Der Bauhof zieht nach Hellendorf

Gestern morgen um 9 Uhr, also genau neun Stunden nach dem einmütigen Ratsbeschluss, unterrichteten Bürgermeister Helge Zychlinski (von links) und Gemeindekämmerer Joachim Rose Unternehmer Gert Butenhoff darüber, dass der Vertrag jetzt aufgesetzt werden kann. Foto: A. Wiese
 
Bürgermeister Helge Zychlinski (linksI) verabschiedete den bisherigen Mellendorfer Ortsbrandmeister Holger Schmidt (von rechts) mit einem herzlichen Dankeschön und Blumen und vereidigte seinen bisherigen Stellvertreter Cord Hanebuth als neuen Ortsbrandmeister. Neuer Stellvertreter ist Jens Tauber. Foto: A. Wiese

Rat segnet Ankauf des Butenhoff-Geländes für 984.000 Euro einmütig ab

Wedemark (awi). Der Wedemärker Bauhof zieht um. Der Rat der Gemeinde Wedemark hat am Montagabend um Mitternacht einmütig beschlossen, dass die Gemeinde umgehend das Betriebsgrundstück der Firma Butenhoff am Mellendorfer Kirchweg 43 in Hellendorf kaufen soll, um dort den Bauhof anzusiedeln, der seit 2011 auf dem ehemaligen Engelmanngelände in Engel-bostel als Mieter von Unternehmer Prahl beheimatet ist. Den Kaufpreis von 984.000 Euro finanziert die Gemeinde zunächst aus Mitteln, die in diesem Jahr nicht abgerufen wurden. Der Vertrag soll beim Notar noch vor Weihnachten unterschrieben werden.
Zychlinski sprach von einer einmaligen Chance für die Gemeinde, den Bauhof, der zwar aktuell nicht unzufrieden sei, aber unter beengten Verhältnissen leide, wieder auf einem eigenen Grundstück unterzubringen. Finanziell rechne sich die Investition auf jeden Fall. Rund 60.000 Euro Kaltmiete zahlt die Gemeinde zurzeit im Jahr für den Bauhof. Investitionen, die auf dem Gelände in Hellendorf noch getätigt werden müssen – unter anderem eine neue Maschinenhalle und Umbauten im Sozialtrakt – plant die Gemeinde über den Verkauf eines Teils des Grundstücks zu refinanzieren. Das Grundstück ist dann immer noch so groß, dass auch Wohnbebauung auf dem zum Friedhof Hellendorf hin gelegenen Teil angedacht ist. Dafür müssten aber zunächst die planerischen Voraussetzungen geschaffen werden. Das sei ein eigenes Thema, so Zychlinski, der aber nicht dementiert, dass auf dem Grundstück, auf dem in den neunziger Jahren schon einmal Container für Flüchtlinge standen, „vernünftige Wohnbauten für Flüchtlinge“ denkbar seien. Diese sollten dann aber planerisch so abgesichert sein, dass sie sinnvoll nachgenutzt werden könnten. „Wir sparen pro Jahr mindestens 17.000 Euro“, erklärte der Bürgermeister gestern morgen bei einem Ortstermin in Hellendorf, bei dem er Unternehmer Gert Butenhoff persönlich die Nachricht vom einstimmigen Ratsbeschluss für den Ankauf durch die Gemeinde überbrachte. Butenhoff, der vor drei Wochen mit seiner Idee an die Gemeinde herangetreten war, kann somit seine Pläne verwirklichen und binnen der nächsten zwei Monate auf das Grundstück von ehemals Aller-Logistik im Gewerbegebiet Bissendorf umsiedeln. Dies ist fast doppelt so groß wie das Grundstück, auf dem die Firma Butenhoff 1997 in Hellendorf ihre ersten Hallen gebaut hat. Damals fuhren zehn Lkw unter der Butenhoff-Flagge, heute sind es 45. Der dadurch bedingte Schwerlastverkehr in Mellendorf und Hellendorf, auch wenn die Fahrzeuge nur morgens einmal rausfahren und abends wieder hereinkommen und die Hälfte von ihnen die Woche über gar nicht wieder das Betriebsgrundstück anfährt, war eine immer wieder diskutierte Belastung für die Anlieger.
