Dringender Hilferuf der Schulen

„Inklusion und Flüchtlingskinder: Ohne Lernpaten geht es nicht mehr weiter“

Wedemark (awi). Die Schulen geben es offen zu: Sie sind überfordert. Inklusion und die immer neue Zuweisung von Flüchtlingskindern, die meistens kein Wort Deutsch sprechen, bringen sie an ihre Grenzen. Auf der Strecke bleiben die Kinder. Helfen würde eine den individuell an die Bedürfnisse der Kinder angepasste Betreuung. Doch die Schulen können diese nicht mehr leisten. IGS, Hauptschule und die Berthold-Otto-Förderschule haben jetzt die Reißleine gezogen: In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Stefan Wullenkord von den Lernpaten sowie der Ersten Gemeinderätin Konstanze Beckedorf und dem persönlichen Referenten von Bürgermeister Helge Zychlinski, Eike Erdmann, starteten Carmen Mucha von der IGS Wedemark, Ina Wahl-Bartsch von der Berthold-Otto-Schule und der Schulleiter der Konrad-Adenauer-Schule, Wilfried Osing, einen dringlichen Appell an die Wedemärker, sich als ehrenamtliche Lernpaten zur Verfügung zu stellen. Wer was für ein Kind welcher Schulform und welchen Alters wieoft und wielange betreut, wo die Schwerpunkte liegen, im Vermitteln der deutschen Sprache, in der Leseförderung oder allgemeiner Lernmotivation, ob die Lernpaten mit „ihrem“ Kind nur in der Schule oder auch nachmittags zu Hause arbeiten und Zeit verbringen, das kann alles individuell nach den Stärken und zeitlichen Möglichkeiten derjenigen, die sich auf diesen Aufruf melden, abgestimmt werden. „Wir brauchen erst einmal einen Pool, aus dem wir schöpfen und passende Paare aus Lernpaten und Kindern bilden können“, erklärt Stefan Wullenkord. Er koordiniert die Lernpaten seit zehn Jahren, früher allerdings überwiegend an den Grundschulen. Erst in den letzten Jahren ist der Bedarf nach individueller Förderung und Betreuung auch an den weiterführenden Schulen kontinuierlich gestiegen. Dramatisch wurde die Situation mit der aktuellen Zuweisung von Flüchtlingskindern. Mittlerweile gibt es für die „sprachlosen Kinder“ wie Wilfried Osing sie nennt, an der Hauptschule täglich zwei Stunden Deutschunterricht. Danach werden sie nach ihren Möglichkeiten in den weiterführenden Schulen unterrichtet. Doch das reicht nicht aus, damit sie Anschluss finden. Dazu kommen „Inklusionskinder“, die bei entsprechendem Elternwillen an einer Regelschule beschult werden. „Wir sind jetzt an einem Punkt, wo wir die Öffentlichkeit bitten müssen, uns zu unterstützen, erklärten die Lehrer am Donnerstag vor der Presse. Es wird unter dem Dach des Bündnisses für Familie zwei Informationsveranstaltungen für potentielle Lernpaten geben: am 16. Juli ab 18 Uhr in der Jugendhalle und am 23. Juli ab 19 Uhr im Bürgerhaus in Bissendorf. Interessenten können sich aber auch jederzeit an Stefan Wullenkord, Telefon 9746063, die Hauptschule, Telefon 53 89, die IGS, Telefon 58 11 60, oder die Berthold-Otto-Schule, Telefon 92980, wenden.