„Die Opfer haben lebenslänglich“

Manfred Henze stellte die Aktivitäten des WEISSEN RING bei einem Vortrag im Bürgerhaus vor.
 
Dietmar Reyer (links) und Manfred Henze sind beide ehemalige Polizeibeamte im Dienst des WEISSEN RINGS.

Beeindruckender Vortrag über die Aktivitäten des WEISSEN RINGS von Manfred Henze

Bissendorf (awi). Die Tränen in den Augen seiner Zuhörer sind beabsichtigt. Wenn Manfred Henze aus Neustadt, Leiter des WEISSEN RINGS Hannover-Land, über die Aktivitäten der Organisation, ihre Ziele und – natürlich anonymisiert – einzelne Fälle berichtet, will er betroffen machen. Und das gelang ihm auch am Mittwoch mit einem beeindruckenden Vortrag im Bürgersaal des Bürgerhauses in Bissendorf – leider nur vor einem handverlesenen Kreis aus Seniorenbeirat, Seniorensicherheitsberatern und anderen an einen internen E-Mail-Verteiler Angeschlossenen, da die Gemeinde es versäumt hatte, die Veranstaltung öffentlich anzukündigen.
„Jeder kann Opfer werden“ und „Die Opfer haben lebenslänglich“ , das sind die Kernsätze von Henzes Vortrag. Er und zwölf Mitarbeiter, zu denen für den Bereich Wedemark und Umgebung auch Dietmar Reyer aus Scherenbostel zählt, helfen und unterstützen Opfer von Straftaten, die unter den Folgen von Kriminalität und Gewalt leiden,schnell, vielfältig und direkt. Was diese Menschen in erster Linie bräuchten, seien Gesprächspartner, denn jede Straftat, auch das oft verharmloste Eigentumsdelikt, bedeutet für Opfer und Angehörige meist einen schweren Eingriff in die persönlichen Lebensumstände. Neben körperlichen Schäden und materiellen Verlusten müssten die Betroffenen auch mit zum Teil erheblichen seelischen Belastungen zurechtkommen. „Wir leisten menschlichen Beistand, begleiten Opfer auf Wunsch zu Terminen bei Polizei, Staatsanwaltschaft und Gericht, leisten Hilfestellung im Umgang mit Behörden, vermitteln die Hilfe anderer Organisationen und unterstützen auch bei materiellen Notlagen im Zusammenhang mit der Straftat“, erklärte Henze seinen Zuhörern. Weitere Maßnahmen seien aber auch Hilfechecks für eine für das Opfer frei wählbare anwaltliche oder psychotraumatologische Erstberatung sowie eine rechtsmedizinische Untersuchung, die Übernahme von Anwaltskosten, Erholungsmaßnahmen für Opfer und ihre Angehörigen in bestimmten Fällen und finanzielle Unterstützung zur Überbrückung tatbedingter Notlagen. Er und auch Dietmar Reyer aus der Wedemark seien die einzigen ehemaligen Polizeibeamten unter den Mitarbeitern der Außenstelle Hannover-Land, berichtete Henze. Er habe sich für die Mitarbeit entschieden, um nach der Pensionierung im letzten Jahr eine neue Aufgabe zu haben. Gleich mit einer leitenden Aufgabe einzusteigen, damit habe er nicht gerechnet, gab Henze zu, doch er habe sich der Herausforderung gestellt. Bei ihm laufen auf einem speziellen Handy alle Fälle auf. „Und das Handy klingelt oft, viel öfter am Tag, als ich es eigentlich erwartet hatte, zwischen zehn und zwölfmal“, gibt er offen zu. Es seien lange und oft sehr schwierige Gespräche, die da zu führen seien, wenn auch nicht alle Anrufer am Ende tatsächlich richtig beim WEISSEN RING seien. Aber auch um das beurteilen zu können, müsse man erst einmal zuhören. Die Fälle werden von Henze dann den regional zuständigen Mitarbeitern zugewiesen, manchmal auch überregional, wenn bestimmte Mitarbeiter mit speziellen Fällen bereits Erfahrung haben. Gemeinsam sei allen Fällen, dass die Opfer Schlimmes erlebt hätten, selbst überfallen, vergewaltigt oder beraubt und betrogen oder in der eigenen Familie Opfer häuslicher Gewalt geworden seien. Das passiere übrigens vermehrt auch Männern, betonte Henze, und nicht ausschließlich Frauen. Und für einen Mann, der von seiner Frau körperlich und seelisch gequält werde, sei es ein sehr großer Schritt, um Hilfe zu bitten. Um den WEISSEN RING zu unterstützen, benötigt die Organisation Mitglieder als Multiplikatoren und Mitarbeiter. Dafür brauche man aber eine spezielle Eignung, machte Henze klar. Die Mitarbeiter werden geschult und springen manchmal dabei noch ab. Der WEISSE RING, der sich aus Bußgeldern und Spenden sowie zum allergrößten Teil aus Nachlässen finanziert, ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Nähere Informationen gibt es bei Manfred Henze unter Telefon (01 51) 55 16 47 72 oder per E-Mail unter henze.weisser-ring@gmx.de.