"Das ist gelebte Integration"

Auf der Flucht gewesen und angekommen: Der Sudanesin Mauda Abdelhamid hat ihr Praktikum beim Verein der Kinderfreunde Spaß gemacht. Sie möchte jetzt eine Ausblldung zunächst als Sozialassistentin, später als Erzieherin machen. Foto: A. Wiese

Sudanesin absolviert vierwöchiges Praktikum im Kindergarten

Mellendorf (awi). Mauda Abdelhamid ist mit ihrem Mann und zwei Kindern vor etwas mehr als fünf Jahren aus dem Sudan geflohen. Das dritte Kind, Mohammed, kam auf der Flucht in Italien zur Welt. Dorthin hatte die Flucht die Familie von Libyen aus geführt. drei Jahre und fünf Monate dauerte die Odyssee, bis Mauda Abdelhamid, ihr Mann und ihre Kinder in Deutschland zur Ruhe kamen. Deutschland war nicht ihr Ziel gewesen, als sie im Sudan aufbrachen, sie wollten nur Frieden und in Ruhe leben und etwas zu essen haben. Für dieses Ziel tut die Sudanesin auch heute alles. Sie will arbeiten, zum Unterhalt ihrer Familie beitragen und deshalb hat sie jetzt ein vierwöchiges Praktikum im Kindergarten WEDEracker der Kinderfreunde absolviert. Mauda hat die Arbeit großen Spaß gemacht. Sie möchte eine Ausbildung als Sozialassistentin und anschließend als Erzieherin machen. Tim Arndt-Sinner, Geschäftsführer der Kinderfreunde hat ihr schon signalisiert, dass man mit ihr sehr zufrieden war und von seiner Seite einer Ausbildung nichts im Wege steht. Jetzt müssen nur noch die Formalitäten mit dem Jobcenter geklärt werden.
Mauda war bei den WEDErackern keine Unbekannte, denn ihr jüngster Sohn Mohammed besucht den Kindergarten. "Ein aufgeweckter Junge, der prima Deutsch spricht, genau wie seine Mutter", sagt Tim Arndt-Sinner. Dass gute Sprachkenntnisse ihr Zugang zur Arbeitswelt und der Integration überhaupt sein würden, das sei ihr klar gewesen, so Mauda. Sie habe sofort angefangen Deutsch zu lernen, als sie hierhergekommen sei, ebenso wie ihr Mann so schnell wie möglich die Kurse des Jobcenters absolviert - trotz der drei Kinder. Deren Betreuung ist geregelt. Der Große geht in die achte Klasse der IGS Wedemark, ihre Tochter in die zweite Klasse der Grundschule, Mohammed in den Kindergarten. Ganz bewusst hat Mauda ihr Praktikum jetzt in einer anderen Gruppe absolviert. Dass die Muslimin ein Kopftuch trägt, hat die Kinder nicht gestört. "Ein Kind hat am Anfang einmal gefragt, warum, und dann gesagt, das sehe hübsch aus", schmunzelt die Sudanesin, die sehr offen mit religiösen Fragen umgeht. "Wir leben hier und wir müssen wissen, wie die Menschen hier denken", sagt Mauda. Daher besuchen ihre Kinder in der Schule auch den ganz normalen Religionsunterricht, haben einen Adventskalender und es wird in der Familie Abdelhamid auch einen Weihnachtsbaum und Geschenke am 24. Dezember geben. "Das ist hier so, es ist ein Brauch, unsere Kinder bekommen das im Kindergarten und in der Schule mit und möchten das auch", sagt Mauda schlicht. Ihre Familie hat den Anerkennungsstatus erst einmal für drei Jahre, aber sie kann sich nicht vorstellen, wieder in den Sudan zurückzugehen. Ihre Kinder sprechen besser deutsch als arabisch und das sei auch in Ordnung. Ihr Mann hat bereits gearbeitet und sucht zurzeit einen neuen Arbeitsplatz im Metallbereich. Sie ist zuversichtlich, dass das klappt. "Irgendwann werden wir beide unseren Beruf haben", freut sich Mauda, die im Sudan neun Jahre zur Schule ging und hinterher im Computerbereich gearbeitet hat, aber eigentlich immer etwas mit Kindern machen wollte. Bei ihrem Praktikum hat es ihr großen Spaß gemacht, mit den Kindern zu spielen. "Dazu kommt man zuhause mit den eigenen Kindern nicht so viel. Immer ist da die Hausarbeit und man muss kochen", schmunzelt sie. Ihre ruhige Art kam bei den Kindern und anderen Mitarbeitern der Storchgruppe gut an. "Schon als wir Mauda nur als Mutter von Mohammed kannten, haben wir gemerkt, wie bemüht sie ist, alles mitzubekommen und richtig zu machen", sagt Tim Arndt-Sinner. Hinweise aus dem Kindergarten, dass jetzt eine Matschhose oder Gummistiefel oder die warme gefütterte Jacke mitgebracht werden müssten, wurden postwendend umgesetzt. Das sei nicht selbstverständlich. Er würde sich freuen, wenn es mit Maudas Ausbildung beim Verein der Kinderfreunde klappt, der ja mit Kindergarten und Krippe zwei verschiedene Einrichtungen vorhält, wie es für eine Ausbildung vorgeschrieben ist. Im Praktikum war sie in der Dreiviertel-Tagesgruppe täglich von 8 bis 14 Uhr eingesetzt und immer bereit auch länger zu arbeiten, wenn es erforderlich war. "Mauda und ihre Familie sind ein Beweis für gelebte Integration", sagt Tim Arndt-Sinner und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit mit der Sudanesin.