„Ein Traum von Schule“

Sichtlich froh über die neuen Räumlichkeiten – das Kollegium der Montessori-Schule: (von links) Lilli Hinzmann, Anke Sannes, Eva Henze, Dorothee Herrmuth, Sandra Suter und Stephanie Rifai. Foto: Th. Schirmer

Montessori-Schule holt Einweihungsfeier für das neue Schulhaus nach

Bissendorf-Wietze (sch). Wenn man sich rund ein dreiviertel Jahr Zeit lässt, um eine Einweihung nachzufeiern, dann bedarf dies einer guten Erklärung. „Es war uns ein besonderes Anliegen, uns erst einmal einzuleben“, erläuterte Stephanie Rifai, Leiterin der Montessori-Schule, am Donnerstagabend den zahlreichen Gästen die verspätete Einladung. Eine Antwort, die bereits viel von dem beinhaltet, um was es in der Montessori-Pädagogik geht: Dem Erfahren und Entdecken Zeit und Raum geben, den Lernprozess kindgerecht und selbstbestimmt gestalten. So wurde die offizielle Einweihung kurzerhand aus der anstrengenden Umzugsphase verbannt, das laufende Schuljahr in Ruhe abgeschlossen und das neue gestartet, bevor man sich die Zeit und Muße nahm, auf den gelungenen Neubau am Wietzestrand anzustoßen. Es wurde ein Abend vieler Emotionen. Der Kraftakt, aus reiner Privatinitiative eine Schule ins Leben zu rufen, das Kämpfen um staatliche Anerkennung und Fördergelder sowie das zähe Ringen um die Realisierung des Neubauprojekts haben viele der Initiatoren und Mitstreiter an ihre persönlichen Grenzen und manchmal auch da-rüber hinaus geführt. So standen in der neuen Mehrzweckhalle des Schulgebäudes am Ende des Prozesses zwei Generationen von Protagonisten auf der Bühne: Die Gründer des Schulträgervereins von 2003 trafen auf die Macher von heute. „Uns macht es sehr stolz, dass wir eine feste Rolle im Bildungsangebot der Gemeinde Wedemark übernehmen konnten“, brachte Kirsten Feld-Türkis, Vorsitzende des Schulträgervereins, die Gefühle aller Aktiven auf den Punkt. Dass dieser Erfolg neben dem innovativen Schulkonzept im Wesentlichen den idealistischen Wegbereitern des Projektes zu verdanken ist, betonte Stephanie Rifai: „Eine gute Schule lebt von den Menschen, die in ihr wirken“, zeigte sich die Schulleiterin und Mitbegründerin des Trägervereins überzeugt. Montessori-Pädagogin Eva Henze brachte den Gästen dazu mit Gedankensplittern jenen „Traum von Schule“ im Geiste Maria Montessoris nahe, den die Schüler und Lehrerkräfte nun unter geradezu idealen Bedingungen in Bissendorf-Wietze ausleben dürfen. Überzeugt von der beeindru-ckenden Umsetzung des Schulneubaus war auch Bürgermeister Helge Zychlinski. „Ein grandioses Schulgebäude“ lautete sein Fazit. „Die Gemeinde versteht sich als Partnerin der Montessori-Schule“, bezog er zum Verhältnis der Kommune zur Privatschule Stellung und verwies darauf, dass der Gemeinderat den Weg zum Bau des neuen Schulhauses mit breiter Mehrheit freigemacht habe. „Allerhöchsten Respekt“ zollte Zychlinski schließlich dem Ehepaar Fichte. Er sprach damit einen besonderen Dank aus, der sich wie ein roter Faden durch alle Redebeiträge des Abends zog. Sichtlich schwer fiel es den Verantwortlichen, dem fast überwältigenden Gefühl des Dankes Worte zu geben, schließlich wurde erst durch die großzügige Unterstützung der Anja-Fichte-Stiftung der Traum von einer neuen Schule wahr. Elisabeth und Ulrich Fichte gründeten 2010 zum Gedenken an ihre verstorbene Tochter Anja die Stiftung, um „etwas von Anjas besonders liebenswürdigem Wesen und sozialem Engagement weiterzutragen“. In der Wedemärker Montessori-Schule fanden sie schließlich ein Projekt, das ihnen sehr förderungswürdig erschien und entschlossen sich zur Finanzierung des Neubaus. „Ein steiniger Weg“, so Elisabeth Fichte, lag zwischen dieser Entscheidung und dem gelungenen Abschluss des Bauvorhabens. Auch bei der Ausgestaltung der Einweihungsfeier halfen Fichtes unter anderem mit dem Engagement zweier hochtalentierter Nachwuchsmusikerinnen, die das musikalische Rahmenprogramm des Abends gestalteten. Olga Fedarynchyk an der Querflöte und Nastja Schkinder am Akkordeon zeigten ihr beeindruckendes Können, das ebenfalls von der Stiftung unterstützt wird. Doch damit nicht genug, kündigte die Stiftungsvorsitzende an, die Montessori-Schule auch in Zukunft fördern zu wollen. Ein idealistischer Weg des Gebens und Helfens, den Elisabeth Fichte weiterhin voller Überzeugung „mit Anja im Herzen“ geht.