Diamantene Hochzeit in Abbensen

Johanna Gertrud und Heinz Alfred Friedemann genießen ihren Ehrentag der diamantenen Hochzeit mit Sohn Matthias und Enkel Marvin. Foto: B. Stache

Ehepaar Friedemann steht auf Treue, Ehrlichkeit, Gesundheit und Toleranz

Abbensen (st). Wenn Johanna Gertrud und Heinz Alfred Friedemann an ihrem diamantenen Hochzeitstag auf 60 gemeinsame Ehejahre zurückblicken, kommen ihnen die Begriffe Treue, Ehrlichkeit, Gesundheit und Toleranz in den Sinn. „Das erste Gebot für eine gute Ehe lautet gesund bleiben und Toleranz wahren“, erklärten die beiden 81-Jährigen an ihrem Jubiläumstag in ihrem Haus in Abbensen. Johanna Gertrud Friedemann schätzt an ihrem Mann vor allem seine Ehrlichkeit und Treue. „Ich habe die richtige Frau ausgesucht“, betonte ihr Ehemann. Ortsbürgermeister Peter Reuter überbrachte am Donnerstag die Glückwünsche des Ortsrats und überreichte in Vertretung des Bürgermeisters Urkunden der Gemeinde, der Region Hannover sowie des Niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius. Die Lebenswege des Hochzeitspaars sind durch Flucht und Vertreibung im Kindesalter geprägt. Heinz Alfred Friedemann floh 1945 als Zehnjähriger mit seiner Mutter aus seinem Geburtsort Brieg in Niederschlesien ins bayerische Thonhausen/Hallertau. Sein Vater war seit 1944 als Soldat in Rumänien vermisst. Nach der Volksschule absolvierte er in München eine Spengler- und Dachdeckerlehre. Später zog er mit seiner Mutter nach Hannover und ließ sich noch zum Installateur ausbilden. Als 25-Jähriger fing er am 1. August 1960 bei VW in Hannover-Stöcken an. Dort war er 33 Jahre in der Oberflächenprüfung tätig. Das diamantene Hochzeitspaar lernte sich 1956 bei einem Schlesiertreffen in Ricklingen kennen. „Es war einer der seltenen Glücksmomente“, erinnert sich Johanna Gertrud Friedemann an den Besuch mit ihren Eltern, denn Ausgehen war für sie als jüngstes Kind etwas Besonderes. Sie stammt ebenfalls aus Schlesien (Kreis Oels) und floh am 20. Januar 1945 mit ihrer Mutter und beiden Schwestern ins Sudetenland. Noch im selben Jahr erfolgte die Ausweisung aus der Tschechoslowakei. „Meine Mutter ist mit uns ohne Ziel erneut geflüchtet – alles zu Fuß“, berichtete sie. Am Ende dieser Flucht kamen alle wieder in ihren schlesischen Heimatort. Nach schlimmen Erlebnissen mit russischen Soldaten – wie Johanna Gertrud Friedemann unter Tränen erzählt – erfolgte die erneute Flucht mit Ziel Hannover zu einer Tante. 1948 wurde ihr Vater aus russischer Gefangenschaft entlassen. In den ersten Jahren arbeitete sie in einer Wäscherei, später bei der Conti. Nach dem ersten Kennenlernen beim Schlesiertreffen habe es sich so langsam entwickelt, weiß Johanna Gertrud Friedemann noch heute. Am 10. November 1956 wurde Verlobung gefeiert und am 3. August 1957 gaben sich die beiden im hannoverschen Standesamt Altes Rathaus das Ja-Wort. Die kirchliche Trauung fand in der Ricklinger Kirche statt. Ihr Sohn Matthias und Schwiegertochter Marion haben ihnen Enkelsohn Marvin geschenkt. Der heute 27-Jährige ist Sachbearbeiter bei einer Bank. Im August 1965 zog Johanna Gertrud Friedemann mit ihrem Ehemann in ihr Haus nach Abbensen. Seit 42 Jahren gehören beide dem Schützenverein an, Heinz Alfred Friedemann ist zudem seit vielen Jahren Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr. Wenn das Ehepaar auf seiner Terrasse steht und ins Grüne schaut, gerät es ins Schwärmen und erfreut sich an den Vögeln und Eichhörnchen, die immer wieder aus den nahegelegenen Tannen vorbeischauen.