Der Verkehr, den der Bauhof mit sich bringt, fällt dagegen überhaupt nicht ins Gewicht. Bei einer Überplanung des Gebietes und einer möglichen Ausweisung als Mischgebiet könnte möglicherweise auch die gegenüberliegende Seite am Mellendorfer Kirchweg für Wohnbebauung in Betracht gezogen werden, bestätigte Zychlinski. Doch zunächst steht der Umzug des Bauhofes im Vordergrund. Ein Jahr Kündigungsfrist hat die Gemeinde ohnehin in Wennebostel und da sie einen Zehnjahresvertrag abgeschlossen hat, muss sie möglicherweise mit einer Vorfälligkeitsentschädigungszahlung rechnen. „Das Jahr werden wir auf jeden Fall auch brauchen, bis das Grundstück in Hellendorf unseren Bedürfnissen entspricht und alles so hergerichetet ist wie wir es brauchen“, erklärte der Bürgermeister gestern. Den Preis für das Grundstück hat die Gemeinde durch ein Wertgutachten ermitteln lassen. Und auf Kosten des bisherigen Eigentümer Butenhoff hat es auch eine Untersuchung auf mögliche Kontaminationen gegeben, die allerdings ohne Befund gewesen sei. Der Bürgermeister konnte dem Rat also den Ankauf des Geländes mit gutem Gewissen empfehlen. Die SPD werde zustimmen, erklärte Heiner Peterburs. Mit dem Ankauf werde eine neue Perspektive für das Unternehmen geschaffen, die Geräuschbelastung durch den Schwerlastverkehr beseitigt, der Bauhof residiere wieder auf eigenem Gelände, durch Wohnnutzung könnten weitere Einnahmen erzielt werden. Es sei „eine Lösung, von der alle etwas haben“, so Peterburs. Für die CDU stimmte Fraktionschef Rudi Ringe dem ebenfalls zu. Die CDU habe zwar erst vor einer Woche von der Möglichkeit erfahren, doch es sei eine gute Gelegenheit, den Bauhof in die Mitte der Gemeinde zu holen und spare langfristig Geld. Für das Unternehmen Butehhoff sei es eine Win-Win-Situation. Die Bürger würden froh sein über die Entscheidung. Ringe empfahl der Verwaltung, die Tankanlage zu behalten. So könnten Bauhof und Feuerwehrfahrzeuge preisgünstiger betankt werden. Auch FDP-Ratsherr Erik van der Vorm bewertete den Ankauf des Geländes grundsätzlich positiv. Allerdings werde so noch mehr Verkehr auf die ohnehin schon strapazierte L190 gebracht, spielte er auf den Umzug der Firma Butenhoff in das Bissendorfer Gewerbegebiet an. Er regte an, die Gemeinde solle sich für eine Linksabbiegespur an der Kreuzung in Schlage-Ickhorst stark machen. Helge Zychlinski erklärte gestern ebenfalls, dies sei angesichts der Verkehrssituation und der starken Frequentierung durch den Verkehr zum Recyclinghof ohnehin sinnvoll. Die Gemeinde werde das Land diesbezüglich anschreiben. Der Rat fasste den Beschluss zum Ankauf des Geländes schließlich einstimmig.
Weitere Beschlüsse in Kürze:
• Die Ortsfeuerwehr Mellendorf hat jetzt auch offiziell einen neuen Ortsbrandmeister: Holger Schmidt hat bereits im November auf eigenen Wunsch sein Amt niedergelegt und wurde am Montag offiziell vom Rat entlassen. Als neuer Ortsbrandmeister wurde sein bisheriger Stellvertreter Cord Hanebuth ernannt und vereidigt. Neuer Stellvertreter ist Jens Tauber.
• Die Stellungnahme der Gemeinde bezüglich des Regionalen Raumordnungsprogramms wurde so verabschiedet, wie sie bereits der Ausschuss für Planen und Bauen auf den Weg gebracht hat. Änderungsanträge von CDU und FDP fanden keine Mehrheit. Somit ist das Vorranggebiet für Windkraft in Brelingen weiter darin vorgesehen. Die CDU stimmte mit zwei Ausnahmen ebenso wie FDP und Ortsbürgermeister Christiana Böttcher von der SPD dagegen, konnte sich aber nicht durchsetzen.