Des einen Freud, des anderen Leid

Hier zeigt sich die Kehrseite der Wetterlage: Landwirte müssen ihre Felder regelmäßig künstlich beregnen, um Ernteausfälle abzuwenden.
 

Hitzewelle in der Wedemark stößt auf geteilte Meinungen

Wedemark (sb). Dass es in diesem Sommer über eine ungewöhnlich lange Zeit ungewöhnlich heiß ist, bestätigten dem Wedemark-ECHO auf Anfrage gleich mehrere Meteorologen. Seit fast fünf Wochen habe es nicht mehr ausreichend geregnet, wie Diplom-Meteorologe Heinrich-Andreas Strunk sagt. Mancherorts fielen in dieser Zeitspanne nur 10 Millimeter Regen pro Quadratmeter. „In normalen Jahren ist es im Juni die fünf- bis sechsfache Menge“, erklärt Strunk.(Doch welche Auswirkungen hat die Dürreperiode auf die Wedemärker Bevölkerung? Im Folgenden werden die Gewinner wie auch die Verlierer dieser seltenen Wetterbedingungen vorgestellt. Auf der Hand liegt, dass die meisten, die in diesem Jahr nicht in den Urlaub gefahren sind und Hitze nicht gerade verabscheuen, von den Temperaturen begeistert sein dürften. Neben Eisherstellern und Biergartenbesitzern gibt es vor Ort vor allem einen Gewinner der Hitzewelle: Das Mellendorfer Spaßbad. „Wir verzeichnen Rekordumsätze“, bestätigt der Geschäftsführer der Sport und Freizeit GmbH, Jochen Haselbacher, auf Anfrage dieser Zeitung. Am vergangenen Sonntag hätten über den Tag verteilt „mindestens 2500 Besucher“ den Weg ins Spaßbad gefunden, in der ganzen Woche seien es zusammen rund 10.000 Menschen gewesen. „Die Wedemärker schätzen das gute Angebot, einfach mal nebenan schwimmen zu gehen und nicht ans Meer fahren zu müssen“, sagt Haselbacher, „was im Spaßbad außerdem noch zu einem sehr günstigen Preis möglich ist“. Er bezeichnet die Anlage als „ideale Erholungsmöglichkeit vor Ort“ für alle Daheimgebliebenen. Das Spaßbad arbeitet im Auftrag der Gemeinde und bietet vier verschiedene Schwimmbecken. Auch sind im Spaßbad permanent mindestens drei Schwimmmeister und zusätzliche Rettungsschimmer anwesend, die bei allen Besuchern nach dem Rechten sehen.
Nach dem Rechten sehen – das müssen auch die Wedemärker Landwirte, welche zu den Hauptverlierern der tropisch anmutenden Temperaturen zu zählen sind. Denn wo Felder nicht künstlich bewässert werden, vertrocknet der Großteil der Pflanzen, was die Ernte zunichte macht. Ludwig Brüggemann, der als Landwirt in Elze ansässig ist, kennt dieses Problem ganz genau. „Im Mai und Juni sind hier in der Wedemark 120 Millimeter Regen zu wenig gefallen“, sagt er, „dieses Minus muss natürlich künstlich kompensiert werden“. So beregne Brüggemann seine Felder alle vier bis fünf Tage mit 25 Millimetern Wasser. Die Landwirte seien ganz extrem vom Wetter abhängig. „Mais, der bislang kein zusätzliches Wasser bekommen hat, wird klein bleiben oder ganz vertrocknen“, weiß Brüggemann und sagt, dass es für viele Pflanzen bereits zu spät ist. Wenn Landwirte nicht wie im Norden der Wedemark das Glück hätten, über unterirdische Rohrsysteme beregnen zu können, müsse die Bewässerung mittels teurer Disesaggregate vorgenommen werden. Doch nicht nur die angebauten Pflanzen leiden unter der Hitze. „Wir hatten im Frühjahr einen einzigen Schnitt Heu, doch inzwischen wächst nichts mehr als Futter für die Tiere nach“, klagt Brüggemann. Die Natur abseits der Landwirtschaft leide ebenfalls stark unter der Dürre. „Aus Wassermangel sind schon jetzt viele große Birken eingegangen“, erzählt Brüggemann. Für die nächsten Wochen können die Meteorologen allerdings Entwarnung geben: Es wird zwar phasenweise außerordentlich warm bleiben, eine Aneinanderreihung von heißen Tagen soll es allerdings vorerst nicht mehr geben. Auch mit Regenfällen wird zu rechnen sein.