EDV-Vernetzung ist einer der Gründe

Dr. Olaf Harder (von rechts) und Dr. Martin Maeß geben mehrere Gründen für die Schließung ihrer Zweigstellenpraxis in Resse an. Foto: A. Wiese

Ärzte Harder und Maeß würden sich über einen Nachfolger in Resse freuen

Bissendorf/Resse (awi). „Unser Mietvertrag mit dem Verein Bürger für Resse für die Praxis im Ärztehaus wurde nicht gekündigt. Er läuft Ende September regulär aus und wird von uns nicht verlängert. Eine Kündigung ist von uns nie geschrieben worden“, so Dr. Olaf Harder und Dr. Martin Maeß im Gespräch mit dem ECHO. Der Aushang im Wartezimmer der Resser Zweigstellenpraxis der Bisesndorfer Allgemeinmediziner, dass die Praxis zum Jahresende schließt, hatte letzte Woche hohe Wellen geschlagen (das ECHO berichtete). Dass sie den Vertrag für Resse nicht verlängern begründen Harder und Maeß mit der Arbeitsbelastung für sich und Dr. Anja Kern. Die Ärztin, die noch bis zum Jahresende in der Resser Praxis arbeitet, wird die Ärzte ab Januar in der Praxis am Mühlenberg in Bissendorf unterstützen. „Wir schaffen es sonst einfach nicht und wir können nicht noch mehr arbeiten. So musste eine Entscheidung getroffen werden“, so Harder und Maeß, die auch nachvollziehbare persönliche Gründe angeben, warum auch ihre Belastbarkeit begrenzt ist. Dass die Praxis in Resse aber nicht mit Auslaufen des Vertrages im September schließt, sondern bereits zum 31. Dezember, das hat einen anderen Grund. Bis 2018 sollen alle Arztpraxen, Krankenhäuser und Apotheken sukzessive an die Tele-
matik-Infrastruktur angeschlossen sein. Schon 2004 hatte der Gesetzgeber mit dem Gesundheitsmodernisierungsgesetz die Grundlagen für die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) und der Telematikinfrastruktur gelegt. Jetzt ist die eGK flächendeckend bei den Versicherten der gesetzlichen Krankenversicherung angekommen. Ärzte, Kassen und Industrie stehen jetzt gleichermaßen in der Pflicht, die gesetzlichen Vorgaben im Sinne der Patienten zügig umzusetzen. Ziel des E-Health-Gesetzes ist es, Ärzten, Krankenhäusern und Apotheken die Möglichkeit zu geben, in sicherer, strukturierter und medienbruchfreier Weise medizinische Informationen ihrer Patienten an weiterbehandelnde Kollegen elektronisch zu übermitteln. Für die Arztpraxis in Bissendorf laufen die Vorbereitungen für die Umstellung bereits, berichten Harder und Maeß. Doch auch für die Zweigpraxis in Resse, auch wenn diese nur noch bis September 2018 in Betrieb wäre, hätte eine komplett neue EDV-Anlage angeschafft werden müssen – inklusive der entsprechenden Software. Daher habe man sich entschieden, den Zeitpunkt der Schließung in Resse nach vorne zu ziehen. Sollte sich ein Nachfolger für Resse finden, seien sie selbstverständlich bereit, die Räume auch vor September dafür zur Verfügung zu stellen, betonen beide. Sie hätten bereits selbst die Fühler nach einem möglichen Nachfolger ausgestreckt, bisher allerdings erfolglos. Zulassungsbeschränkungen für einen solchen sind aus Sicht von Harder und Maeß nicht zu erwarten, meinen die Ärzte, verweisen für Details aber auf die Kassenärztliche Vereinigung.