Dieses war die letzte Fischfete

Im Stress: Hartmut Pflüger im Verkaufswagen.

Trotz hoher Besucherzahlen hat Hartmut Pflüger seine Entscheidung getroffen

Hellendorf (awi). Es war die allerletzte Fischfete auf dem Forellenhof Pflüger in Hellendorf. Aber sie war genauso super besucht wie ihre Vorgängerveranstaltungen. Doch schon im Vorfeld hatte Hartmut Pflüger durchblicken lassen: Es ist die letzte Veranstaltung dieser Art. Zumindest für die nächste Zeit. Wirklich schade, werden alle diejenigen sagen, die auch am letzten Sonntag entspannt beim Glas Wein an den Bierzeltgarnituren saßen, sich mit Matjesbrötchen, Räucherforellen, Pangasiusfilet, Quarkkartoffeln, Zuckermais, Quarkbällchen und selbstgebackenem Kuchen stärkten. Doch wer Harmut Pflüger, seine Frau Sandra und die zahllosen Helfer beobachtete, kann die Entscheidung vielleicht auch verstehen. Fischwirt Pflüger überschlug sich förmlich zwischen Räucherei, Verkaufswagen hinten und vorn und all denen, die nebenbei noch etwas von ihm wollten. Und das war nur der Veranstaltungstag selbst. Die wochenlange Arbeit im Vorfeld, mit der er quasi alleine dasteht, kommt noch hinzu. Die fantastischen Besucherzahlen an dem Tag selbst wiegen den Aufwand offensichtlich nicht auf. Ähnlich war dies beim Kürbisfest, das Familie Henneicke aus Rodenbostel vor einigen Jahren mit derselben Argumentation eingestellt hat. Die Arbeit, die die Familienbetriebe für eine solche Veranstaltung zu leisten haben, ist neben dem Tagesgeschäft einfach nicht mehr zu schaffen und so lukrativ, wie manche vielleicht glauben mögen, ist der Verdienst auch nicht. Aber man soll nie nie sagen. Die nächste Generation wächst heran und wird die Eltern irgendwann auch tatkräftig unterstützen beziehungsweise eigene Ideen entwickeln. Schade für die Wedemark ist es trotzdem, ihr geht ein Event verloren, das nicht nur durch die Massen, sondern durch seine Einzigartigkeit in der Kombination bestach. Pflügers Forellen kann man sich auch so kaufen, beim Bauern, Bäcker oder Imker kann man sich auch an anderer Stelle mit frischem Obst, Gemüse oder Honig eindecken, die Swing Company bekommt man auch woanders zu hören und selbstge-
backenen Kuchen servieren fleißige Haus- und Landfrauen auch zu diversen Anlässen. Aber nirgendwo sonst haben Kinder Gelegenheit, sich so herrlich im Schlamm auszutoben wie in dem abgelassenen Karpfenteich, nirgendwo sonst können sie das Gewicht eines lebenden Karpfens schätzen oder beobachten, wie er mit dem Kescher gefangen, geschlachtet und ausgenommen wird – was zugegebenermaßen nicht jedermanns Sache ist. Jedoch – die Entscheidung liegt beim Veranstalter, er hat sie schon im Vorfeld publik gemacht und jeder, der wollte, hatte die Chance, die letzte Fischfete in vollen Zügen zu genießen.