Drehleiter unterstützt bei Großbrand

Die Lagerhalle der Fuhrberger Zimmerei in Fuhrberg stand in der Nacht zum Montag in Flammen. Die Mellendorfer Wehr rückte mit der Drehleiter (rechts) an, um das Feuer von oben zu bekämpfen. Foto: H.H. Schröder
 
Mellendorfs Ortsbrandmeister Cord Hanebuth (links) mit den Geehrten und Beförderten der Ortsfeuerwehr Mellendorf. Foto: A. Wiese
 
Überraschung gelungen: Gemeindebrandmeister Maik Plischke (links) beförderte Ortsbrandmeister Cord Hanebuth am Sonnabend zum Hauptbrandmeister. Foto: A. Wiese

Lagerhalle der Fuhrberger Zimmerei brennt nieder – Polizei geht von Brandstiftung aus

Mellendorf/Fuhrberg (awi). Bei einem Großbrand in der Nachbargemeinde Burgwedel war in der Nacht zum Montag auch die Freiwillige Feuerwehr Mellendorf mit der Drehleiter, dem Tanklöschfahzeug und insgesamt neun Feuerwehrleuten im Einsatz. Die Mellendorfer Kräfte bekämpften die offenen Flammen im Dachstuhl von oben und beseitigten anschließend die Dachhaut, um an darunter liegende Brandherde zu gelangen, berichtete Burgwedels Stadtbrandmeister Ingo Motl im Gespräch mit dem ECHO. Die Zusammenarbeit mit den weiteren rund 70 Einsatzkräften aus Großburgwedel, Kleinburgwedel und Fuhrberg habe hervorragend geklappt, lobte Motl die Helfer aus der Nachbargemeinde, bei deren Eintreffen das Dach einer Lagerhalle der Fuhrberger Zimmerei an der Mellendorfer Straße bereits in Flammen stand. Die Polizei geht von vorsätzlicher Brandstiftung aus.
Ein Anwohner hatte um 3.15 Uhr Feuerschein bemerkt und die Rettungskräfte alarmiert. Bei deren Eintreffen stand das Dach einer Lagerhalle des Betriebes in Flammen. Die Löscharbeiten dauerten bis in die frühen Morgenstunden. Die Halle mit Maschinen, einem Farblager und darin abgestellten Fahrzeugen wurde laut Polizeibericht erheblich beschädigt. Nach polizeilichen Schätzungen beläuft sich der Schaden auf mindestens 300.000 Euro. Brandermittler haben das Gebäude am Montag untersucht. Sie gehen von einer vorsätzlichen Brandstiftung aus. Mindestens zwei Brandherde konnten lokalisiert werden. Zeugenhinweise nimmt der Kriminaldauerdienst Hannover unter der Telefonnummer (05 11) 109-55 55 entgegen.
Für die Mellendorfer Wehr gehört der Einsatz mit ihrer Drehleiter in der Nachbargemeinde zur Routine, denn Burgwedels Feuerwehr verfügt nicht über eine Drehleiter. Die ist aber unbedingt notwendig, um einen Dachstuhlbrand wirksam bekämpfen zu können. Nur einen Tag vor diesem Einsatz hatten die 70 Aktiven der Mellendorfer Wehr gemeinsam mit den 19 Alterskameraden und vielen der 322 fördernden Mitglieder im Gasthaus Stucke zur Jahreshauptversammlung zusammengesessen. Zum ersten Mal leitete der im Dezember vom Rat offiziell ernannte Ortsbrandmeister Cord Hanebuth die wichtigste Veranstaltung im Jahreskalender der Stützpunktwehr und bewältige dies souverän. Sein Bericht machte deutlich, was die Mellendorfer Wehr als Herzstück der Gemeindefeuerwehr Wedemark leistet: Von 225 Einsätzen der Feuerwehr Wedemark hat die Ortsfeuerwehr Mellendorf 109 Einsätze mitgefahren, und ist dabei auch so manches Mal außerhalb des Gemeindegebietes zur Unterstützung ausgerückt, wie es jetzt in der Nacht zum Montag eben auch in Fuhrberg erforderlich war.
