Die Wedemark auf neuen Wegen

Bürgermeister Helge Zychlinski und Esther Bänsch präsentieren die „Bewerbungsmappe“, mit der die Gemeinde Wedemark mögliche Bewerber im KiTa-Bereich auf sich aufmerksam machen will. Foto: A. Wiese

FAKIR: Gemeinde wirbt intensiv um Fachkräfte für die Kinderbetreuung

Wedemark (awi). Das ist neu und ungewöhnlich: Weil der Markt für Fachkräfte in der Kinderbetreuung leergefischt ist, bewirbt sich die Gemeinde Wedemark bei frisch gebackenen Erziehern und Sozialassistenten als Arbeitgeberin. Sollte es nicht eigentlich umgekehrt sein? Natürlich müssen die Bewerber noch Unterlagen abgeben und Bewerbungsgespräch führen, doch damit sie das bei der Gemeinde Wedemark überhaupt in Betracht ziehen, macht diese die Absolventen in den Fachschulen auf sich aufmerksam: Mit frechen Sprüchen auf Plakaten und Flyern und „Bewerbungsmappen“ bei den Jobcentern. In dieser Woche ist die Werbekampagne für die Gemeinde Wedemark als Arbeitgeberin offiziell angelaufen. Und Bürgermeister Helge Zychlinski sowie Projektleiterin Esther Bänsch, die mit ihrem Team viel Zeit und Herzblut in die Kampagne inves-tiert hat, sind sehr gespannt auf die Resonanz auf das Projekt „Fachkräftegewinnung für die Kinderbetreuung“ (FAKIR). „In einer Zeit, in der deutschlandweit 100.000 qualifizierte Betreuer in Kindertagesstätten fehlen, können wir nicht nur darauf warten, dass gute Leute zufällig bei uns vorbei kommen“, erklärt Bürgermeister Helge Zychlinski den ungewöhnlichen Ansatz des Projektes. Seit 2007 werde der Ausbau der U3-Betreuung in Deutschland stark vo-rangetrieben, seit 2013 existiere ein Rechtsanspruch auf Förderung in einer Kindertagesstätte oder bei einer Tagesmutter schon für Kinder unter drei Jahren. So wurden auch in der Wedemark Krippen-, Kita-, Hort- und Ganztagsangebote massiv ausgebaut. Dagegen sind Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt verhältnismäßig schwer zu akquirieren. Zudem basiert der Betreuerberuf in Deutschland auf selbstfinanzierter Ausbildung. Wer sie absolviert hat, prüft sehr genau, wo er künftig arbeiten will. Diese Umstände würden es notwendig machen, auch in der Kommunalverwaltung ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege der Mitarbeitergewinnung zu gehen, ist Helge Zychlinski überzeugt und hat daher dem Projektteam mit Kitamitu-Leiterin Christiane Schulte, der Mellendorfer Hortleiterin Claudia Matern, dem Elzer Hortleiter Reemt Bartels sowie Sabine Reineke vom Team Personal und Pressesprecher Ewald Nagel grünes Licht gegeben. Über ein Jahr lang haben sie an dem Konzept gefeilt. Die pfiffigen Plakate hängen schon einige Zeit in den Fachschulen, was sich bereits durch deutlich mehr Praktikumsbewerbungen bemerkbar mache, berichtet Esther Bänsch. Wenn jetzt auch die ausführlichen Bewerbungsmappen im Umlauf sind, in denen die Gemeinde über ihre eigenen Vorzüge, leistungsorientierte Bezahlung, Sonderzuwendungen, betriebliches Eingliederungsmanagement, betriebliche Altersvorsorge, altersunabhängige 30 Tage Urlaub plus Bildungsurlaub, Gesundheitsschutz, Dienstvereinbarungen über die Arbeitszeit, Fort- und Weiterbildung, sowie Mitgestaltung der pädagogischen Arbeit und die einzelnen Kindertagesstätten informiert, hoffen der Bürgermeister und Esther Bänsch auf deutlich mehr Bewerber. „Wir haben aktuell einen Fehlbedarf von vier Kräften, aber wir können wesentlich mehr Fachkräfte gebrauchen, und zwar schnellstmöglich“, versichert Bänsch. Das gelte sowohl für Vollzeit- als auch für Teilzeitstellen.