„Ehe für alle Selbstverständlichkeit“

Mitglieder des Vereins EinzigArtig feierten am Freitagabend den Beschluss des Bundestages für die „Ehe für alle“ mit einem spontanen Sektempfang im Foyer des Bürgerhauses in Bissendorf, in dem sich bis zum Abschluss der Sanierungsarbeiten des Amtshauses das Trauzimmer befindet.

Bürgermeister will erstes Paar persönlich trauen – Verein EinzigArtig feierte

Wedemark (awi). Bürgermeister Helge Zychlinski begrüßt die Bundestagsentscheidung zur sogenannten „Ehe für alle“. „Es war höchste Zeit, dass die Mehrheit im Bundestag nachvollzieht, was längst gesellschaftliche Realität ist“, kommentierte Bürgermeister Helge Zychlinski auf Anfrage des ECHO den Beschluss, die Eheschließung auch homosexuellen Paaren zu ermöglichen.
„Ich freue mich, dass nunmehr die rechtliche Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Paare gesetzlich festgeschrieben wurde. Ich freue mich auch darauf, das hier in der Wedemark umzusetzen“, sagt Helge Zychlinski. Er wisse schon seit längerem von Paaren in der Gemeinde, die darauf warteten, endlich die Ehe schließen zu können. „Die Ehe für alle ist eine Selbstverständlichkeit“, macht Helge Zychlinski deutlich. „Mit der Schaffung der eingetragenen Lebenspartnerschaft im Jahr 2001 wurden zwar viele Rechte homosexueller Paare gestärkt. Sie ermöglichte jedoch nicht dieselben Rechte wie eine Ehe zwischen Mann und Frau. Es ist eine Genugtuung für alle, die sich seit vielen Jahren für die Gleichberechtigung aller Menschen einsetzen, dass dies nun Realität wird.“ Um ein deutliches Zeichen zu setzen, wird der Bürgermeister die erste homosexuelle Eheschließung in der Wedemark persönlich durchführen. Da der Beschluss des Bundestages erst noch durch den Bundesrat gehen muss – was den Verlautbarungen der überregionalen Medien nach als Formsache betrachtet wird – und auch der Bundespräsident dies absegnen muss, zudem die Standesämter einige Zeit für die Vorbereitungen benötigen, ist die erste offizielle Trauung eines gleichgeschlechtlichen Paares nicht vor Herbst realistisch.
„Ich freue mich, dass mit der Öffnung der Ehe die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare endlich beendet wurde. Ich habe mich mit meiner Fraktion seit Jahren dafür eingesetzt und habe daher dem Gesetzentwurf mit voller Überzeugung zugestimmt. Zwei Menschen, die sich lieben und füreinander Verantwortung übernehmen wollen, verdienen unseren Respekt und die volle Unterstützung des Staates“, erklärte die SPD-Bundestagsabgeordnete und Staatssekretärin im Ministerium für Frauen, Familie und Senioren, Caren Marks gegenüber dem ECHO. Doch auch ihr CDU-Bundestagskollege Hendrik Hoppenstedt bekundet auf seiner Facebookseite: „Öffnung der Ehe: Ich habe dafür gestimmt und wünsche allen, die jetzt die Möglichkeit haben, ihre Verbindung als Ehe bezeichnen zu lassen, alles Gute. Ich kann gut nachvollziehen, dass das für viele ein Herzenswunsch war. Was ich nicht in Ordnung finde: Dass SPD, Linke und Grüne immer den Eindruck erweckt haben, Homosexuelle würden diskriminiert werden und die CDU stehe genau dafür. Es gab auch vorher keine Diskrimierung, sondern nur noch eine Debatte um die Begrifflichkeit. Darüber kann man trefflich streiten und ich kann auch gut diejenigen verstehen, für die der Begriff Ehe die ausschließliche Verbindung von Mann und Frau ist, auch wenn ich zu einem anderen Ergebnis komme.“ Der Verein „EinzigArtig“ Wedemark ist der Treffpunkt für homosexuelle, bisexuelle, intersexuelle, transgender und transsexuelle Jugendliche und junge Erwachsene sowie deren Eltern, Freunde und Angehörige. Bereits am Donnerstag kündigte Vorsitzender Daniel Diedrich an: „Wenn der Bundestag am Freitag ,Ja‘ sagt, dann lässt EinzigArtig um 21 Uhr vorm Standesamt Bissendorf die Korken knallen!“ Und so war es denn auch. Mehr als 20 Vereinsmitglieder und Freunde kamen am Freitagabend im Bürgerhaus zusammen, tranken Sekt und anderes und freuten sich über den Erfolg derjenigen, „die solange für die Gleichberechtigung ihrer Beziehung gekämpft hätten“.