Die Hauptschule soll auslaufen

Verkündeten am Montag das mittelfristige Aus für die Konrad-Adenauer-Schule: Schulleiter Wilfried Osing (l.) und Bürgermeister Helge Zychlinski. Ab dem Schuljahr 2015/2016 soll die Hauptschule nicht mehr einschulen. Foto: A. Wiese

Die Hauptschule soll auslaufen

Mellendorf (awi). Die offiziellen Anmeldezahlen für das nächste Schuljahr haben nur bestätigt, was sich seit Gründung der IGS in der Wedemark abzeichnete: ein drei-gliedriges Schulsystem ist neben der Integrierten Gesamtschule in der Wedemark auf Dauer nicht möglich. Betroffen ist in erster Linie die Hauptschule. Am Montag verkündeten Schulleiter Wilfried Osing und Bürgermeister Helge Zychlinski gemeinsam: „Im September wird die Konrad-Adenauer-Schule voraussichtlich zum letzten Mal eine fünfte Klasse einschulen.“ Das letzte Wort hat die Politik, doch die Verwaltung wird für die Fachausschüsse und den Rat eine entsprechende Empfehlung aussprechen, kündigte der Bürgermeister an.
Zehn Schüler sind für das nächste Schuljahr an der Hauptschule angemeldet. Insgesamt wird die Schule im nächsten Schuljahr noch rund 150 Schüler haben. Die frei werdenden räumlichen Kapazitäten wird die IGS füllen: Der fünfzügige siebte Jahrgang mit seinen Lehrern belegt ab Schuljahrsbeginn im September fünf Klassenräume plus zwei kleinere Räume für die Lehrer im ersten Stock. Wie die Gemeinde als Schulträger die Räume auf dem Campus W. ab nächstes Jahr verteilt, wenn die Hauptschule keine fünfte Klasse mehr einschulen wird, damit wird sich ab Spätsommer eine Projektgruppe namens Schule plus befassen, kündigte Bürgermeister Zychlinski an. Möglicherweise geht die Hauptschule dann bereits ganz aus ihrem angestammten Gebäude heraus und zieht mit in die benachbarte Realschule. Aber das sei alles noch offen, betont der Bürgermeister. Die Realschule wird im Schuljahr 2014/2015 zwei Klassen mit 43 Schülern einschulen, das Gymnasium vier Klassen mit 100 Schülern und die IGS fünf Klassen mit 150 Schülern. Wie berichtet konnten in diesem Jahr an der IGS 18 Wedemärker Schüler nicht aufgenommen werden. Doch das Losverfahren für die Wedemärker wird möglicherweise bereits im nächsten Schuljahr der Vergangenheit angehören, berichtete der Bürgermeister. Denn die IGS Wedemark soll mit der Schulgesetznovelle den Status einer ergänzenden Schule bekommen und muss damit dann jeden Wedemärker Schüler aufnehmen, der sich bewirbt, auch wenn sie dadurch dann sechszügig werden würde. In dem Moment, wo die Hauptschule nicht mehr einschult, muss die IGS nach bestehendem Schulgesetz auf jeden Fall allen Schülern mit einer Hauptschulempfehlung offen stehen.
Im Vorfeld der Entscheidung, die Hauptschule auslaufen zu lassen, was bedeutet, dass jeder Schüler, der diese Schule jetzt besucht, seine Schullaufbahn auf ihr noch beenden kann, seien verschiedene Optionen ausgelotet worden, berichtete der Bürgermeister. So sei unter anderem eine Kooperation in welcher Form auch immer mit der Realschule geprüft worden, denn auf diese beiden Schulen habe die Gründung der IGS die gravierendsten Auswirkungen gehabt. Theoretisch seien Haupt- und Realschule in einem Gebäude unter einer Schulleitung aber mit getrennten Schulzweigen ebenso möglich wie eine dreizügige Oberschule – entweder ebenfalls mit getrennten Schulzweigen oder aber jahrgangsweise nach Art einer IGS. Doch der ausdrückliche Wunsch der Realschule sei gewesen, als solche bestehen zu bleiben, so Zychlinski. „Da war keine Bereitschaft, mit der Hauptschule zusammenzuarbeiten“, bedauerte Osing.
Der langjährige Schulleiter, der eigentlich längst hätte in den wohlverdienten Ruhestand gehen können, will „seine“ auslaufende Schule noch bis Sommer 2016 begleiten. Zychlinski sagte ihm eine Verstärkung der Schulsozialarbeit ab Schuljahresbeginn 2014/2015 zu. Die Stunden der Sozialpädagogin Julia Krettek sollen noch einmal aufgestockt werden. Die Entscheidung, die Hauptschule auslaufen zu lassen, habe nichts mit der hervorragenden Arbeit dieser Schule zu tun, betonte der Bürgermeister ausdrücklich, sondern sei dem allgemeinen gesellschaftlichen Trend geschuldet. Zychlinski wies außerdem darauf hin, dass die aktuellen Raumprobleme nicht auf eine Fehlplanung beim Neubau des Campus W. zurückzuführen seien. „Das einzige, was nicht eingeplant werden konnte, war die Rückkehr zu G 9 beim Gymnasium“, betonte der Bürgermeister. Der kommende siebte Jahrgang am Gymnasium werde als erster wieder nach 13 Jahren sein Abitur machen. Er sei jedoch zuversichtlich, dass die Projektgruppe „Schule plus“ unter Leitung der Ersten Gemeinderätin Konstanze Beckedorf gute Lösungen für den Campus W. erarbeiten werde, die auch die Themen neue Bibliothek, eine Optimierung der Ganztagsschule, eine Berücksichtigung der Tatsache, das die IGS künftig gebundene Ganztagsschule sein werde und möglicherweise sogar ein neues Domizil für die Jugendkunstschule beinhalten würden. „Die Campus-Lösung wird gelebt. Der Raumpool war Voraussetzung für den Neubau“, nimmt der Bürgermeister all denjenigen den Wind aus den Segeln, die sich mit der Campus-Lösung, im aktuellen Fall, möglicherweise der Unterbringung der fünf IGS-Klassen im Hauptschulgebäude nicht oder nur schwer anfreunden können. Die anonymisierte Mail-Hetzkampagne, die zurzeit kursiere, sei ihm zu Ohren gekommen und er verurteile sie aufs Schärfste, betonte Bürgermeister Zychlinski ausdrücklich.