Bundesverdienstkreuz für Elke Schäfer

Am Freitag hat die stellvertretende Regionspräsidentin Petra Rudszuck (rechts) der Bissendorferin Elke Schäfer das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik übergeben. Foto: Christian Stahl/Region Hannover

Eine respektvolle Anerkennung für 20 Jahre Engagement im sozialen Bereich

Bissendorf (awi). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat ges-tern Vormittag Elke Schäfer aus Bissendorf in Anerkennung ihrer besonderen Verdienste um das Allgemeinwohl das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Elke Schäfer engagiert sich seit mehr als 20 Jahren im sozialen Bereich. In der Wedemark ist sie insbesondere für ihren Einsatz für den mittlerweile aufgelösten Verein Gegenwind und das Projekt „Mein Körper gehört mir“ bekannt.
Sie initiierte in der Region Hannover unzählige Aktivitäten und Hilfsangebote zur Prävention von Gewalt und sexuellem Missbrauch. Urheber für ihren Einsatz war ein Fall von sexuellem Kindesmissbrauch in ihrem persönlichen Umfeld. Als sie erkannte, wie wichtig Erstberatung und Soforthilfe für indirekt Betroffene sind, wurde sie 1995 öffentlich aktiv. Zunächst engagierte sie sich als stellvertretende Vorsitzende im Kinderschutzbund in der Wedemark.In ihren Anfängen stieß Elke Schäfer immer wieder an Mauern und auf Ablehnung. Doch unbeirrt verfolgte sie ihr Ziel, Kinder und Jugendliche vor sexueller und physischer Gewalt zu schützen. Sie initiierte Treffen mit Fachkräften, Pädagogen und Frauenbeauftragten. Sie war 1996 Mitbegründerin eines Arbeitskreises, in dem Fachkräfte und Pädagogen dieses Thema aufgriffen. Für diese Personengruppe organisierte sie Informationsveranstaltungen und Fortbildungen für Multiplikatoren. Zwei Jahre später gründete Elke Schäfer den Verein Gegenwind und hat bis zur Auflösung des Vereins im Jahr 2015 das Amt der Ers-ten Vorsitzenden ausgeübt. Ziel des Vereins war die Prävention von Gewalt und sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen. Hierzu wurden Informationsveranstaltungen, Fortbildungen und Beratungen insbesondere für Erzieher und Pädagogen in Kindergärten, Schulen und Gruppen angeboten. Es wurde gezielte Elternarbeit durch Elternabende und themenbezogene Gesprächsrunden betrieben. Für Kinder und Jugendliche wurden zahlreiche aufklärende sowie zum Teil geschlechtsspezifische Projekte durchgeführt. Ab 2004 hatte sich der Verein zunehmend auf die direkte Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ausgerichtet.
Es wurden umfassende Präventionsprogramme und theater-
pädagogische Präventionsprojekte wie „Mein Körper gehört mir“, „Ein Tritt ins Glück“ oder „Die große Nein-Tonne“ für Kinder in Kindergärten, Schulen und Horten durchgeführt. Ab 2006 wurde auch das Thema Gefährdung im Internet für Schüler der weiterführenden Schulen aufgegriffen und entsprechende Workshops erarbeitet.
Über mehrere Jahre fanden Mütter von sexuell missbrauchten Kindern sowie Frauen mit eigener Missbrauchserfahrung in professionell geleiteten Gruppen Austausch und Unterstützung zur Bewältigung ihres Lebensalltags. Im Jahr 2001 initiierte Elke Schäfer die Produktion des Theaterstücks „Schreib mich in den Sand“, das in der Region Hannover etwa 5.000 Schüler erreichte.
In Eigenregie des Vereins kam 2004 das Theaterstück „Rasenspiele“ in Gymnasien und für die Öffentlichkeit mehrfach zur Aufführung. Während der gesamten Zeit hatte der Verein auch Einzelberatungen für betroffene Kinder, Angehörige und Bezugspersonen angeboten. Diese Einzelgespräche sowie die Unterstützung und weitere Betreuung der Personen wurde hauptsächlich von Elke Schäfer wahrgenommen. Dabei hatte sie Kontakte zu entsprechenden Einrichtungen und Organisationen geknüpft, um wirkungsvoll Hilfe leisten zu können.
Über die Organisation und Durchführung der Veranstaltungen sowie die Beratungsarbeit hi-
naus war Frau Schäfer für die Sponsorenakquise verantwortlich, um die ehrenamtliche Präventionsarbeit des Vereins zu finanzieren.
Elke Schäfer hat die in den 1990er Jahren noch stark tabuisierten Themen sexuelle Gewalt und sexueller Missbrauch aufgegriffen und in die Öffentlichkeit gebracht. In den 17 Jahren ihrer Aufklärungs- und Präventionsarbeit hat sie es zusammen mit ihren Mitstreiterinnen und Mitstreitern geschafft, dass die Problematik zum Schutz von Kindern und Jugendlichen offen angesprochen und in die Erziehungsarbeit von Kindergärten, Schulen und Horten einbezogen wird. Die Auflösung des Vereins Gegenwind wurde im Rahmen einer Mitgliederversammlung beschlossen, da sich zu dem Zeitpunkt bereits zahlreiche Institutionen, Vereine und Gremien in der Region Hannover der Aufgabe der Missbrauchsprävention gewidmet hatten und ein breites Angebot für die verschiedenen Einrichtungen, Zielgruppen und Betroffenen bestand.
Für ihr besonderes Wirken im sozialen Bereich ist Elke Schäfer schon 2004 vom Niedersächsischen Ministerpräsidenten mit der Verdienstmedaille für vorbildliche Verdienste um den Nächsten ausgezeichnet worden. Die über Jahrzehnte geleistete ehrenamtliche Arbeit im Bereich der Missbrauchsprävention findet nun mit der Verleihung des Verdienstkreuzes am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland die ihr gebührende Würdigung und Anerkennung.