Die meisten Eltern finden Lösungen

Der Streik der Kita-Erzieher ist eine Belastung auch für viele Wedemärker Familien. Jens, Diane und Louis Luxat aus Mellendorf sind ebenfalls betroffen. Louis besucht den gemeindlichen Elzer Kindergarten. Beide Elternteile sind berufstätig, haben aber eine individuelle Lösung für die Betreuung von Louis während des Streiks gefunden. Foto: Theresa Herzog

Kita-Streik stellt alle Betroffenen vor große Herausforderungen

Wedemark (awi). Der Kita-Streik ist auch in der Wedemark spürbar, doch die Eltern reagieren verantwortungs- und größtenteils verständnisvoll. So ist jedenfalls der überwiegende Eindruck, den man in Gesprächen mit Betroffenen gewinnt. Und den unterstrich auch Bürgermeister Helge Zychlinski am Montagabend in der Ratssitzung. Seit Freitag sei der erneute Streik in Kraft. Die Gemeinde habe wie berichtet eine Notdienstvereinbarung mit der Gewerkschaft ver.di getroffen und so ist es ihr gelungen, zumindest 150 Notdienstplätze anbieten zu können. Dabei sei auch gewährleistet, dass für die Kinder, die einen solchen Platz in Anspruch nehmen müssten, mindestens eine vertraute Betreuungsperson vor Ort sei. 700 Plätze halte die Gemeinde allerdings normalerweise vor, das bedeute, dass viele Eltern die Betreuung ihrer Kinder während des Streiks selbst organisieren müssten, und das täten sie auch, betonte der Bürgermeister. Die Woche seien Notdienstplätze zwar bis auf den Brü-ckentag am Freitag ausgebucht, aber wer eine andere Lösung finde, stelle seinen zugesagten Platz auch kurzfristig für andere zur Verfügung, lobte Zychlinski. Ihm sei bewusst, dass es hart für die Eltern sei.
Die Gemeinde habe Krippen- und Kindergartenkindern Priorität bei den Notfallplätzen eingeräumt. Hortkinder könnten nur in absoluten Notfällen berücksichtigt werden. Auf gute Resonanz sei der Vorschlag der Verwaltung gestoßen, die Kita-Gebühren anteilig für den langfristigen Streik zu erstatten. Dafür sei allerdings eine Satzungsänderung notwendig und dies gelte natürlich auch nur für die Eltern, die keinen Notdienstplatz in Anspruch genommen hätten, so Zychlinski. Für das Entgegenkommen der Gewerkschaft habe die Gemeinde natürlich auch eine Gegenleistung bieten müssen. „Wir werden für den Gesundheitsschutz einen Gehörschutz für Erzieher anbieten und dem Rat vorschlagen, dass künftig nicht nur bei Abwesenheitsvertretung eine stellvertretende Leitung benannt wird, sondern grundsätzlich“, erklärte der Bürgermeister. Die Verwaltung hoffe natürlich auf eine zeitnahe Verständigung und ein baldiges Ende des Streiks. Er stimme zu, dass Erzieher und Sozialassistenten ein höhers Gehalt verdienten, so Zychlinski am Montagabend im Rat, aber die Gemeinde würde das vor große He-rausforderungen stellen. Gemeindesprecher Hinrich Burmeister berichtete dem ECHO, dass Elternbeiträge lediglich 12,5 Prozent der Kosten für Kinderbetreuung in der Wedemark abdeckten. Schon jetzt lege die Gemeinde jährlich sieben Millionen Euro drauf. Und diese Summe werde sich erhöhen, wenn die Erzieher mit ihren Forderungen nach mehr Lohn Erfolg hätten.
Nicht nur die Flexibilität der Eltern ist übrigens während des Streiks gefragt, sondern die ihrer Arbeitgeber. In den seltensten Fällen kann man so kleine Kinder mit ins Büro nehmen. Da sind andere Lösungen gefragt. Sehr gut klappt das zum Beispiel bei den Angestellten des famila-Marktes in Mellendorf. Die haben allerdings auch den eklatanten „Vorteil“, dass ihr Chef Jens Luxat selbst betroffen ist. „Unser dreijähriger Sohn Louis geht in den Elzer Kindergarten. Meine Frau und ich arbeiten beide. Diese Woche haben wir Louis zu den Großeltern nach Magdeburg gebracht, nächste Woche teilen sich Jens Luxat und seine Frau Diane die Betreuung ihres Sohnes: Am Montag arbeitet er früh, sie nachmittags, Dienstag und Mittwoch kommt die Oma, am Donnerstags macht er frei, am Freitag macht sie Home Office. Und natürlich unterstützt Luxat auch seine Angestellten, die kurzfristig frei nehmen, ihre Schichten untereinander tauschen oder sich absprechen, damit einer, die Kinder des anderen mitbetreuen kann. „Schwierig ist es trotzdem“, sagt Nadine Gerlich, die zurzeit nur Spätschicht schiebt, um morgens für ihren fünfjährigen Sohn da zu sein. „Alle, die sonst einspringen, sind gerade im Urlaub“, sagt sie schulterzuckend. Bei Familie Fibich wechseln sich Mutter, Oma und Tante ab, so dass einer immer zu Hause ist. Da alle beim famila arbeiten, lässt sich das regeln. Alle haben aber auch durch die Bank weg Verständnis für die Erzieher, die für einen angemessenen Lohn kämpfen.
Jens Luxat findet es gut, dass die Gemeinde die 150 Notplätze angeboten hat. „Wir haben uns nicht dafür gemeldet, da wir eine Betreuung regeln konnten. Aber zum Beispiel Alleinerziehende haben ein Problem. Denen wollten wir keinen Platz wegnehmen“, erklärt der Warenhausleiter von famila in Mellendorf und berichtet: „Wir haben in der Kita zum Beispiel eine allein erziehende Mama, die ohne den Notplatz aufgeschmissen wäre. Super finden wir, dass die Gemeinde eine rückwirkende Änderung der Kita-Gebührensatzung beschließen will. Damit wäre eine Rückerstattung der Gebühren möglich. Echt stark. Eben eine Wohlfühlgemeinde“, findet Luxat.