Empfang für neu Eingebürgerte

Bürgermeister Helge Zychlinski (von rechts) gratulierte Huda Osilo mit ihren Kindern Sidar und Sepalin aus Mellendorf, Ralph Bernard Simms aus Bissendorf, Anna Anthimidou aus Mellendorf und Mary Rose Gingane aus Bissendorf-Wietze. Foto: A. Wiese

Gemeinde würdigt Annahme der deutschen Staatsbürgerschaft

Wedemark (awi). Zum zweiten Mal hat die Gemeinde Wedemark Bürger, die in den vergangenen zwei Jahren die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen haben, mit einem Empfang gewürdigt sowie Urkunden und Blumensträuße überreicht. Vier Erwachsene und zwei Kinder folgten der Einladung am Montagabend in den Bürgersaal in Bissendorf zu Begrüßung und einem kleinen Imbiss, fünf weitere erschienen trotz Zusage nicht.
Als Gäste hatte die Gemeinde zudem Vertreter aus der Kommunalpolitik eingeladen, Ratsmitglieder und die Ortsbürgermeister der entsprechenden Ortsteile, in denen die Eingebürgerten leben. Jessica Borgas aus Mellendorf, Achim von Einem aus Wennebostel und Peter Reuter aus Negenborn waren gekommen. Bürgermeister Helge Zychlinski freute sich, als Ehrengäste die 19-jährige Mary Rose Gingane aus Bissendorf-Wietze (bisher philippinisch), die 48-jährige Anna Anthimidou (bisher griechisch) aus Mellendorf, die 33-jährige Huda Osilo (bisher syrisch) aus Mellendorf mit ihren Kindern Sidar (4) und Sepalin (2) Lozgin sowie den bisherigen britischen Staatsangehörigen Ralph Bernard Simms aus Bissendorf willkommen heißen zu können. 2015 hatte die Gemeinde zum ersten Mal einen Empfang aus diesem Anlass für die neu Eingebürgerten gegeben. Im Jahr 2013 wurden 17, in 2014 13, in 2015 15 und in 2016 sogar 35 Wedemärker Bürger eingebürgert, teilt die Gemeinde mit. Er freue sich, dass die Genannten „Teil dieses Staatsgefüges“ werden wollten und dies deutlich erklärt hätten, unabhängig davon, ob sie ihre ursprüngliche Staatsbürgerschaft beibehielten oder sich ausschließlich für den deutschen Pass entschieden, so Bürgermeister Helge Zychlinski. Die Diskussion um die doppelte Staatsbürgerschaft sei zum Glück wieder abgeklungen, so der Bürgermeister, für ihn sei sie kein Thema. Viele der Eingebürgerten lebten seit vielen Jahren, teilweise sogar, seit Generationen in Deutschland und hätten mit der Beantragung der deutschen Staatsbürgerschaft einen richtig guten Weg eingeschlagen, „auch für unsere Gesellschaft“, betonte der Bürgermeister am Montagabend. Zychlinski erwähnte seine Freude über die Reaktion des Briten Ralph Bernard Simms auf den Brexit, der mit Beantragung der deutschen zusätzlich zu seiner britischen Staatsbürgerschaft nach 50 Jahren in Deutschland „zwei Teile, die zusammengehören“ zusammenführe. Zychlinski sprach in diesem Zusammenhang auch die Wahl in Frankreich an, die ein deutliches Warnsignal sei, darauf zu achten, den Nationalismus nicht groß werden zu lassen, da er Verderben statt Erfolg bringe und dazu führe, dass Strukturen auseinanderbrächen.
Eine derjenigen, die am Montag vom Bürgermeister zu ihrer Einbürgerung beglückwünscht wurden, ist Huda Osilo. Als Zwölfjährige sei sie 1996 aus Syrien nach Deutschland gekommen. Ihr Vater galt damals als politisch verfolgt in seiner Heimat. Zusammen mit ihren Eltern und drei Geschwistern kam Huda über die Balkanroute, Köln und Braunschweig in die Wedemark. Die Famiilie sei damals in den Containern am Roye-Platz untergebracht gewesen, erzählt die heute 33-Jährige im Gespräch mit dem ECHO. „Ich habe lange dafür gekämpft, jetzt Deutsche sein zu dürfen“, sagt Huda Osilo ernst. Sie und ihre beiden älteren Kinder Sidar und Sepalin haben den deutschen Pass jetzt bekommen, für ihr sechs Monate altes Baby muss sie ihn noch beantragen. Ihr Mann Mohammed Lozgin, ebenfalls Syrer, aber als Flüchtling in Dänemark registriert und noch keine fünf Jahre in Deutschland, muss noch warten, bis er ebenfalls die deutsche Staatsbürgerschaft beantragen kann. Sie hat ihn 2013 bei einer Hochzeit kennengelernt. Huda ist in der Wedemark aufgewachsen und fühlt sich hier heimisch. Mit ihrer Familie lebt sie heute in Mellendorf. 15 Jahre habe es gedauert, bis sie die offizielle Aufenthaltsgenehmigung erhalten habe, erzählt sie. Erst sei ihr Vater anerkannt worden, dann ihre Mutter und schließlich sie und ihre Mutter. Ihre beiden Brüder jedoch wurden abgeschoben. Die Familie hat keinen Kontakt mit ihnen, vermutet sie „als Kämpfer in der Türkei“. „Ich darf jetzt im Herbst endlich das erste Mal in Deutschland wählen“, freut sich Huda Osilo, die eine Ausbildung als Friseurin angefangen hat, aber nicht beenden durfte. „Ich fühle mich als Deutsche und möchte hier als Deutsche leben“, betont sie mit Nachdruck.