Campus auch für nächste Messe gesetzt

Veranstalter und Besucher sind durchweg zufrieden: Standort und Konzept gingen auf

Mellendorf (awi). Es ist wie bei der berühmten Definition vom Opti- und vom Pessimisten und der halbvollen beziehungsweise halbleeren Flasche: Auf die Perspektive kommt es an. Es war eine rundum gelungene Wirtschaftsmesse mit unterm Strich knapp 15.000 Besuchern aus der ganzen Region. Für jeden war etwas dabei. Sie war hervorragend und vorausschauend geplant, mit Überraschungsmomenten wie Fahrchips für die Kinder, die vom Leichtflugzeug aus auf den Sportplatz abgeworfen wurden, und einem Überraschungsgast Heinz-Rudolf Kunze als Bonbon in der Abendveranstaltung, die letztendlich doch nicht nur für die Aussteller, sondern für alle Messebesucher, die am Sonnabend die Ansagen mitbekamen, offen war. Zum ersten Mal war ein Verein Ausrichter, der dieses Mammutprojekt im Schulterschluss mit der Gemeinde und weiteren Unterstützern schulterte und alle Beteiligten haben ihre Sache prima gemacht, betonte ausnahmslos jeder, den man darauf ansprach.
Man kann aber auch über den fürchterlichen Starkregen jammern, der am Sonnabend in diesem Ausmaß nicht vorhersehbar über dem Messegelände niederging und die Zahl der Aussteller herausstellen, die daraufhin ihre Pavillons abbrachen (aber am Sonntag trocken wieder zur Stelle waren). Man kann über die Abstimmungsschwierigkeiten der Beteiligten untereinander lamentieren, die bei einem solchen Debüt – und das war die Wirtschaftsmesse 2016 in dieser Form an diesem Standort mit einem neuen Organisationsteam – nichts Ungewöhnliches sind. Man kann aber im Nachhinein auch einfach nur feststellen: Das war eine wirklich runde Sache, was Bernd Depping und sein Team vom Motorsportclub da für die Wirtschaft und die Bewohner der Wedemark und der umliegenden Gemeinden auf die Beine gestellt haben. Und beim nächsten Mal – dass es das geben wird, daran zweifelt eigentlich niemand – findet man sich im Genehmigungs-
dschungel schon wesentlich besser zurecht, bedenkt auch als Gemeinde einige Dinge im Vorfeld, die man diesmal noch nicht bedacht hat und stellt sich auch personell möglicherweise noch breiter auf. Und das Wetter, das wird immer die große Unbekannte bleiben. Allerdings sei die Anmerkung erlaubt: Bei einer Messe auf der grünen Wiese hätte man nach einem solchen Regenguss getrost die ganze Veranstaltung kippen können. Hier flossen die entstandenen Seen relativ rasch wieder ab und am Sonntag war von den Wassermassen überhaupt nichts mehr zu sehen. Niemand – weder Aussteller noch parkendes Auto – musste aus dem Schlamm gezogen werden, der Shuttle-Service zum künftigen Bauhofgelände in Hellendorf wurde am Sonntag rege genutzt. Und die unbelehrbaren Falschparker, die sowohl Aussteller als auch Feuerwehrzufahrt am Roye-Platz blockierten und die mit Durchsagen ihrer Autonummern und Abschleppandrohungen zum Umparken bewegt werden mussten, hat man leider auch auf jeder Veranstaltung. Was zählte, waren am Sonntagabend die zufriedenen Gesichter: bei den meisten der 178 Aussteller, den Gastronomen, dem Veranstalterteam und den Besuchern.
