Diebe stehlen neun Bienenvölker

Im Schneetreiben stehen Börges Meyer (rechts) und der Vorsitzende des Imkervereins Wedemark, Christoph Schmieta, fassungslos vor den Holzbalken, auf denen auf dem Grundstück zwischen Brelingen und Negenborn bis vor Kurzem noch neun Kästen mit Bienenvölkern standen. Foto: A. Wiese
 
Die Bienenkörbe von Imker Börges Meyer sind mit so einem auffälligen Brandzeichen gekennzeichnet. Vereinsvorsitzender Christoph Schmieta bittet um Meldung, wenn solche Kästen plötzlich irgendwo auftauchen beziehungsweise jemandem zu Kauf angeboten werden sollten.Fotos: A. Wiese

Besonders makaber: Imker haben andere Imker im Verdacht

Brelingen/Negenborn (awi). Als Hobby-Imker Börges Meyer aus Mellendorf am Sonntag routinemäßig seine Bienen auf einem Grundstück an der Landesstraße zwischen Brelingen und Negenborn kontrollieren will, traut er seinen Augen nicht: Neun Bienenvölker sind mitsamt den Kästen verschwunden. Eine Reihe der von der Straße gut einsehbaren Kästen ist komplett abgeräumt.
Nur noch zwei parallele schmale Holzbalken zeigen, wo sie einmal gestanden haben. Den Schaden beziffern Meyer und der Vorsitzende des Wedemärker Imkervereins, Christoph Schmieta, auf rund 2.500 Euro, mindestens. Die Völker waren Jungvölker, die im letzten Jahr zusammengestellt worden waren. In diesem Jahr wären sie Wirtschaftsvölker gewesen, hätten die erste Ernte gebracht, insgesamt rund 30 Kilogramm Honig. Die werden sie auch bringen, sagt Vereinsvorsitzender Christoph Schmieta grimmig, aber nicht für ihren Besitzer Börges Meyer, sondern für einen anderen Imker. Denn in diesem Punkt sind sich die Imker ganz sicher: Der oder die Diebe waren Imker. Kein anderer kann mit den Völkern etwas anfangen, hat überhaupt das nötige Fachwissen, um sie abzutransportieren. Ungewöhnlich sei der Zeitpunkt des Diebstahls, erklärt Schmieta: Die Bienen sind jetzt in der Winterruhe, ein Umsetzen ist extrem gefährlich. Fällt die Traube im Kasten auseinander, sterben die Bienen. Ein Imker weiß das und ist das Risiko dennoch bewusst eingegangen, um sich an den Bienen zu bereichern, ist Schmieta erbost. Bienendiebstähle seien nichts Neues in Imkerkreisen, für die Wedemärker allerdings schon. Während zum Beispiel im Raum Hamburg und im Alten Land im vergangenen Jahr hoher Schaden durch Bienendiebstahl entstand, kamen die Wedemärker Hobbyimker bisher relativ ungeschoren davon. Börges Meyer selbst, der das Hobby seit 2007 betreibt, ist allerdings bereits zum dritten Mal bestohlen worden: Einmal beim „Wandern“, einmal an einem anderen Standort und jetzt auf dem Grundstück zwischen Brelingen und Negenborn, das er selbst eigentlich für relativ sicher hielt, weil er hier sehr viele Völker stehen hat und das Grundstück direkt an der Straße liegt. Der oder die Diebe waren jedoch offensichtlich gut vorbereitet: Sie haben nicht nur ein ausreichend großes Fahrzeug dabei gehabt, um die neun Kästen zu transportieren, sondern auch einen Bolzenschneider, um die Kette am Tor durchzuschneiden. Das wäre allerdings gar nicht nötig gewesen, stellt Meyer fest. Die Kette war nämlich nur lose übergehängt. Aktiv geworden sein müssen die Diebe im Zeitraum der letzten drei Dezemberwochen. Damals hatte Meyer diese Völker zuletzt kontrolliert, nachdem er sie gegen die Varroa-Milbe behandelt hatte. Börges Meyer ist sichtlich geknickt. Zwar hat er noch rund 50 Völker, dennoch trifft ihn der Verlust der neun gestohlenen Völker hart. Es ist zum einen der finanzielle Verlust, der von der Versicherung des Imkerverbandes nur teilweise abgedeckt ist. Es ist vor allem die Zeit und die Hingabe, die er in sein Hobby investiert, die Hoffnung, die er gerade auch in diese jungen Völker gesetzt hat. Und es ist das Misstrauen gegen die eigenen Imkerkollegen. Die Diebe müssen sich ausgekannt haben.Aber das sind Spekulationen, denen die Polizei nach der Anzeige des Diebstahls nachgehen muss. Meyer und Schmieta setzen vor allem auf die Kästen. Jetzt im tiefen Winter wird der Dieb es wohl nicht wagen, die Rahmen mit den Bienen umzusetzen. Die Kästen hat Börges Meyer mit einem Brandzeichen mit seinen Initialen gekennzeichnet: BM (siehe Foto unten). Sollte jemand jetzt auf einmal Bienenkästen mit einer solchen Kennzeichnung sehen, wo vorher keine waren, oder ihm solche Käs-ten zum Kauf angeboten werden, wird er gebeten, dies der Polizei oder dem Imkerverein zu melden. Meyer wird zudem zu Überwachungsmaßnahmen greifen, um weitere Diebstähle zu erschweren: In Imkerkreisen sind nicht erst seit der Diebstahlswelle im Norden im letzten Jahr verstärkt Überwachungskameras an den Standorten der Bienenkästen sowie GPS-Sender im Einsatz, die in den Kästen montiert sind und Alarm auf das Handy der Imker schicken, wenn die Kästen bewegt werden. „Es ist traurig, dass wir zu solchen Maßnahmen greifen müssen, aber es geht wohl nicht anders“, so Christoph Schmieta, der betont, dass die Imker aus dem Verein Jungimker auf Nachfrage immer unterstützen und ihnen auf Wunsch Völker abgeben.