Die Gleichstellungsampel steht auf Rot

Gefahrt erkannt, Gefahr gebannt? Der Gleichstellungsbericht der Gemeindeverwaltung – präsentiert von Bürgermeister Helge Zychlinski (Mitte), der Gleichstellungsbeauftragte Mona Achterberg und Fachereichsleiter Andreas Bruns zeigt Handlungsbedarf insbesondere auch auf der Führungsebene auf. Foto: A. Wiese

In der Verwaltung sind Frauen in den höheren Gehaltsgruppen unterrepräsentiert

Wedemark (awi). Bürgermeister Helge Zychlinski hatte angekündigt, in den ersten 100 Tagen im Amt einige Dinge erledigen zu wollen – der Gleichstellungsbericht für die Gemeindeverwaltung ist einer davon. Zusammen mit der Gleichstellungsbeauftragten Mona Achterberg und Fachbereichsleiter Andreas Bruns stellte der Bürgermeister den Bericht am Mittwoch der Presse vor und räumte ein: „Die Geschlechterverteilung in der Verwaltung hinkt, insbesondere in den Führungspositionen zu Lasten der Frauen. Wir müssen unsere Lehren daraus ziehen, um das Ungleichgewicht in den nächsten Jahren auszugleichen.“ 242 Frauen und 87 Männer bei 329 Beschäftigten insgesamt – da stutzt der Betrachter zunächst. Doch der vermeintlich hohe Frauenanteil ist den Angestellten in den Bereichen Kinderbetreuung und Reinigung geschuldet. Schon durch die Erfassung über das Beschäftigungsvolumen erfolgt eine Verschiebung der Anteile von Frauen und Männern, sichtbar vor allem in den Bereichen, in denen viel Teilzeit geleistet werde, trug Andreas Bruns vor. Die Auswertung der Daten zeigt: Abgesehen von den Entgelt-Gruppen neun und 14 sind in allen anderen Gruppen Frauen oder Männer in unterschiedlicher Ausprägung unterrepräsentiert. So besteht eine deutliche Tendenz zu einem geringeren Frauenanteil je höher die Entgeltgruppe beziehungsweise Besoldungsgruppe ist. Gesetzlich wird von Unterrepräsentanz ausgegangen, wenn der Frauen- oder Männeranteil in einem Bereich der Dienststelle unter 45 Prozent liegt. Teilzeitbeschäftigung wird berücksichtigt. Zur besseren Übersicht wurden bei der Auswertung der Daten aus der Bestandsaufnahme die Abweichungen vom gesetzlichen Zielwert betrachtet, erläuterte Bruns, und die Ergebnisse nach Dringlichkeitsstufen in ein Ampelsystem überführt. Besonders häufig taucht danach die rote Ampel bei der Gruppe der Beamten auf. Die stellt zwar mit nur acht Prozent der Belegschaft einen sehr geringen Anteil an der gesamten Belegschaft dar und ist insgesamt paritätisch besetzt. Allerdings gibt es erhebliche Unterschiede in den einzelnen Besoldungsgruppe. Betrachtet man A 13 und A 12 gemeinsam, so ist auf fünf Führungspositionen keine Frau vertreten, die Besoldungsgruppe A 7 bis A 9 im mittleren Dienst dagegen ausnahmslos mit Frauen besetzt. Im Bereich der Beschäftigten sind die Gruppen E 9 bis E 14 relativ gleichmäßig besetzt, lediglich in E 10 sollten Maßnahmen zur Erhöhung des Frauenanteils getroffen werden, empfiehlt der Bericht. Im gesamten Sozial- und Erziehungsdienst herscht ein deutlicher Mangel an männlichen Kräften, besonders in den Kindertagesstätten. Auf der Ebene der Fachbereichsleitungen sind Frauen deutlich unterrepräsentiert, auf der der Teamleitungen zeigt sich ein ausgeglicheneres Bild, das aber weiter verbessert werden sollte, betonte der Bürgermeister. Außerhalb der Kernverwaltung gebe es ausschließlich weibliches Leitungspersonal. Zychlinski führte aus, dass in den nächsten zehn Jahren 54 Mitarbeiter die gesetzliche Altersgrenze erreichen, weitere Personen vorher ausscheiden und somit erheblicher Spielraum für steuernde Maßnahmen bestehe. Während der Laufzeit des jetzt zu erarbeitenden Gleichstellungsplanes erreichten allerdings nur fünf Mitarbeiter die Altersgrenze.