950 Einsatzstunden haben die Kameraden dabei geleistet, als sie 55 Mal zu technischen Hilfeleis-tungen und 54 Mal zu Brandeinsätzen ausrückten. Der größte Teil der Einsätze galt der Hilfe mit dem Ziehfix, um Menschen in Notlagen hinter geschlossenen Türen retten zu können, berichtet Hanebuth. Aber es waren auch Unfälle mit eingeklemmten Personen, Wasser- und Sturmschäden abzuarbeiten. Bei den Brandeinsätzen schlugen in 50 Prozent der Fälle ausgelöste Brandmeldeanlagen zu Buche. Und auch wenn die Feuerwehr manchmal schon beim Anrücken wieder umkehren kann, weil Entwarnung kommt, dass es sich einmal mehr um einen Fehlalarm handelt, ist es ein Einsatz, für den etliche Kameraden nachts aus dem Bett gesprungen oder tagsüber ihre Arbeitsstelle verlassen haben, gab Hanebuth zu bedenken. 15 Prozent entfielen auf Fahrzeugbrände, 13 Prozent der Einsätze waren Böschungs- und Buschbrände und elf Prozent Wohnungs-, Zimmer- und Dachstuhlbrände. Die meisten Einsätze fuhren die Mellendorfer im abgelaufenen Jahr im Oktober, die wenigs-ten im Februar und November, belegt die Statistik.
Zwei schwere Unfälle gingen den Feuerwehrkameraden ganz besonders unter die Haut: der Unfall eines Kameraden im März, der beim Abkommen von der Fahrbahn der K103 zwischen Brelingen und Benneühlen in seinem Fahrzeug eingeklemmt wurde und der Unfall eines 39-jährigen Brelingers im November, der nachts zwischen Brelingen und Wiechendorf mit seinem Audi gegen einen Baum prallte, woraufhin das Fahrzeug in Flammen aufging. Während das Unfallopfer vom März inzwischen wieder auf den Beinen ist und seinen Dank an die Feuerwehrkameraden aus Elze und Mellendorf im Rahmen der Imagekampagne „Danke Florian“ zum Ausdruck bringt, überlebte das Unfallopfer vom November den Unfall nicht und konnte von den Mellendorfer Feuerwehrleute nur noch tot aus dem völlig ausbrannten Fahrzeugwrack geborgen werden. Ortsbrandmeister Cord Hanebuth gab zu bedenken, dass dieser Unfall aus technischer Sicht nicht zu den größten Herausforderungen gehört habe, jedoch eine große psychische Belastung für die Kameraden darstellte. Der Nachsorge nach solchen Einsätzen müsse mehr Beachtung geschenkt werden, mahnte der Ortsbrandmeister, und das gelte nicht nur für die jungen Kameraden, sondern auch für die älteren, wo eine Betreuung im Nachhinein genauso notwendig sein könne.
Die Mellendorfer Wehr war zudem im April bei einem Dachstuhlbrand in Elze mit der Drehleiter im Einsatzu, löschte im Juni einen Überseecontainer im Gewerbegebiet in Bissendorf und im Oktober einen weiteren Containerbrand auf einem Parkplatz an der Autobahn. Ende Oktober halfen die Mellendorfer Kameraden ein Trümmerfeld auf der A7 nach einem Lkw-Unfall zu beseitigen, nachdem sich die Erstmeldung, dass ein LKW-Fahrer eingeklemmt sei, zum Glück nicht bewahrheitet hatte. Im Dezember unterstützten einige Kameraden der Wehr die Gemeinde Wedemark beim Bettenaufbau für die Flüchtlinge in der ehemaligen Jugendhalle. Hier habe es sich um Amtshilfe zur humanitären Unterstützung gehandelt, so Hanebuth. Er räumte ein, von der Anfrage eine Woche zuvor überrascht worden zu sein, dann aber nach Beratung mit seinem Kommando einige Kameraden aktiviert zu haben, die die Aufgabe auch prima gemeistert hätten.
Kurz ging Hanebuth auf den Führungswechsel in der Wehr ein. Der bisherige Stellvertreter Holger Schmidts hatte sich bei den Aktiven zur Wahl gestellt, nachdem Schmidt diese darüber informiert hatte, dass er den Posten nach fünf Jahren aus persönlichen Gründen aufgeben müsse. Die Feuerwehrkameraden sprachen Hanebuth ihr Vertrauen aus und wählten den bisherigen Kassierer Jens Tauber zum stellvertretenden Ortsbrandmeister. Der Rat bestätigte die Wahl offiziell im Dezember. Mittlerweile habe Jens Tauber auch alle erforderlichen Lehrgänge absolviert, berichtete Hanebuth. Da Tauber zuvor Kassierer gewesen war, wählten die Aktiven am Sonnabend den bisherigen zweiten Kassierer Andreas Henstorf als neuen Kassierer und Benjamin Kummer zu seinem Stellvertreter. Bei seinem Vorgänger Holger Schmidt bedankte sich Cord Hanebuth mit warmen Worten und einem Gutschein als Präsent. Er sei viele Jahre, auch bereits vor seiner Zeit als Ortsbrandmeister, in öffentlicher Funktion tätig gewesen, habe alle Funktionen mit voller Überzeugung ausgefüllt und die Feuerwehr Mellendorf durch sein Wirken geprägt.
