„Ehrenamt ist Ehrensache“

Waren mit dem Verlauf der Podiumsdiskussion grundsätzlich zufrieden: die Bürgermeisterkandidaten Dirk Hallmann (l.) und Helge Zychlinski (r.), Sportringvorsitzender Joachim Brandt und Moderatorin Janne Klöpper. Fotos: A. Wiese

Sport hat für Bürgermeisterkandidaten hohen Stellenwert – auch nach dem Wahlkampf?

Wennebostel (awi). „Ich hätte mir mehr Fragen aus dem Plenum gewünscht“. Dieser Abschlusssatz des Sportringvorsitzenden Joa-
chim Brandt brachte es ganz gut auf den Punkt: Sie war fair und sicher auch für viele der Besucher recht informativ, aber auch ein bisschen langweilig, die Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten, initiiert vom Sportring. Angelehnt an eine bekannte Fernsehsendung könnte man abschließend fragen und zusammenfassen: Wer soll denn jetzt ihr „Herzblatt“ beziehungsweise Bürgermeister sein? Der 35-jährige SPD-Kandidat Helge Zychlinski, der sein Leben lang in der Wedemark gelebt hat, erste ehrenamtliche Erfahrungen als Schülervertreter gesammelt hat, beruflich für Caren Marks die Pressearbeit managt, für den Heimat die große Leidenschaft ist, den es reizt, 365 Tage im Jahr rund um die Uhr die Gemeinde nach vorne zu bringen und der durch die HDI-Arena über den Platz bis hinter den Tresen sprintet? Oder der 54 Jahre alte CDU-Kandidat Dirk Hallmann, der seit 38 Jahren im Polizeidienst ist, erfahren in Leitungsfunktionen zur Zeit einen Streifendienst mit 65 Mitarbeitern organisiert und der Wedemark als einer herausgehobenen Kommune der Region ihre ländliche Struktur gepaart mit innovativer Infrastruktur erhalten möchte, indem er mit ausreichender Erfahrung, der gebotenen Neutralität, dem geforderten Engagement und der unverzichtbaren Freude an der Gestaltung als Mittelstürmer in 11,5 Sekunden die 100 Meter bewältigt und die ersten Schritte im Ehrenamt als Jugendbetreuer im Fußball gemacht hat? Keine einfache Entscheidung für die Zuhörer im zwar nicht vollen, aber doch gut besetzten Bludauschen Saal.
Kompetent moderiert durch Profi Janne Klöpper hangelten sich die Kandidaten vom Breitensport über den Zustand der Sportstätten an der sozialen Funktion des Sports entlang bis zum Ehrenamt und seiner Bedeutung für den Sport. Am Ende der zwei Stunden wussten die Zuhörer, dass Dirk Hallmann den Sportring unterstützen, die Spotlerehrung finanziell fördern, individuelle Akzente setzen, die Sportförderrichtlinien überarbeiten und den Sportentwicklungsplan mit einem Querschnitt durch Schul-, Vereins-
und Gesundheitssport umsetzen möchte. Helge Zychlinski möchte zielgenauer fördern, den Aufwand honorieren, den Vereine mit eigenen Sportstätten in der Unterhatlung haben und das Beratungsdefizit der Vereine hinsichtlich der Fördertöpfe aufarbeiten. Dabei sollen die Sportler nicht hinten runterfallen, die ihren Sport außerhalb eines Vereins betreiben. Verständnis brachte Zychlinski dafür auf, dass es für Jugendliche immer schwieriger sei, ich außerhalb der Schule und ihrer wachsenden Anfoderungen, in Vereinen zu organisieren. Dennoch führe an der Ganztagsschule kein Weg vorbei. Aus der Tennisabteilung des 1. FC Brelingen kam der Vorschlag, Punktspiele für Jugendliche nicht immer nur unter der Woche anzusetzen und über den Bau einer Mehrzweckhalle nachzudenken, die auch als Tennishalle nutzbar sei.
Die Aufgabe der Kommune sieht SPD-Kandidat Zychlinski ganz klar in der Förderung des Breitensports. Große individuelle Förderbeträge für den Leistungssport auszuschütten ist aus seiner Sicht nicht angemessen, die Kommune könnte die Sportler aber beispielsweise bei der Freistellung in den Schulen unterstützen. CDU-Kandidat Hallmann hätte sich die Gemeinde gut auf der Siegerehrung der Deutschen Meisterschaften der Jugend, ausgerichtet von den Bissendorfer Panthern in der Wedemarkhalle, vorstellen können, ganz nach dem Motto: Wertschätzung ist auch Präsenz. Leis-tungssportler sind für ihn die Aushängeschilder der Wedemak. Entgeltfrei sollen die Vereine die kommunalen Sportstätten weiter nutzen können, sind sich die Kandidaten einig. Zychlinski will den Dialog intensivieren, Kosten auf Seiten der Gemeinde sparen, indem Schlüsseldienste übernommen und Hallen sauber