Demenz ist nicht heilbar

Professor Klaus Hager bei seinem Vortrag über Demenz, an dem auch Klaus Makowka (vorne links) und Monika Hoffmeister teilnehmen. Foto: B. Stache
 
Der Vortrag von Professor Klaus Hager im Bürgerhaus in Bissendorf findet reges Interesse. Foto: B. Stache

Mehr als 100 Zuhörer beim Vortrag von Professor Klaus Hager im Bürgerhaus

Bissendorf (st). Das Interesse am Vortrag von Professor Klaus Hager, Chefarzt im Diakoniekrankenhaus Hannover, über das Thema „Frühe Symptome, Diagnose, Verlauf und Therapie bei Demenz“ stieß am Dienstagabend im Bürgerhaus in Bissendorf auf reges Interesse. Monika Hoffmeister vom Gesprächskreis für pflegende Angehörige von Demenzkranken konnte mehr als 100 Zuhörer zu der Veranstaltung im großen Saal begrüßen. Renate Löhr, Sprecherin des Behindertenbeirats und Mitglied im Arbeitskreis Inklusion von Menschen mit und ohne Behinderung, sowie Klaus Makowka, Mitglied der Selbsthilfegruppe Pflegender Familienangehöriger, waren unter den Teilnehmern. Nach einer Gedenkminute für die Opfer des jüngsten Anschlags in Brüssel, informierte Professor Klaus Hager umfassend über das Krankheitsbild der Demenz, die mit Defiziten im Kurz- und Langzeitgedächtnis einhergeht. Alzheimer stellt eine Unterform der Demenz dar und tritt am häufigsten auf, erfuhren die Zuhörer. Im Alter von 70 bis 80 Jahren nimmt die Zahl der Demenzerkrankten zu – jeder vierte bis fünfte der über Achtzigjährigen hat Demenz, das sind 20 Prozent der Bevölkerung, so die Statistik. Demnach leiden 30 Prozent der über Neunzigjährigen an dieser Krankheit. Die jährlichen Kosten liegen bei der leichten Form von Demenz bei zirka 15 000 Euro und bei der schweren um die 42 000 Euro, überwiegend für die Pflege. Der Mediziner präsentierte unter anderem eine Übersicht mit Kriterien für Demenz, nach denen kognitive und verhaltensbezogene Symptome vorliegen, die das Funktionieren bei Altersaktivitäten beeinträchtigen. Gezeigt wurden auch MRT-Aufnahmen, anhand derer das Fortschreiten einer Demenz aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn erläutert wurde. Professor Klaus Hager beschrieb Krankheitsverläufe bei Demenzpatienten, die beispielsweise die zeitliche Orientierung verloren hatten und die aktuelle Jahreszahl nicht mehr nennen oder eine vorgegebene Wortfolge nicht mehr wiedergeben konnten. Es gibt keine Medikamente gegen die Demenz – nur solche, die das Fortschreiten des Krankheitsverlaufs verlangsamen können. Genannt wurden auch unterschiedliche Verhaltensweisen Demenzerkrankter, beispielsweise geistige Verwirrtheit oder Inkontinenz. „Im Prinzip hat der gesunde Partner die größten Probleme. Der kann sich ändern, muss sich anpassen. Der Kranke kann das nicht. Der Gesunde muss lernen damit umzugehen. Er muss aber auch seine Grenzen wahrnehmen und akzeptieren“, erklärte der Vortragende. In seiner Zusammenfassung machte Professor Klaus Hager deutlich, dass nicht jedes Gedächtnisproblem schon Alzheimer bedeutet. Im Alter verringert sich das Volumen des Gehirns, auch Zellen nehmen geringfügig ab. „Es geht etwas langsamer mit dem Denken und Erinnern, wenn wir älter werden.“ In der folgenden Fragestunde ging es unter anderem um die Folgen von Narkosemitteln und den Zusammenhang von sportlicher Betätigung und Demenz. Eine solche Korrelation gebe es nicht, erklärte der Mediziner und nannte als Beispiel einen Triathleten, der im Alter an Demenz erkrankte. Klaus Makowka, der einer Gruppe von zehn Ehrenamtlichen in der Wedemark angehört, die demenzkranke Menschen pflegen, erklärte: „80 Prozent der Demenzkranken werden zuhause gepflegt, nur 20 Prozent stationär. Das ist ein großes Problem. Wir machen die Erfahrung, dass die pflegenden Familienangehörigen nach zwei bis drei Jahren zusammenbrechen. Um die kümmern wir uns auch, zum Beispiel mit solchen Vorträgen und Aufklärung über das Thema Pflege- und Krankenkasse.“ Am Donnerstag, 12. Mai, kommt der Musiktherapeut Graziano Zampolin vom Verein Klang und Leben um 19 Uhr ins Bürgerhaus nach Bissendorf mit dem Thema „Die Bedeutung der Musik für demenziell veränderte Menschen“. Über „Die Behandlung der Demenz – ein ganzheitlicher Ansatz“ wird am Dienstag, 14. Juni, der Leitende Arzt Oliver Rosenthal von den Wahrendorffschen Anstalten im Bürgerhaus berichten. Die Vortragsserie wird im Herbst fortgesetzt, kündigte Klaus Makowka an. Der Eintritt zu all diesen Veranstaltungen im Bürgerhaus ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.