Der Ortsfeuerwehr Mellendorf gehörten zum 31. Dezember 2015 70 Aktive, davon neun Frauen, 19 Alterskameraden, 322 fördernde Mitglieder, 17, Mitglieder der Jugendfeuerwehr (davon drei Mädchen) und 18 Mitglieder der Kinderfeuerwehr (davon vier Mädchen) an. Neu aufgenommen wurden 2015 bei den fördernden Mitgliedern Wolf-Dieter Thoma, Astrid von Hirsch-
heydt, Marieke Pries, Detlef Faustmann, Werner Hanebuth, Hendrik Nienhoff, André Krepa, Rüdiger Alms, Hans-Jürgen Lau, Mirco Bauer, Christine Wienrich, Tim Schröter, Ida Michel, Johannes Opitz und Nadine Frank. Mit dem Tag seiner Geburt sei am 1. Januar Vincent Plischke von seinen Eltern in der Mellendorfer Feuerwehr angemeldet worden, berichtete zudem Ortsbrand-
meister Cord Hanebuth bei der Jahreshauptversammlung. Cornelius Jahns wurde aus den Reihen der Jugendfeuerwehr in die aktive Wehr übernommen. Die Feuerwehrfahrzeuge aus Mellendorf haben im vergangenen Jahr insgesamt 16.579 Kilometer zurückgelegt. Das Dienstbuch weist 3.250 Dienststunden aus, davon 2.220 Stunden feuerwehrtechnische Dienste.
Kameraden der Ortsfeuerwehr Mellendorf haben im Jahr 2015 folgende Lehrgänge auf Regions- beziehungsweise Landesebene besucht: Tino Schreiner (Truppmann Teil 1), Yasmin Sieveritz (Truppmann Teil 2), Lucas Kirschke (Sprechfunker und Atemschutzgeräteträger), Wiebke Rose (Maschinist), Maren Hanebuth (Atemschutznotfallseminar), Axel Fischer (Seminar Notfall auf Bahnanlagen), Christoph Rose (Truppführer und Atemschutzgerätewart), Matthias Dorsch (Gruppenführer Teil 1), Alexander Stark (Gruppenführer Teil 2), Benjamin Meyer (Führungsarbeit in der Jugendfeuerwehr), Hendrik Schliep (Ausbilder in der Feuerwehr für Motorsägenlehrgänge und Drehleitermaschinist), Benjamin Kummer (Fotoarbeit für die Jugendfeuerwehr), Wiebek Rose und Jennifer Hanebuth (Grundlagen Kinderfeuerwehr), Hendrik Schliep und Jens Bertram (Arbeitssicherheit Baum 1 und 2), Hendrik Schliep und Jennifer Hanebuth (Seminar Großtierrettung), Wiebke Rose und Christoph Rose (Fahrsicherheitstraining). Das Sportabzeichen erwarben Andreas Henstorf, Matthias Dorsch, Maren Hanebuth, Jörn Schliep, Dirk Brockmann, Holger Schmidt, Hendrik Schliep, Benjamin Kummer und Cord Hanebuth. Holger Schmidt legte zusätzlich noch das Rettungsschwimmabzeichen in Gold ab. Ortsbrandmeister Cord Hanebuth dankte in diesem Zusammenhang dem MTV Mellendorf und der DRLG für die gute Kooperation.
Glückwünsche für die Beförderten und Geehrten an diesem Abend besonders auch für den bisherigen Ortsbrand-
meister Holger Schmidt brachte die Erste Gemeinderätin Konstanze Beckedorf zum Ausdruck. Geordnet habe Schmidt die Wehr an Hanebuth übergeben, bedankte sich Beckedorf im Namen der Gemeindeverwaltung zugleich für die gute und konstruktive Zusammenarbeit, die 2015 noch ausgebaut und vertieft worden sei. Sie wies auf die Veränderungen innerhalb des Hauses hin, wo jetzt Peter Bensing die Sachbearbeitung für die Feuerwehren übernommen hat, sprach die Beschaffung neuer Schutzkleidung, die Ausschreibung für das Wennebosteler Logistikfahrzeug, die Imagekampagne „Danke Florian“, die Stabsausbildung und den vom Rat verabschiedeten Haushalt 2016 an, in dem die Feuerwehrbelange Berücksichtigung finden. Mit dem Bauhof werde in diesem Jahr auch der Feuerwehr-Schlauchpool von Wennebostel nach Hellendorf umziehen, kündigte Beckedorf an. Sie dankte der Schwerpunktfeuerwehr für ihre Einsatzbereitschaft und die hervorragende Nachwuchsarbeit. Ein spezielles Dankeschön gab es für den Bettenaufbau in der Jugendhalle, die mittlerweile zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert sei. Hier habe die Mellendorfer Wehr auf die Anfrage der Verwaltung schnell und hilfsbereit reagiert und sich wie sonst auch als hervorragendes Team bewährt.
