CDU thematisierte die „Inklusion“

Die Landtagsabgeordnete Editha Lorberg (sitzend, vorne links) hatte den Generalsekretär der CDU Niedersachsen, Ulf Thiele, nach Bissendorf zum Austausch mit Senioren- und Behindertenbeirat und anderen sozial engagierten Wedemärkern eingeladen. Foto: A. Wiese

Generalsekretär Ulf Thiele zu Gast und im Gespräch mit Gremienvertretern

Bissendorf (awi). „Wir brauchen mehr Vernetzung und Austausch und das muss intensiv aus dem Hauptamt heraus begleitet werden“, so der Appell der niedersächsischen Landtagsabgeordneten Editha Lorberg im Bissendorfer Bürgerhaus. Dort brachte sie ihren Landtagskollegen, den niedersächsischen CDU-Generalsekretär Ulf Thiele mit Vertretern des Senioren- und Behindertenbeirates und anderen Wedemärkern zusammen, die sozial entweder beruflich oder ehrenamtlich engagiert sind.
Lorberg lobte ausdrücklich die bewundernswerten Aktivitäten des Wedemärker Seniorenbeirates und des Behindertenbeirates. Typisch für die Wedemark sei es aber auch, unbürokratisch und aus der Nachbarschaftshilfe heraus zu helfen. „Wir wollen heute von Ihnen hören, was Sie auf dem Herzen haben“, wandte sich Lorberg an den Kreis der geladenen Gäste. Doch zunächst hatte CDU-Generalsekretär Ulf Thiele ds Wort. Er erklärte, die Debatte, die hier heute geführt werden solle, werde fachpolitisch unter dem Begriff Inklusion zusammengefasst, sei aber wesentlich komplexer als die Tatsache, dass eine Förderschule geschlossen und eine andere Schule die Kinder mit Handicap aufnehme. In Niedersachsen habe zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung einen anerkannten Schwerbehinderungsgrad von 50 Prozent und mehr, zwei Drittel davon seien sogar über 60 Prozent gehandicapt. Der Zusammenhang mit dem demographischen Wandel liege nahe, so Thiele. Es gehe jedoch nicht darum, was die sich verändernde Altersstruktur für den Arbeitsmarkt bedeute, sondern wie man in Zukunft bei noch mehr Betroffenen für jeden Menschen in seiner unterschiedlichen Situation Teilhabemöglichkeiten schaffen könne. „Im Moment diskutieren wir über Pflege, Pflegearbeiten und Städtebauprogramm, aber langfristig müsse das Stadtumfeld so gestaltet und verändert werden, dass Ältere möglichst lange in ihrem Wohnumfeld bleiben könnten“, so Thiele. Und vor der Frage zur technischen Umsetzung müsse die Frage stehen, „ob wir bereit sind, eine inklusive Gesellschaft zu sein“.
Nach Thieles umfangreichen Ausführungen kam die Vorsitzende des Behindertenbeirates in der Wedemark, Renate Löhr aus Brelingen, zu Wort. Sie dankte dem Rat der Gemeinde ausdrücklich für seine Unterstützung. Es gebe kaum eine Kommune mit 30.000 Einwohnern, die ein solches Gremium habe. Die Gemeinde Wedemark habe auch extra eine Hörschleife für ihren Bürgersaal im Bürgerhaus angeschafft, damit Menschen wie sie selbst, die nach einem Hörsturz ihre Hörvermögen verloren hätten, an Sitzungen teilnehmen könnten. Der Behindertenbeirat mache aktiv Inklusionsarbeit, indem er inklusive Sportangebote und inklusives Wohnen fördere, die Absenkung von Bürgersteigen initiiere und dafür sorge, dass der Zugang zu öffentlichen Gebäuden barrierefrei gestaltet werde. Ihr Anliegen sei, dass auch die Volkshochschule Hannover-Land für all ihre Kursangebote Barrierefreiheit schaffe und Hörschleifen installiere. Gabriele Wolff aus Wennebostel, ebenfalls, vom Behindertenbeirat unterstrich dies: Barrierefreiheit nutze der ganzen Gesellschaft. Es sei eine gesetzliche Vorgabe, dass Menschen nicht wegen ihrer Behinderung benachteiligt werden dürften. „Davon sind wir weit entfernt“, kritisierte Wolff. Klaus Makowka aus Bissendorf meldete sich „als pflegender Familienangehöriger einer demenzkranken Person“ zu Wort. Aus seiner Sicht sei „Inklusion eine gelebte Katastrophe“. Makowka forderte die Politik auf, ihre Verantwortung wahrzunehmen und mehr Kompetenz im Umgang mit modernen Kommunikationsmedien zu vermitteln deren Nutzung nachweislich spätere Demenz begünstige. Darauf Ulf Thieles Reaktion: „Ich möchte nicht, dass der Staat seinen Bürgern vorschreibt, wie sie zu leben haben.“