Ein Bekenntnis zum Standort Wedemark

Die dritte Generation der Familie Sennheiser legt erste Hand an das neue Bauprojekt: (von links) Andreas, Alannah, Karin und Daniel Sennheiser mit der Zeitkapsel beim ersten Spatenstich. Foto: Th. Schirmer

Erster Spatenstich zum 20 Millionen teuren „Innovation Campus“ von Sennheiser

Wennebostel (sch). Nicht jedem Unternehmen gehen üppige Inves-
tionen leicht von der Hand. Andreas Sennheiser sieht dies offensichtlich ganz anders und bezeichnete den gestrigen Freitag angesichts des ersten Spatenstichs zu dem 20 Millionen teuren „Innovation Campus“ als „Tag der Freude“. Im Beisein zahlreicher Gäste aus dem öffentlichen Leben feierte das Wennebosteler Unternehmen den Baubeginn für den neuen Gebäudekomplex an der Lindenstraße. Auf rund 3.200 Quadratmetern Grundfläche entsteht dort bis Ende nächsten Jahres eine neue Arbeitsstätte, die das Innovations-Potenzial der Belegschaft an einem Ort zusammenführen soll.
Laut Geschäftsführer Daniel Sennheiser werden dort „keine Abteilungen, sondern Projekte einziehen“. Mit diesem neuen Konzept wolle man im Geiste des Firmengründers Fritz Sennheiser die Innovationskraft des Unternehmens weiter stärken. Sein Bruder Andreas stellte für die Unternehmensspitze heraus, dass dieses Engagement auch ein klares Bekenntnis zum Firmenstandort Wedemark sei und sich der Neubau harmonisch in die ländliche Umgebung einfügen soll. Dazu habe man sich bewusst gegen futuristisch anmutende Fassaden entschieden. Einzige Ausnahme wird das sogenannte „Theater“ sein, ein Veranstaltungsgebäude mit rund 200 Sitzplätzen. „Dort soll sich die Welt versammeln, um neue Technik ausprobieren zu können“, so Andreas Sennheiser. Wer sich von dieser globalen Einladung angesprochen fühlen darf, wurde aber auch deutlich. So dürfe man davon ausgehen, dass sich dort zukünftig auch Weltstars wie zum Beispiel PINK die Ehre geben, ihre neuen Mikrofone aus der Wennebosteler Innovationschmiede zu testen. „Das ist ein wirklich großer Tag“, betonte Bürgermeis-ter Tjark Bartels mit Blick auf die Entwicklung des Familienunternehmens am Standort Wedemark. Er rief ins Gedächtnis, dass die Gemeinde von Anfang an mit Sennheiser gewachsen sei und sehr vom Unternehmen profitiert habe. Ortsbürgermeister Achim von Einem brachte das Verhältnis zwischen der Firma Sennheiser und ihrem Standort Wennebostel auf den Punkt: „Sennheiser hat deutlich mehr Angestellte als Wennebostel Einwohner.“ Mit Blick auf die aktuellen Bauvorhaben stellte er klar, dass Ort und Ortsrat sich der Verantwortung für die Firma Sennheiser wohl bewusst seien und begrüßte das Bekenntnis der Unternehmensleitung zum Standort.Höhepunkt der Feierlichkeiten war der erste Spatenstich am Bauvorhaben. Dazu wurde eine sogenannte Zeitkapsel mit Dokumenten und Produkten gefüllt, die den Tag des Spatenstichs sowie die Bedeutung der Innovationskultur des Unternehmens symbolisieren sollen. Dazu gehörten ein aktueller Geschäftsbericht, eine druckfrische Tageszeitung vom Freitag sowie Sennheiser-Entwicklungen wie der Mikrofonklassiker MD 421 und der innovative Ohrkanalhörer IE 800. Zu viert legte die dritte Generation der Familie Sennheiser Hand an, um die Zeitkapsel einzugraben. Der „Innovation Campus“ ist Bestandteil eines umfangreichen Entwicklungsplans der Firma Sennheiser für den Wennebosteler Standort. Auf 7000 Quadratmetern Nutzfläche wird der Neubau rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf drei Etagen Raum für gemeinsame Projektarbeit bieten. Sandsteinfarbene Klinker prägen das Bild zur Lindenstraße hin und sollen für eine harmonische Angleichung an die ortstypische Bebauung sorgen. Eher futuristisch mutet hingegen der etwas nach hinten versetzte Veranstaltungstrakt an, der mit einer Oberfläche aus gekrümmten Aluminium-Schuppen in hellem Silber einen architektonischen Kontrapunkt setzt. Ein sogenannter „Flagship Store“ soll ebenfalls in den Neubau einziehen. Dort werden Besucherinnen und Besucher die neuesten Sennheiser-Produkte kennenlernen und erwerben können. Eine gestalterische Reminiszenz an den Forschungsschwerpunkt der Akustik wird das Konzept der Schallwellen sein, die sich imaginär von einem zentralen Punkt im Neubau aus konzentrisch ausbreiten und unter anderem von der Gartenarchitektur aufgegriffen werden, wie der Hannoveraner Landschaftsarchitekt Andreas Ackermann am Rande der Feier erläuterte.
Den Ausbau des Standorts Wennebostel sieht Geschäftsführer Andreas Sennheiser im Sinne der Familientradition realisiert. „Es war immer eine Maxime unseres Großvaters, das Geld erst dann auszugeben, wenn wir es verdient haben“, erklärte er in seiner Begrüßungsansprache. Es sei nie Ziel des Unternehmens gewesen, ungebremst zu wachsen. Wo andere Firmen von Weltruf frisches Kapital durch den Gang an die Börse suchen oder sich durch Fusionen vergrößern, scheint es der Familie Sennheiser vor allem um Kontinuität und unternehmerische Eigenständigkeit zu gehen. Andreas Sennheiser bekräftigte dies mit deutlichen Worten: „Wir waren immer unabhängig und werden unabhängig bleiben.“