Diamantene Hochzeit bei von der Wroges

Marianne und Cord-Peter von der Wroge aus Brelingen haben gestern das Fest der diamantenen Hochzeit gefeiert. Foto: A. Wiese

Das Landwirts-Ehepaar aus Brelingen ist seit 60 Jahren verheiratet

Brelingen (awi). Eine richtige Bauernhochzeit mit mehr als 100 Personen haben Marianne (87) und Cord-Peter von der Wroge (87) am 30. November 1950 in der Gastwirtschaft ,Deutscher Herrmann‘ in Brelingen gefeiert. So groß wird der Kreis der Gäste nicht sein, wenn das Landwirtspaar aus Brelingen am Sonnabend im Kreise von Verwandten und Freunden das Fest der diamantenen Hochzeit feiert – etwas verspätet, denn am gestrigen Dienstag jährte sich der Hochzeitstag bereits zum 60. Mal. Die standesamtliche Trauung war bereits am Tag zuvor, gleichzeitig mit dem 87. Geburtstag von Cord-Peter von der Wroge.
Mehr als 60 Jahre ist er jetzt in Brelingen, doch „meine Heimat ist Fallingbostel“, sagt er immer noch. In der Heide ist er geboren und aufgewachsen, sein Vater war Landwirt, konnte jedoch nach einer Kriegsverletzung keinen eigenen Hof mehr bewirtschaften und ging zur Sparkasse. Cord-Peter von der Wroge besuchte die Mittelschule in Walsrode, absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre, wurde mit 18 Jahren Soldat und war mit 21 wieder zu Hause – nach mehreren Verwundungen und Krankheiten – auch die Malaria hatte ihn erwischt – und englischer Kriegsgefangenschaft. Er nahm verschiedene Anstellungen in der Landwirtschaft an und kam 1949 durch eine Anzeige in der Grünen Zeitung auf den Hof Nutzhorn in Schlage-Ickhorst. Gemeinsam mit anderen jungen Männern und Frauen aus der Landwirtschaft der Umgebung fuhr er im Dezember 1949 auf den Landjugendball im Dehneschen Saal in Isernhagen. Und hier fuhr auch Marianne Busse aus Brelingen mit. Die nur vier Tage jüngere Landwirtstochter und einzige Tochter des Busse-Hofs in Brelingen arbeitete nach dem Besuch der Volkschule und der Landfrauenschule in Bückeburg auf dem elterlichen Hof. Der Ausflug nach Isernhagen wurde für beide zum Schicksal. „Es funkte sofort beim Tanzen“, schmunzeln Cord-Peter und Marianne von der Wroge noch heute in der Erinnerung an die kalte Dezembernacht des Isernhagener Landjugendballs. Beide waren schnell überzeugt, den beziehungsweise die Richtige gefunden zu haben und so verlobten sie sich bereits im März 1950 und heirateten am 27. Geburtstag von Cord-Peter von der Wroge im November 1950. „Dieses Datum hat in meiner Familie Tradition. Schon meine Großeltern haben am 29. November 1889 geheiratet“, verrät Marianne von der Wroge. Das Paar richtete sich auf dem Hof in Brelingen, der bereits seit Generationen in Familienbesitz war, häuslich ein, pachtete ihn offiziell an und bereits 1952 kam Hoferbe Cord-Peter zur Welt, der 1954 und 1958 noch je ein Schwesterchen bekam. Cord-Peter von der Wroge sen. machte 1956 seinen Meister der Landwirtschaft, stellte den Betrieb vom Pferd auf den Traktor um, baute 1960 eine neue Scheune, danach einen Schweinestall und 1975 das Altenteilerhaus, in dem er und seine Frau seit 30 Jahren leben. Heute führt Sohn Cord-Peter jun. den Hof mit seiner Frau und seine Eltern legen großen Wert darauf, „sich rauszuhalten“. Vieles habe sich verändert. Es gibt kein Vieh mehr auf dem Hof, nur noch Ackerwirtschaft. Ob der zwölfjährige Enkel, der übrigens ebenfalls Cord-Peter heißt, den Hof einmal übernehmen werde, könne niemand sagen, sind Marianne und Cord-Peter von der Worge realistisch. Sie haben nach ihrer Berentung die neue Freiheit genutzt, sind in viele Länder gereist, nach Polen und Ungarn, Italien und dem ehemaligen Ostpreußen, wo Cord-Peter von der Wroge zuletzt Soldat war. Gelangweilt hat er sich auch nach seinem Rückzug aus der Landwirtschaft nicht und einiges ausprobiert. Stolz präsentiert er zum Beispiel den Wohnzimmerteppich, den er selbst geknüpft hat. „Ich kann alles, aber alles nur halb“, verrät er seinen Leitspruch. Gestern empfing das diamantene Hochzeitspaar die offiziellen Gratulationen und hatte am Nachmittag Besuch vom stellvertretenden Bürgermeister der Gemeinde Wedemark, Helge Zychlinski, der die Glückwünsche von Rat und Verwaltung und im Auftrag auch der Region überbrachte.