Eiserne Hochzeit beim Ehepaar Müller

Die erste stellvertretende Bürgermeisterin Rebecca Schamber (links) überreichte Gertrud und Paul-Gerhard Müller die Glückwunschurkunde zur Eisernen Hochzeit. Foto: A. Wiese

Bei ihr schmeckts ihm immer noch am besten – vor allem Eintopf

Mellendorf (awi). „Eigentlich ist immer noch alles wie vor fünf Jahren. Ich bin höchstens ein bisschen blinder geworden“, schmunzelt Paul-Gerhard Müller. Der 85-jährige Mellendorfer und seine Frau Gertrud feierten am Donnerstag das wirklich seltene Fest der Eisernen Hochzeit. 65 Jahre ist es her, dass sich die beiden das Ja-Wort gaben und versprachen, ein ganzes Leben lang in guten und in schlechten Zeiten zusammenzuhalten. Sichtlich stolz nahmen sie am Vormittag die Glückwünsche der ersten stellvertretenden Bürgereisterin Rebecca Schamber im Namen von Rat und Verwaltung entgegen. Auch Ortsbürgermeisterin Christa Goldau war zum Gratulieren gekommen.
Richtig groß gefeiert wird erst am heutigen Sonnabend mit der Familie, Freunden und Bekannten. „Wir werden in der Kirche in Mellendorf noch einmal von Pastor Brodermanns gesegnet. Danach gehen wir mit 30 Mann im Gasthaus
Stucke zum Essen“, verrät Gertrud Müller. Die 86-Jährige ist topfit und vergnügt. „Der Arzt kann bei mir einfach nichts finden“, schmunzelt sie. In ihrem schönen gepflegten Garten macht sie noch soviel selbst, wie es irgend geht. Den Rasen mäht allerdings ihr Schwiegersohn. Dass die Tochter mit ihrem Mann gleich nebenan wohnt, hat sich in dieser Beziehung als sehr praktisch erwiesen. Der Garten ist der ganze Stolz der beiden Jubilare, allerdings habe man schon einiges vereinfacht, damit es nicht mehr ganz so arbeitsintensiv ist, geben beide zu. Wo sie niemanden dran lässt, ist ihr Herd. Gekocht wird noch jeden Tag, nach „den alten Rezepten von zuhause“. Gertrud Müller stammt ursprünglich aus Westpreußen, war zum Kriegsende mit ihrer Familie in Dänemark interniert und kam von dort zu einer Tante nach Fuhrberg. Dort lernte sie ihren künftigen Mann kennen. Auch er kann sich daran sehr gut erinnern: „Hab ich auch Post?“ seien die ersten Worte gewesen, die der Zusteller Paul-Gerhard Müller von seiner späteren Frau Ende 1947 zu hören bekam. „Ganz schön keck“, habe er damals gedacht und sie nicht mehr aus den Augen verloren. Beim Maskenball im Februar 1948 sei es dann ernst geworden, im März wurde bereits Verlobung gefeiert und im September 1949 geheiratet. Die Wohnungssuche habe zwar das Datum bestimmt, aber es sei eine Liebesheirat gewesen, versichern beide und wer die beiden im Umgang miteinander beobachtet, glaubt das nicht nur sofort, sondern weiß auch, dass das auch heute noch so sein muss, mit der Liebe. Aber um eine Wohnung mieten zu können, musste man 1949 ein Aufgebot vorweisen. Insgesamt 13 Mal zogen der aus Fuhrberg stammende Paul-Gerhard Müller und seine Gertrud um, bevor sie 1961 ihr eigenes Haus an der Ortsriede in Mellendorf bezogen, wo sie heute noch leben. Über Bewegungsmangel brauchte sich Paul-Gerhard Müller nicht zu beklagen. Als Postzusteller war er täglich 45 Kilometer zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs, und auch der Zug musste bedient werden. Die letzten Jahre in der Poststelle in Mellendorf und kurz vor der Pensionierung in Langenhagen waren dann etwas ruhiger. Mit Leidenschaft hatte sich Müller auch der Kommunalpolitik verschrieben, das hörte jedoch mit der Gebietsreform auf, nachdem er nach jahrelangem Engagement in Gemeinderat und Kreistag der Wedemark noch etwas ganz Wichtiges mit auf den Weg gab, nämlich ihren Namen: Als 1974 der Zusammenschluss der neuen Gemeinde diskutiert wurde, kam die entscheidende Anregung zum Namen „Wedemark“ von Paul-Gerhard Müller. Nur ein Wunsch des eisernen Hochzeitspaares ist nicht in Erfüllung gegangen: Der einzige Enkel hat ihnen keine Urenkel beschert. „Und ich hätte sie doch so gern so richtig geknuddelt“, bedauert Gertraud Müller.