„Dem Friede diene dies Klavier“

Gedicht von Arnold Kirchner

Elze. Auch Elzes passionierter Dichter Arnold Kirchner hat in den Tagen vor Weihnachten den Brief der Kirchengemeinde mit der Bitte um freiwilliges Kirchgeld erhalten. Die Weihnachtsspende soll für das Klavier verwendet werden. Den Dichter animierte dieses Schreiben zu einem Gedicht als Antwort auf den Brief des Pastors Schnell, den wir unseren Lesern nicht vorenthalten möchten:

Sehr geehrter Herr Pastor,
Dank für Brief ! --- Stelle mir vor,
wie das damals war bei mir
als ich sollte ans Klavier.

Das war Neunzehnhundertdreißig,
ich war sechs, genau noch weiß ich,
was mein Opa damals sagte
(mir kam's vor, dass er mehr klagte):

"Hier saß einst Dein Vater schon,
lernte eifrig Ton für Ton,
und zur Weihnacht spielte er
"Vom Himmel hoch, da komm ich her."

Mir gelang das leider nicht !
Musisch blieb ich Leichtgewicht,
kam dann bald ins Internat,
was den Fall beendet hat.

Doch im Krieg, als Patriot,
folgte ich dem Staatsgebot
wie ein völlig Durchgeknallter :
Schraubte ab die Kerzenhalter,
die aus Messing, vom Klavier.
Kriegte großes Lob dafür,
weil doch Messing, damals rar,
für Kanonen wichtiger war.

Knapp 3 Jahre später dann,
als kaputt geschossener Mann,
suchte ich nach dem Klavier,
dachte: Vielleicht hilft es Dir ?!

Doch es war, wie das Drumrum,
Schutt und Asche -- das war dumm !

Heute, lieber Herr Pastor,
stelle ich mir's wieder vor.
Und -- noch eh dies Blatt ich wende,
möchte ich mit meiner Spende
helfen, dass in Elze hier
neu erklinge ein Klavier,
das dem Elzer Kirchenchor
vom Sopran bis zum Tenor,
ja, sogar dem tiefen Bass,
dabei hilft : Gesang macht Spaß !

Falls dann am Klavier-Kauftage
einer stellt die Messingfrage,
sagt ihm einen Gruß von mir:
Dem Frieden diene dies Klavier !