Die Geschichte von Themba berührt

Aufmerksam hörten die Realschüler Lutz van Dijk zu, der zunächst einmal herauszufinden versuchte, wieweit die einzelnen Klassen in seinem Buch schon vorgedrungen waren. Foto: A. Wiese

Autor Lutz van Dijkmit Realschülern im Gespräch über sein Buch

Mellendorf (awi). Afrika, Aids und Fußball – das alles kommt in der Geschichte über Themba vor. Über den Jungen Themba hat Autor Lutz van Dijk ein Buch geschrieben, das die Realschüler, die kurz vor den Ferien an seiner Lesung teilnehmen, alle in Händen hatten. Doch sie waren unterschiedlich weit vorgedrungen und so fragte sich der niederländische Autor, der seit vielen Jahren in Afrika lebt, erst einmal durch, um zu wissen, wieviel die Schüler eigentlich schon von Themba und seiner Familie wussten. Und natürlich erzählte der Schriftsteller ihnen auch von seiner eigenen Familie: den Kindern in Hokisa, dem Pilotprojekt in Südafrika, in Masiphumelele, einem der ärmsten Tonwships im Süden von Kapstadt. „Dort können Kinder mit HIV/Aids ein normales Leben führen“, sagte Lutz van Dijk ernst. Kinder, die ihre Eltern durch die Krankheit verloren haben, leben dort einem familienähnlichen Zuhause, ohne von der Gemeinschaft ausgegrenzt zu werden. Das erste Hokisa Kinderhaus wurde 2002 eröffnet. 2003 kam das Doktorhaus dazu. Dort arbeitet der einzige Hausarzt des Ortes mit rund 30.000 Einwohnern. 2005 wurde Hokisa auf einem internationalen Ärztekongress in Kapstadst als Modellprojekt für den Einsatz von aidshemmenden Medikamenten unter den Bedingungen einer Armensiedlung ausgezeichnet. Im selben Jahr eröffnete Erzbischof Tutu in Masiphumulele das Hokisa Friedenshaus für Jugendliche und junge Erwachsene sowie für Mitarbeiter. 2009 gaben die Gründer und ersten Direktoren von Hokisa, die südafrikanische Universitätsdozentin Karin Chubb und Lutz van Dijk die Leitung an die nächste Generation weiter: An die Krankenschwester Robyn Cohen und als Teamleader an ihrer Seite die Erzieherinnen Eunice Mbanjwa und Mandisa Mahlumba. 2010 kam der südafrikanisch-deutsche Kinofilm „Themba“ nach dem Roman von Lutz van Dijk heraus und wurde international prämiert. Er erzählt die Geschichte des HIV-positiven Jungen und seiner Schwester sowie der kranken Mutter, in der auch Fußball und der deutsche Torwart Jens Lehmann eine tragende Rolle spielt. Lutz van Dijk zeigte den Wedemärker Realschülern einen kurzen Film mit Ausschnitten des Kinofilms und nahm sie dann mit auf die Reise in Thembas Welt. Sehr beeindruckt waren die Schüler unter anderem von der Tatsache, dass die Rolle von Thembas todkranker Mutter im Film von einer in ihrer Heimat sehr bekannten südafrikanischen Sängerin gespielt wird, die dafür keine Gage verlangte, denn der Film musste so günstig wie möglich produziert werden und auch in ihrer Familie hatte es einen tragischen Aids-Fall gegeben.