Ortsbürgermeister Christa Goldau hatte für Aktive, Altersabteilung und Nachwuchsorganisationen gut gefüllte Umschläge dabei. Sie stellte fest: „Ohne die Feuerwehr geht in Mellendorf gar nichts“ und spielte damit neben dem Brandschutz und etlichen anderen Einsätze vor allem auch auf den Einsatz der Wehr für den Ort an: ob es um Weihnachtssterne aufhängen, Weihnachtsbaum aufstellen, Osterfeuer entzünden oder Becher spülen auf dem Weihnachtsmarkt geht – die Feuerwehr stehe parat, freute sich Goldau. Feuerschutzausschussvorsitzender Jürgen Benk beglückwünschte die neue Wehrführung um Cord Hanebuth und Jens Tauber, bescheinigte ihnen eine beeindruckende Bilanz für 2015, bedankte sich ebenfalls noch einmal bei Holger Schmidt und nannte konkrete Zahlen: Im Haushalt seien für die laufende Unterhaltung von Fahrzeugen und Gerätehäusern 346.000 Euro eingestellt, weitere 380.000 Euro für Investitionen wie die Schutzkleidung und das Feuerwehrfahrzeug für Negenborn. Er könne zufrieden feststellen, so Benk: „Der Brandschutz ist in der Wedemark gewährleistet.“
Pastorin Silke Noormann sagte ebenfalls Danke und attestierte
den Feuerwehrmitgliedern: „Feuerwehrleute sind Menschen, die für andere da sind.“ Auch 2015 habe die Mellendorfer Wehr ganz besondere Einsätze bewältigt, Herausforderungen, an denen sie wachse und „‚Erlebnisse in und mit einer Gemeinschaft, die trägt“.
Abschnittsleiter Horst Holderith stellte in seinem Grußwort die Bereitschaft von Ortsbrandmeister Cord Hanebuth heraus, im Zuge der Regionsbereitschaft humanitäre Hilfe am Messebahnhof bei der Verteilung der Flüchtlinge zu leisten. Gemeindebrandmeister Maik Plischke informierte über geplante Neuerungen in der Gemeindefeuerwehr, über die das ECHO im Zusammenhang mit anderen Versammlungen bereits ausführlich berichtet hat.
Beförderungen und Ehrungen sind stets der Höhepunkt jeder Jahreshauptversammlung einer Feuerwehr. Und so erwarteten die Teilnehmer im bis auf den letzten Platz besetzten Saal des Gasthauses Stucke gegen Ende der Versammlung gespannt auf diesen Tagesordnungspunkt. Zunächst wurden Quereinsteiger Tino Schreiner zum Feuerwehrmann, Björn Kleinke und Yasmin Sieveritz zu Oberfeuerwehrmann beziehungsweise -frau sowie Christoph Rose zum Hauptfeuerwehrmann und Carina Stark zur Hauptfeuerwehrfrau ernannt. Anschließend beförderte Gemeindebrandmeister Maik Plischke Jens Tauber und Dirk Niedzella zu Brandmeistern und dann – überraschend für den Betroffenen – Ortsbrandmeister Cord Hanebuth zum Hauptbrandmeister. Anschließend standen die Ehrungen an, bei denen auch Abschnittsleiter Horst Holderith seines Amtes walten durfte. Die höchste Ehrung für 50 Jahre erfuhr Herbert Bertram, der seit seinem Ausscheiden aus der aktiven Wehr bei den Alterskameraden Dienst tut. Für 25 Jahre aktive Mitgliedschaft wurde Michael Strohmeyer geehrt. 60 Jahre bei der Feuerwehr und mittlerweile bei den Alterskameraden sind Fritz Pieper und Heinrich Bertram. Sie bekommen ihre Ehrenabzeichen allerdings in einer separaten Veranstaltung im Sommer angeheftet. Ausgezeichnet wurden außerdem Rolf Marhenke für 60 Jahre fördernde Mitgliedschaft, Gert Söller für 40 Jahre fördernde Mitgliedschaft sowie Jürgen Peter, Erwin Schmidt, Reiner Urbach und Willi Vogt für 25 Jahre fördernde Mitgliedschaft. Weitere Mitglieder waren für Ehrungen vorgesehen, waren aber an diesem Abend nicht anwesend und werden ihre Ehrungen daher zu einem späteren Zeitpunkt erhalten.