Das ganz besondere Ferienprojekt

Tauchen im Spaßbad mit Tauchlehrern, die extra aus Teneriffa eingeflogen wurden, war für die Kinder und Jugendlichen, denen zum Teil von Geburt an, Gliedmaßen fehlen, eine völlig neue und sehr wertvolle Erfahrung, die ihnen zusammen mit anderen Unternehmungen zu einem ganz neuen Selbstbewusstsein verhalf. Foto: A. Wiese
 
Gruppenfoto aller Teilnehmer des Feriencamps des Bundesverbandes in Gailhof.

33 Kinder und Jugendliche mit Gliedmaßenamputationen erfahren, was sie können

Gailhof/Mellendorf (awi). Kanu- fahren, Klettern im Hochseilgarten, Schwimmen, Tauchen und ein Geländetag mit Kletterwand, Kis-tenklettern, Reiten, Voltigieren, Bogenschießen und vielem mehr – normale Aktivitäten für ein Feriencamp für Kinder und Jugendliche. Aber auch für Acht- bis 17-Jährige mit Amputationen und Gliedmaßenfehlbildungen? „Ja, warum denn nicht?“, sagt Dieter Jüptner, Präsident des BMAB, des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- und oder Beinamputationen. Und „Ja“ sagen auch die 33 Kinder und Jugendliche, die eine Woche lang von ihrem Feriencamp auf dem Gelände des Jugend- und Gäs-tehauses Gailhof aus genau das unter Beweis gestellt haben.
Es war das erste Jugendcamp für Kinder und Jugendliche mit Amputationen und Gliedmaßenfehlbildungen, das der BMAB veranstaltet hat, federführend organisiert von Detlef Sonnenberg aus Brelingen und mit zugegebenermaßen ein bisschen Herzklopfen. Doch bereits am Mittwoch, zur Halbzeit, konnten die Organisatoren und die zehn Betreuer, von denen viele selbst amputiert waren, das Jugendcamp 2015 als Erfolg auf der ganzen Linie verbuchen. Die 33 Kinder und Jugendlichen, für die der Aufenthalt in Gailhof, sämtliche Aktivitäten sowie die Anreise kostenlos waren, strahlten beim Schwimm- und Tauchtag am Mittwoch im Spaßbad soviel Zufriedenheit und Lebensfreude aus, dass unübersehbar war: Hier haben es diese jungen Menschen genossen, mit anderen, denen es genaus geht, wie ihnen, zusammen zu sein und zu beweisen, was sie sich zutrauen. Bereits in den Tagen zuvor hatten sie eindrucksvoll beim Paddeln im Kanu in Limmer und beim Klettern im Hochseilgarten in Mardorf gezeigt, dass es „geht nicht“ nicht gibt und ihnen trotz ihrer Behinderung keine Grenzen gesetzt sind. Die Sparkasse Hannover hat dieses Projekt des Bundesverbandes für Menschen mit Arm- oder Beinamputation übrigens mit 5.000 Euro unterstützt. Sonst wären solche Aktionen wie das Einfliegen von Tauchlehrer Henning Fahrenholz von der Tauchschule „El Alma Rie“ (Die Seele lacht) aus Teneriffa nicht möglich gewesen. Henning Fahrenholz und sein Team sind seit 15 Jahren spezialisiert auf das Tauchen mit Personen mit Beeinträchtigungen. „Uns geht es hier im Spaßbad nicht ums Tieftauchen, sondern darum, dass die Kinder und Jugendlichen spüren, wie sie mit Flossen oder Handflossen und Sauerstoffflasche frei im Wasser schweben, sich mit Kleinstbewegungen um die eigene Achse drehen können und unter Wasser ihr ganz eigenes Körpergefühl finden“, erklärt der Tauchlehrer. „Wir erleben hier jeden Tag neue positive Überraschungen“, sagt Dieter Jüptner begeistert. Bei allen sportlichen Herausforderungen stehe das soziale Verhalten im Mittelpunkt. Alle Teilnehmer hätten gemeinsam, dass sie zuhause größtenteils keinen Kontakt zu anderen Kindern und Jugendlichen mit Gliedmaßenfehlbildungen oder Arm- oder Beinamputationen hätten. „Sie leben hier auf, weil sie merken, dass sie nicht allein betroffen sind, weil sie in dieser Gruppe endlich einmal nicht wie Exoten angestarrt werden“, sagt Dieter Jüptner ernst. Man könne auch nicht sagen, dass Kinder oder Jugendliche, denen von Geburt an Gliedmaßen fehlten, mit der Situation besser zurecht kämen, als solche, die Hände, Arme oder Beine später durch Krankheit oder Unfall verloren hätten.