Ehrenamtliche Integrationslotsen informieren

Machen sich für Integration stark: Martina Paulmann (von links), Helga Tänzer, Ingrid Schnieders und Ute Kraetzschmer. Foto: B. Stache

In der Phase der Anerkennung kommt eine Flut an Papieren auf die Flüchtlinge zu

Bissendorf (st). Sie kennen die Untiefen und vielen Klippen der Bürokratie, die mitunter selbst deutschsprachigen Bürgern Probleme bereiten. Auch Flüchtlinge müssen sich auf eine Vielzahl von Anträgen einstellen, wenn es um die Bewältigung des Alltags in Deutschland geht. Es sind die Lotsen, die in solchen Situationen den Geflohenen helfen, um beispielsweise Anträge beim Jobcenter, zur Kontoeröffnung oder für einen Kita-Platz richtig stellen zu können. Sie nennen sich Integrationslotsen und arbeiten ehrenamtlich. „In der Phase der Anerkennung kommt eine Flut an Papieren auf diese Menschen zu, das kann man sich kaum vorstellen“, weiß auch Ute Kraetzschmer. Sie ist eine von zirka 15 ehrenamtlichen, aktiven Integrationslotsen der Gemeinde Wedemark. Am Dienstagabend hatte sie mit drei weiteren Integrationslotsen, Helga Tänzer, Ingrid Schnieders und Martina Paulmann, an einer Gesprächsrunde teilgenommen. „Gerne möchten wir darüber berichten, damit die Bürger erfahren, was wir so tun bei unserer freiwilligen Arbeit“, erklärte Helga Tänzer im Gemeindehaus der St. Michaelisgemeinde in Bissendorf. So wurde beispielsweise im Herbst 2015 in der Brelinger Mitte ein Sprachkurs für Flüchtlinge eingerichtet, erinnerte Ingrid Schnieders. „Mittlerweile besuchen die erwachsenen Teilnehmer einen Integrations-Sprachkurs des Jobcenters.“ Das ist ein Pflichtkurs für Flüchtlinge mit Bleiberecht. „Jetzt betreue ich eine Familie in Meitze, die aus dem Irak stammt“, berichtete die Integrationslotsin. Im Frühjahr 2016 hatte die Gemeinde Wedemark in zwei Kursen a` 50 Unterrichtsstunden durch die Volkshochschule Ehrenamtliche zur Integration von Geflüchteten schulen lassen. Ute Kraetzschmer hatte sich auch ausbilden lassen. „Kurz zuvor war die Sammelunterkunft in Mellendorf eingerichtet worden. Dort war ich in der Kleiderkammer eingesetzt. Nachdem die Familien auszogen, um eigene Wohnungen zu beziehen, habe ich mich um eine Flüchtlingsfamilie gekümmert“, erklärte sie. Gleich sechs Familien betreut Integrationslotsin Martina Paulmann aus Wennebostel – in Scherenbostel, Bissendorf, Bissendorf-Wietze und Mellendorf. „Ich bin Mitglied im Kirchenvorstand und habe mich dem Thema Flüchtlingskoordination angenommen. Dazu gehören Deutschkurse, Treffen zum gemeinsamen Spielen und Kaffeenachmittage, aber auch die Arbeit mit Jugendlichen“, beschrieb sie ihr ehrenamtliches Engagement. Helga Tänzer hatte im April 2016 mit drei weiteren Frauen den Integrationstreff Elze in der alten Schule eingerichtet. Sie alle hatten an dem Kurs der Gemeinde Wedemark für Integrationslotsen teilgenommen. Heute besuchen zirka 15 Familien regelmäßig den Treff in Elze. Sie stammen aus Syrien, Afghanistan, Tschetschenien und dem Kosovo. Der Integrationstreff in Elze bietet diesen Familien regelmäßige Angebote. „Und sie kommen gerne zu uns“, bestätigte Helga Tänzer. „Es hat sich zu unserer Freude ein wunderbares Vertrauen aufgebaut. Sie wissen, dass wir uns für sie einsetzen und ihnen helfen. Kinder sind ebenfalls willkommen.“ Zu jedem Treffen gehört auch eine Deutschstunde. „Wir merken, wie erfolgreich das Projekt läuft“, freute sich Integrationslotsin Ute Kraetzschmer. „Wir suchen aber dringend weitere Bürger, die auch kleine Aufgaben wahrnehmen, zum Beispiel Lesehilfe für Kinder oder sie zum Deutsch sprechen zu motivieren.“ Ein solcher ehrenamtlicher, persönlicher Einsatz und die vielen Gespräche mit Menschen aus anderen Kulturen seien auch immer eine Bereicherung, stellte Helga Tänzer ergänzend fest. Mit Sorgen verfolgt sie die Situation auf dem Wohnungsmarkt für die Geflüchteten. „Wir suchen dringend Wohnraum für von uns betreute Menschen“, appellierte sie. Wenn es zu einem Mietvertrag mit einer Flüchtlingsfamilie kommt, überweist das Jobcenter die jeweilige Miete, machte Helga Tänzer deutlich. „Eine eigene Wohnung gefunden zu haben, ist häufig der erste Schritt zur Integration“, erklärte sie. Wer mithelfen und sich für Geflüchtete einsetzen möchte, kann sich mit Helga Tänzer direkt in Verbindung setzen: Telefon (0 51 30) 3 99 03 oder per E-Mail ktaenzer@t-online.de.