Dem Thema Demenz stellen

Klaus Makowka (links), der den Vortrag im Auftrag des Behindertenbeirats organisiert hatte, bedankte sich bei Diplompsychologe Arnt Meier. Foto: A. Wiese

Sehr große Resonanz auf Vortragsangebot

Bissendorf (awi). Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil der über 60-Jährigen an der Gesamtbevölkerung 31 Prozent betragen. Ein Viertel der über 65-Jährigen leidet schon heute an psychiatrischen Erkrankungen. Eine davon, von der es jedoch viele Facetten gibt, ist Demenz. Sich diesem Thema zu stellen, ist die gesellschaftliche Herausforderung der Zukunft, trug am Mittwoch Diplom Psychologe Arnt Meyer, Leiter der Gedächtnisambulanz der Wahrendorffschen Kliniken, auf Einladung des Behindertenbeirats und des Gesprächskreises pflegender Angehöriger im Bürgersaal des Bürgerhauses in Bissendorf vor.
Das Vortragsangebot „Zwischen Altersvergesslichkeit und beginnender Demenz“ stieß auf eine so große Resonanz, dass sogar der Referent Arnt Meyer und Organisator Klaus Makowka vom Behindertenbeirat überrascht waren. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Stuhlreihen reichten bis zur Tür hinten. Das Publikum war bunt gemischt. Die angesprochene Zielgruppe der über 60-Jährigen war ebenso vertreten wie die Generation ihrer Kinder. 500 von Demenz Betroffene gebe es in der Wedemark, meinte Klaus Makowka. Dabei dürfte es sich jedoch nur um eine gegriffene Zahl handeln und die Dunkelziffer erheblich darüber liegen, denn wie umfassend das Thema der seelischen Gesundheit im Alter ist, das machte der Diplompsychologe den Zuhörern eindrucksvoll klar.
Fließende Übergänge zwischen „normaler“ Altersvergesslichkeit und Demenzerkrankungen wie Alzheimer erschweren die Diagnostik. „Demenz“, so definiert es Meier, „ist die erworbene Beeinträchtigung der Hirnleistung.“ Wenn die Gedächtnisleistung seit mindestens sechs Monaten abnimmt, ebenso die kog-nitiven Fähgikeiten, wenn es für den Betroffenen immer schwieriger wird, alltägliche Dinge zu erledigen, wenn sich Antrieb, Sozialverhalten und Affektkontrolle verändern – dann spricht man von Demenz. Doch nur zehn Prozent der Demenzpatienten wird ausreichend therapiert, merkt Meier an. „Mein Gedächtnis hat nachgelassen“, dieser Satz sei sehr allgemein, erklärt der Fachmann. Anschaulich erläutert er die verschiedenen Bereiche im Gehirn, erklärt Kurz- und Langzeitgedächtnis, arbeitet mit Begriffen wie merken, abspeichern und abrufen. 90 Prozent der Betroffenen leiden an primärer Demenz, 60 Prozent davon an Alzheimer, was durch charakteristische Veränderungen in Gehirn-Eiweißablagerungen und einen Mangel am Botenstoff Azetylcholin belegbar ist. Der Verlauf der Erkrankung mit Erinnerungsprob-lemen am Anfang, Verhaltenauffälligkeiten und schließlich Verlust der Selbstständigkeit ist typisch. Das nachvollziehbare Bedürfnis der Betroffenen, ihre Symptome zu verschleiern, erschweren die Diagnos-tik, die – soll sie durch einen Arzt geschehen – immer die Einwilligung des Patienten voraussetzt. Werden diagnostische Verfahren angewandt, stellt sich die Frage, ob der Patient und/oder seine Angehörigen darüber informiert werden wollen und sollen – eine Frage, die man in der Familie früh klären sollte, rät Meier. Im Frageteil der Veranstaltung im Anschluss an den Vortrag, stellt sich heraus, dass sich auf die Diagnostik und den Umgang damit auch das Interesse vieler Zuhörer fokussiert. „Kann ich mit meinem Vater, meiner Mutter einfach zum Arzt gehen und ihn oder sie auf Demenz testen lassen?“ lautet die Frage aus dem Zuhörerraum. Oder kann man Testverfahren, die Meier im Vortrag anschneidet spielerisch zuhause selbst durchführen? Einige Fragen sind von dem engagierten Diplom-Psychologen am Mittwoch beantwortet worden, doch zweifellos auch einige neue hinzugekommen. Kein Zweifel besteht daran, dass das Thema brandaktuell und der Informationsbedarf in der Gesellschaft hoch ist.