hinterlassen werden. Längst gebe es das Gebäudemanagement in der Verwaltung und eine Prioritätenliste, die abgearbeitet werde, wobei aktuelle Schadensmeldungen oder Ereignisse selbstverständlich berücksichtigt würden. „Mit 33,3 Prozent bezuschussen wir die Sanierung von Vereinssportstätten“, betonte Zychlinski. In den gemeindlichen Sportstätten sei mit umfassenden Sanierungsarbeiten bereits begonnen worden. Schlimme sehe es nur mit der Bissendorfer Mehrzweckhalle aus. „Hier müssen wir in den nächsten Jahren handfeste Entscheidungen treffen: erhalten oder wegschieben und neu bauen“, stellte der SPD-Kandidat in den Raum. Hallmann erinnerte daran, dass es unter der schwarz-gelben Landesregierung ein sehr großes Sanierungsprogramm gegeben habe, für das aber nur Mittel an die Kommunen geflossen seien, wenn keine Hallengebühren erhoben wurden. Davon habe beispielweise die Brelinger Sporthalle profitiert. „Hallennutzungsgebühren“, so Hallmann, „sind das völlig falsche Signal!“. Wichtig sei, unbürokratisch Hürden abzubauen. Er wolle den Gemeindehaushalt sanieren, aber nicht auf dem Rücken der Vereine, betonte Hallmann. Mehr Einbindung in die Sanierungspläne und die Prioritätenliste über den Fachausschuss versprach Helge Zychlinski den Vereinen und er signalisierte Gesprächsbereitschaft bei der Frage der Nichtnutzung der kommunalen Sportstätten in den Ferien, wenn man eine kostengünstige Lösung erarbeiten könne, denn das Hauptproblem sei, dass die Hausmeister nur in den Ferien Urlaub nehmen dürften und daher für die Schließdienste und anderes nicht zur Verfügung stünden.
Dirk Hallmann formulierte es noch konkreter: „Wenn wir die Attraktivität und die Mitgliederzahlen der Vereine erhöhen wollen, müssen wir flexibler sein. Wenn wir unseren Trainern unsere Kinder und Jugendlichen anvertrauen, können wir ihnen auch unsere Sportstätten anvertrauen!“ Er sieht zudem mittelfristig den Bau einer Multi-Mehrzweckhalle als unverzichtbar an und die Schaffung von Tribünen für die Wettkampfsportarten als wünschenswert. Beide Kandidaten befürworten das Freiwillige soziale Jahr beziehungsweise den Bundesfreiwilligendienst, genutzt durch die Vereine und haben keinen Zweifel an der wichtigen sozialen Funktion des Sports. „Die Sportvereine in der Wedemark sind das soziale Rückgrat hier und man muss sie unterstützen“, findet Dirk Hallmann. „Wenn es Fördermittel gibt, die wir zuguns-ten der Vereine oder der Sportstätten absaugen können“, tun wir das, verspricht Helge Zychlinski.
Letzter Punkt auf der Fragenliste von Janne Klöpper und damit des Sportrings: Was halten die Kandidaten von einem Ehrenamtsbeauftragten in der Verwaltung? Unnötig, findet Zychlinski. In der Verwaltung gebe es in den einzelnen Fachbereichen genügend qualifizierte Mitarbeiter, die die Fragen der Vereine kompetent beantworten und diese betreuen könnten. Diese Mitarbeiter und ihre spezielle Zuständigkeit müssten von den Vereinen aber erst einmal gefunden werden“, hielt Dirk Hallmann dagegen. Ein Ehrenamtsbeauftragter sei da eine ideale Schnittstelle.
Darüberhinaus sei Ehrenamt für ihn aber Ehrensache und er selbst wolle der Hauptansprechpartner für alle ehrenamtlich Tätigen sein. Ihm schwebe ein Ehrenamtstag in Form eines Familienfestes vor und ein „Junges Ehrenamt“, das durch Zertifikate belegt wird und damit ehrenamtlich engagierten Jugendlichen zugleich ein besonders Zeugnis für ihre künftige Berufstätigkeit mit auf den Weg gebe. Zychlinski meint, der Staat müsse dafür sorgen, dass sich Ehrenamt entfalten könne, es dürfe jedoch kein Hauptamt ersetzen. „Wir können stolz sein, dass wir in der Wedemark so viele Ehrenamtliche haben“, freute sich der SPD-Kandidat. Und er will künftig auch regelmäßiger die Möglichkeit der Vergabe von Ehrennadeln durch die Gemeinde nutzen, durchaus auch an Sportler. Man könne sogar überlegen, Kommunalpolitiker auf andere Art und Weise auszuzeichnen und die Ehrennadel anderen ehrenamtlich Aktiven vorzubehalten. Einen solchen Dialog wolle er künftig regelmäßig führen“, wünschte sich Zychlinski. Hallmann resümierte, er nehme Impulse von diesem Abend mit, die ihn darin bestärkten, Ehrenamt und Vereine künftig noch mehr in den Fokus zu nehmen.