„Die Kinder gehen viel selbstbewusster nach Hause“

Schmied Sigi Kupka bringt Nicole (links) und Gina den Umgang mit Feuer und Amboß näher. Fotos: A. Wiese

17 Kinder entdecken bei der aktiven Sommerschule der Region in Gailhof spielend Spaß am Lernen

Gailhof (awi). Die Dorfpädagogik von früher hatte durchaus etwas für sich: In der Großfamilie hatte immer jemand Zeit für die Kinder, sie guckten den Erwachsenen bei den alltäglichen Arbeiten über die Schulter und halfen, wobei sie ganz selbstverständlich in die Aufgaben hineinwuchsen. Die Gemeinschaft war ein beruhigendes Auffangkissen und jeder wurde so akzeptiert, wie er war. Aufpassen, dass das Feuer nicht erlischt! Das klingt nach einer einfachen Aufgabe im Ferienlager. Dahinter steckt aber ein pädagogisches Konzept. „Wir wecken das Verantwortungsbewusstsein der Kinder“, erklärt Helga Wienecke, Leiterin des Teams Jugendarbeit der Region Hannover und damit verantwortlich für das Programm im Jugend-, Gäste- und Seminarhaus Gailhof (JuGS) in der Wedemark. Seit Anfang der vergangenen Woche beherbergt das JuGS 17 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zehn und 13 Jahren, die zwei Wochen lang auf spielerische Weise den Spaß am Lernen und Forschen entdecken. „Aktive Sommerschule“ nennt sich das Programm, das die Region Hannover bereits zum dritten Mal in den Sommerferien in dieser Form anbietet. Möglich war das in den vergangenen drei Jahren dank der finanziellen Unterstützung der Sparkasse Hannover, die das Programm mit 10.000 Euro bezuschusst hat. Diese Förderung läuft jetzt aus, doch Helga Wienecke ist überzeugt, dass die Region die aktive Sommerschule auch im nächs-ten Jahr anbieten kann. Zu positiv sind die Erfahrungen, die die Pädagogen damit gemacht haben. Die Umsetzung liegt in den Händen des gemeinnützigen Vereins „ Die Kulturmacher“ aus Wennigsen. Ein pädagogisches Team verpackt zwei Wochen lang auf dem Gelände des JuGS vermeintlich drögen Lernstoff in spannende Abenteuer. So gibt es eine Forscherwerkstatt, in der zum Beispiel physikalische Phänomene erlebbar werden. Es wird gewebt, geschmiedet und gebaut. Und fast nebenbei geht es auch um Fertigkeiten wie Rechnen, Schreiben und Lesen. Denn eines haben die Kinder und Teenager, die teilnehmen, gemeinsam: Im Schulunterricht kommen oder kamen sie nicht recht mit, beziehungsweise gingen gar nicht mehr hin. Viele haben Schwierigkeiten sich zu konzentrieren, leiden unter ADHS. „Viele Kinder und Jugendliche ziehen sich dann zurück. Die Sommerschule bietet eine ganz andere Lernumgebung und die Chance, die Freude am Forschen und Selbstsicherheit wieder zu entdecken“, sagt Helga Wienecke. Aus den vergangenen beiden Jahren weiß sie: „Wissen spielerisch und über sinnliche Erfahrungen zu vermitteln hat bei den Kindern zu Lernerfolgen geführt. Bei allen war eine Veränderung zu sehen: Sie waren aufgeweckter, experimentierfreudiger und verbesserten teilweise sogar ihre Schulnoten nach dem Besuch der Sommerschule.“ „Wenn man von einem Kind zu hören bekommt: ,Weißt du, das ADHS ist nicht mein Problem, aber ich bin so einsam‘, dann gibt das schon zu denken. Hier haben die Kinder Freunde gefunden und dadurch an Selbstbewusstsein gewonnen“, sagt „Dorfvater“ Armin Wetzel, der pädagogische Leiter.