Datenschützer warnt: Niemand hat 300 echte Freunde!

Der Vorsitzende der SPD Bissendorf-Wennebostel Walter Wilke (rechts) konnte den Landesbeauftragten für Datenschutz, Joachim Wahlbrink im Bürgerhaus zu einem Diskussionsabend begrüßen. Foto: L. Irrgang

Niedersachsens Datenschutzbeauftragter Joachim Wahlbrink in Bissendorf zu Gast

Bissendorf (ig). „Wir starten heute eine Veranstaltungsreihe, mit der wir Sie zu aktuellen örtlichen und allgemeinen politischen Themen informieren möchten“, begrüßte der Vorsitzende der SPD-Abteilung Bissendorf- Wennbostel, Walter Wilke, die Besucher des Vortrages von Joachim Wahlbrink, dem Landesbeauftragten für Datenschutz in Niedersachsen. Zum Thema Datenschutz gibt es, hervorgerufen durch die zahlreichen jüngeren Datenskandale viele Meinungen, so der Datenschutzbeauftragte in seiner kurzen Einführung, „das Interesse der Menschen am Schutz ihrer Daten ist sehr gewachsen, ein Skandal bringt uns für den Schutz mehr als 1.000 Argumente.“ Viele würden sich fragen, welche Daten denn überhaupt geschützt seien, so Wahlbrink „im Grunde geht es uns um die personenbezogenen Daten, welche die Intimsphäre betreffen.“ Die Rechtsordnung gehe regelmäßig davon aus, dass jeder das Recht hat, unbeobachtet und unkontrolliert sein Leben zu gestalten. „Ausnahmen müssen gesetzlich geregelt sein, oder man muss in den Eingriff in das Persönlichkeitsrecht eingewilligt haben“, machte Wahlbrink deutlich. Wenn man Zweifel an der Verwendung der eigenen Daten habe, solle man sich direkt an den Datenschutz wenden. „Das geht am besten über unsere Homepage unter www.lfd.niedersachsen.de.“
Die Zahl der Mitarbeiter sei vor kurzem auf 30 aufgestockt worden, so Wahlbrink, erste jetzt beginne man, auch eigene Kontrollen durchzuführen, vorher sei man auf Hinweise von Bürgern angewiesen. Doch die Kontrollen geben keine Entwarnung. „Da wo wir reinschauen, riecht es überall streng“, so der Datenschützer in Bezug auf zahlreiche Prüfungen. In der Diskussion mit den Anwesenden war die zunehmende Präsenz von Internet-Communities ein wichtiges Thema für viele Eltern. „Man weiß nicht, was alles mit den dort eingestellten Daten später passiert“, warnte Wahlbrink, „denn niemand hat 300 echte Freunde.“ Gerade in diesen Internet-Plattformen sei es üblich an alle vernetzten Personen seine Daten und Bilder weiterzugeben. „Diese Communities sind eine Kultrevolution erster Klasse, die wissen noch gar nicht, was sie anrichten.“ Vielen Schülern werde offeriert, dass es hip und trendy sei, mindestens 300 Freunde zu haben, „aber viele vergessen, dass die 300 angeblichen Freunde dann auch Zugriff auf alles haben, was einmal in der Community ins Netz gestellt wurde.“ Es gebe zwar noch keine alles verknüpfende „Datenkrake“ im Netz, machte Wahlbrink deutlich, „aber das, was man an Selbstschutz im Umgang mit den persönlichen Daten machen kann, sollte man unbedingt tun.“