Er freue sich bei dieser Veranstaltung, die mal auf der grünen Wiese entstanden und gewachsen sei, diesmal Vereine und sozial Aktive einbinden zu können, sagte Bernd Depping bei der Messeeröffnung am Sonnabend. Er bedankte sich bei allen Beteiligten für die Unterstützung. Trotz gewisser Kritikpunkte habe man gemeinsam einen guten Weg gefunden, um die Messe umzusetzen. Insbesondere lobte Depping Kai-Martina Hildebrandt, die als Eventmanagerin beim Veranstalter MC Wedemark unermüdlich im Einsatz gewesen sei. Der Gemeinde und Bürgermeister Helge Zychlinski dankte Depping für die faire Zusammenarbeit: „Du hast das Gewisse, das ich nicht habe. Das hat uns nach vorne gebracht“, so Depping augenzwinkernd zum Bürgermeister. „Wir mussten drei Jahre warten auf diese Messe“, erinnert Zychlinski. Vor gut einem Jahr habe ihm Bernd Depping den Vorschlag unterbreitet, die Messe auf dem Campus umzusetzen. Das Ergebnis seien wunderbare Bedingungen für die Aussteller im Außen- und Innenbereich. „Das Engagement, das Bernd an den Tag gelegt hat, ist mit Gold nicht aufzuwiegen“, so der Bürgermeister. So könne sich die regionale Wirtschaft hervorragend präsentieren und ihre Leistungsfähigkeit in den Fokus rücken. „Es ist so wichtig zu zeigen, dass man vor der Haustür wunderbare Unternehmen hat“, betonte Zychlinski. Schirmherrin CarenMarks betonte, dass sie die Schirmherrschaft für diese Veranstaltung ausgesprochen gerne übernommen habe. Die Atmosphäre sei wunderschön, es gebe viele Informationen, Essen, Trinken und ein tolles Unterhaltugnsprogramm. Der Messerundgang führte die Gäs-te der offiziellen Eröffnung durch die Mensa, wo der Hobbykreis ausstellte, den Großgruppenraum, wo Ehrenamtliche unter dem Dach der Freiwilligenagentur über ihre Gruppen informierten, an der Turnhalle vorbei, wo der MTV und andere Vereine zwei Tage lang ohne Unterbrechungen Sportangebote präsentierten bis ins Ausstellerzelt auf dem Schützenplatz. Und hier hielt sie der erste unwetterartige Regenguss auch erst einmal fest, genau wie viele andere Besucher, die sich vom Außengelände ins Zelt flüchteten. Doch machte es Spaß zu sehen, wie manche einfach aus der Not eine Tugend machten: Die Besucher, die sich Zeit für sehr intensive Gespräche mit den Ausstellern auf den Ständen im Zelt nahmen, die Aussteller draußen, die etwas haltbarere Stände hatten und anderen, denen die Pavillons wegflogen, Unterschlupf gewährten. Der Gemüsehändler Manfred Bolz aus Bissendorf stiftete seine Erdbeeren, die er nach dem Regenguss dringend zeitnah verzehrt werden mussten, nach Absprache mit der Gemeinde den Flüchltingen in der Sammelunterkunft in der Jugendhalle Mellendorf. Und die fünfjährige Lenya nahm vor aller Augen ganz begeistert ein Bad in den überschwemmten Grünflächen auf dem Campus. Hatte nicht die Umfrage zum Sportentwicklungsplan als Ergebnis den Wunsch nach einem Badesee ergeben? Hier hatte man ihn auf ganz natürliche Weise und Mutter hatte zum Glück Wechselsachen dabei. Der Sonntag machte dann seinem Namen alle Ehre. Die Sonne schien ohne Unterlass, die Besucher kamen in Scharen, verteilten sich auf dem weitläufigen Gelände aber so, dass niemand den Eindruck von Gedränge hatte. Da auch Essens- und Getränkestände gut verteilt waren, brauchte niemand lange anzustehen, jeder bekam, was er wollte und brauchte. Viele genossen auch das Rahmenprogramm mit Oldtimern, Motorsportautos und Feuerwehrübung. Ein besonderer Dank des Veranstalters gilt auch der unermüdlichen Verkehrswacht, die Parkplatzsuchende einwies und potentielle Falschparker von eben diesem Vorhaben abhielt, wo es ihr gelang.