Das ICH stärken

Die Jungen und Mädchen der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte der Kapernaum Kirchengemeinde in Resse übten sich in Selbstbehauptung. Reinhard Mandel (re) vom WBC übt mit den Jungen; Erzieherin Yvonne Schulz von der Kindertagesstätte unterstützt die externen Trainer. Foto: N. Mandel

Kinder aus Resser Hort lernen Selbstbehauptung

Resse (nm). Ein sechsstündiges Projekt, das zur Zeit im Hort der evangelisch-lutherischen Kindertagesstätte der Kapernaum Kirchengemeinde in Resse läuft, schult die Hortkinder in Sachen Selbstbehauptung. Zum dritten Mal hat Tagesstättenleiterin Bärbel Stöcker nun schon zwei Trainer vom Wedemärker Budo Club mit dem Seguro ®/Selbstbehauptungs- und Gewaltpräventionsprojekt in die Einrichtung holen können. Reinhard und Natalie Mandel arbeiten mit den zwanzig Mädchen und Jungen geschlechtsspezifisch getrennt und knüpfen in Rollenspielen an deren Erfahrungen im Alltag an. „Vieles ist einfacher zu besprechen in der reinen Mädchen- oder Jungengruppe“, sagt Natalie Mandel, Diplom Pädagogin und Entwicklerin des Präventionskonzepts. Denn nicht nur ‚alltägliche‘ Übergriffe unter den Kindern werden thematisiert. „Es geht darum, dass die Mädchen und Jungen lernen, ‚Nein‘ zu sagen und ihre persönliche Integrität zu schützen“, erklärt die Trainerin. Gerade sexuelle Übergriffe sind etwas, über das Kinder nicht einfach so reden können, weil sie schlicht noch gar nicht ganz genau einordnen können, was das eigentlich ist. „Übergriffs-Erfahrungen in Worte fassen zu können ist ganz wichtig. Jedes Kind muss wissen, was eine andere Person darf und was nicht“, so Reinhard Mandel, Jungentrainer. Durch das Thematisieren von möglichen Übergriffen, wird klar, wann ein Übergriff anfängt und wie das Kind sich in dem Moment schützen kann. Auch bekommen die Kinder ein ausgeprägteres Gefühl dafür, wann sie vielleicht selber zum ‚Täter‘ werden, wenn sie etwas tun, was ein anderes Kind nicht möchte. Das Schulen von Sozialkompetenz ist ebenfalls im pädagogischen Konzept des Horts verankert. Dadurch ist in der Einrichtung schon viel Vorarbeit geleistet worden. Das Bewusstsein der Kinder für Dinge wie unangenehme Berührungen oder Geheimnisse, die plötzlich ein Erwachsener mit ihnen haben will, ist geschärft. Denn das gehört zum Präventionskonzept der Resser Kindertagesstätte. „Persönlichkeitsentwicklung, Ich-Stärken, Eigen-Sinn zulassen und das Abgrenzen üben, wenn etwas passiert, was ein Kind nicht möchte, das üben wir hier im Hortalltag“, erklärt Bärbel Stöcker den festen Bestandteil des pädagogischen Konzeptes. „Es ist aber immer gut, wenn den Kindern ein breit gefächerter Zugang zu dem Thema angeboten wird und sie diese Inhalte auch mal von Externen vermittelt bekommen“, konstatiert sie. Dabei steht der Präventionsgedanke im Vordergrund.
Den zwanzig teilnehmenden Jungen und Mädchen macht das Training großen Spaß. Sie werden spielerisch an die Themen herangeführt, der Kurs möchte sie stärken und ihnen Selbstsicherheit vermitteln. In der Interaktion spüren sie ihre Selbstwirksamkeit, das macht sie zu starken Persönlichkeiten. „Die Frage am Ende des Trainings ‚Wann kommst du wieder‘? ehrt uns immer sehr“, schmunzeln die Trainer. Dann wissen sie, dass sie den Kindern nicht nur eine Hilfestellung zur Selbstbehauptung gegeben haben, sondern ihnen der Kurs auch so viel Spaß gemacht hat, dass die Inhalte in Erinnerung bleiben.