeitet, die Moorlandschaft als naturnahen Lebensraum zu erhalten und den bereits weit fortgeschrittenen Prozess der Austrocknung der Flächen aufzuhalten.Mit den betroffenen Grundeigentümern sei Einvernehmen darüber hergestellt worden, dass das Projektgebiet um landwirtschaftlich genutzte Flächen in den Randbereichen der Moore verkleinert wird. Hierdurch sieht das Bundesamt für Naturschutz, das im Auftrag des zuständigen Bundesministeriums über die Vergabe der für die Umsetzung des Projektes erforderlichen Bundesmittel entscheidet, den ökologischen Mehrwert nicht mehr in dem erforderlichen Maße gegeben. Bei einer Verweigerung der Bundesmittel scheitert das Naturschutzgroßprojekt Hannoversche Moorgeest. Der Resser Bürgerverein hofft, dass der für Naturschutz zuständige Bundesminister in dieser Angelegenheit eine Entscheidung trifft, die die Tatsache in angemessener Weise würdigt, dass bei diesem Projekt in beispielhafter Weise ein für alle betroffenen Gruppen akzeptabler Kompromiss erarbeitet wurde, so dass nun eine breite Zustimmung zu diesem Vorhaben gegeben sei. Die Chance dürfe nicht vergeben werden, einen einzigartigen Landschaftsraum für kommende Generationen zu erhalten.