Dozenten auf der Schulbank

Die Referentin Sevinc Yada beantwortete Fragen der Dozenten des Interkulturellen Treffs.

Wie vermittle ich Sprache an Menschen, von denen viele nie zur Schule gegangen sind?

Wedemark. Engagiert und geduldig unterrichten sie Flüchtlinge aus aller Herren Länder in der deutsche Sprache, die Dozenten des Interkulturellen Treffs der Wedemark. Diesmal nun saßen sie selbst auf der Schulbank. „Wie vermittle ich Menschen die deutsche Sprache, von denen ein großer Teil nie zur Schule gegangen ist, unsere lateinische Schrift nicht kennt und keine Fremdsprache erlernt hat?“ lautete die gemeinsame Frage, auf die die Referentin Sevinc Yada interessante Antworten geben konnte. Yada hat als Fachdidaktikerin Sprachförderkonzepte für Deutsch als Zweitsprache und diverse Curricula für eine Interkulturelle Bildung maßgeblich entwickelt. War also die richtige Fachfrau für diese Thematik. Selbst Kind eingewanderter türkischer Eltern war es ihr gelungen, durch einfühlsame Lehrer gute Deutschkenntnisse zu erwerben. Zugewandte, aufmerksame Menschen, die verlässliche Beziehungen zu den häufig nach Sicherheit und Klarheit suchenden Geflüchteten aufbauen und ihnen eine erste Orientierung ermöglichen, wurden in eben dieser Bedeutung für den Spracherwerb besonders betont.
„Wie ich als Neunjährige damals treffen heute viele Einwanderer auf sprachliche Stolpersteine. Das können Wörter sein oder ganze Lautfolgen. Sie prägen sich einfach nicht ein.“ Dem entgegenzuwirken entwickelte Yada einen methodischen Leitfaden für niederschwelligen Deutschunterricht, in dem Anschaulichkeit, das Verwenden von Bildern, Mimik, Gestik und Rollenspiele Sprache authentisch werden lässt. Die Teilnehmer hörten es gern und fühlten sich bestärkt in ihrer Arbeit. „Gegenüber den offiziellen Kursen haben wir ja den großen Vorteil, dass wir in kleinen Gruppen unterrichten. Wir haben den individuellen Bezug zu unseren Schülern, die das Erlernte unmittelbar in ihrem Alltag umsetzen können,“so Jürgen Lenz, IKT-Dozent in Bissendorf, der von vielen Beispielen geglückter Kommunikation seiner „Schüler“ berichtete. Als schwierig schätzen die Ehrenamtlichen den Einsatz von Lehrbüchern in ihrem Unterricht ein, da diese noch nicht auf die besondere Lehr- und Lernsituation eines derartigen Anfangsunterrichts zugeschnitten sind. Hier konnte Yada hilfreiche Hinweise auf Lernmaterialien geben. Und so dankte man der engagierten Didaktikerin mit freundlichem Beifall. Die Neubürger werden das deutsche Alphabet lernen, werden lernen, wie man sich freundlich gegen jedermann verhält, wie man einen Termin beim Arzt macht oder eine Fahrkarte kauft, um mit der S-Bahn nach Hannover hin- und zurückzufahren. Das braucht alles seine Zeit. Integration ist eben ein langer Weg, und Deutsch eine schwierige Sprache. Aber sie ist das Wichtigste. Das alles zu vermitteln und einfach da zu sein – darin sieht der Interkulturelle Treff seine Aufgabe.