Erfolgsbilanz „Fünf Jahre Gemeindewerke“

Eberhard Röhrig-van der Meer (links) eröffnete im Beisein von Joachim Rose (rechts), dem Geschäftsführer der Gemeindewerke, die Ausstellung „Ökobilanz“ des Umweltzentrums Hannover im Rathaus. Foto: A. Wiese
 
Caren Marks hörte sich interessiert die Berichte der Zeitzeugen an der Hörstele an, ein Highlight der Ausstellung „Ökobilanz“. Fotos: A. Wiese

Geschäftsführer Joachim Rose kündigt weitere Kampagnen und Förderungen an

Mellendorf (awi). Zur Feier des fünfjährigen Bestehens der Gemeindewerke Wedemark verknüpfte Geschäftsführer Joachim Rose am Mittwochabend im Rathaus die Erfolgsbilanz des jungen Unternehmens mit der Ökobilanz: Zeitgleich wurde die gleichnamige Ausstellung des Umweltzentrums Hannover in den Fluren des Rathauses eröffnet. Sie wird interessierten Bürgern auch in den nächs-ten Wochen noch Aufschluss über beispielhafte Entwicklungsprozesse in der Wedemark geben, erklärte Ausstellungsleiter Eberhard Röhrig-van der Meer in seinem Eröffnungsvortrag.
Das Eigengewächs Gemeindewerke Wedemark GmbH ist ein Teil dieser erfolgreichen Ökobilanz. Geschäftsführer Joachim Rose blickte zunächst zurück auf die Entstehungsgeschichte, berichtete über Investitionen und Förderungen und kündigte schließlich auch weiterhin Beratungsgespräche zu Energiefragen, Vor-Ort-Beratungen auf der Suche nach Stromfressern, den Verleih von Messgeräten, eine Abgabestelle zur Entsorgung von Leuchtmitteln, die Durchführung von Gebäudethermografien, Beratung zu Fördermöglichkeiten, die Bereitstellung von rund 40.000 Euro im Jahr für Fördermittel nach Richtlinien, die Förderung der Windenergie in der Wedemark und schließlich weitere Kampagnen mit der Klimaschutzagentur Hannover zur gezielten Unterstützung bei der Modernisierung von Gebäuden an. Die Zahlen, die Rose dabei in den Raum warf, sind beeindruckend: Die Gemeindewerke verfügen nach fünf Jahren über ein Gasnetz vom 350 Netzanschlüssen und ein Stromnetz vom 190 Kilometer Strom-Mittelspannungs-Netzlänge und 560 Kilometern Strom-Niederspannungs-Netzlänge mit 267 Ortsnetzstationen und rund 10.000 Hausanschlüssen. Die GmbH hatte zum 1. Januar 2014 insgesamt 27,4 Millionen Euro Anlagevermögen und 15,7 Millionen Euro Schulden. Eine Million Euro Überschussanteile wurden an die Gemeinde Wedemark ausgezahlt.
Rose nannte außerdem rund 2.000 MWh verkaufte Strommenge insgesamt, 208 Förderzusagen über 168.009 Euro, 88.251,18 Euro ausgeschüttete Fördermittel für 115 Anträge und 21.400 Euro für 18 Anträge, die aus 2014 noch offen sind. Als Leuchtturmprojekte förderten die Gemeindewerke in 2010 die kindgerechte Photovoltaik-Anzeige in der Grundschule Resse und die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach des Rathauses in Mellendorf, in 2011 die LED-Leuchten im Schulzentrum Mellendorf und in 2014 die Photovoltaikanlage mit Stromspeicherung beim MTV Mellendorf mit 125.000 Euro. Rose schilderte den Vorlauf für die Gründung der Gemeindewerke durch das Auslaufen des Konzessionsvertrages Gas in 2008 mit einer europaweiten Ausschreibung als Konsequenz. Die Idee des damaligen Bürgermeisters Tjark Bartels sei es dann gewesen, nicht nur den Konzessionsvertrag auszuschreiben, sondern in zwei Losen auf der Grundlage von Muster-Konzessionsverträgen mit Alternativpositionen und zwei Nebenangeboten pro Los. „Ohne Bürgermeister Bartels gebe es die Gemeindewerke Wedemark nicht“, betonte Rose ausdrücklich. Daher habe er den früheren Bürgermeister der Wedemark auch zu diesem Empfang eingeladen. Die Gemeindewerke richteten ihr erstes Kundenbüro am Hufschmiedeplatz ein. Seit es den Rathausneubau gibt, ist das Kundenbüro der Gemeindewerke räumlich in das Bürgerbüro integriert.
Bevor der Geschäftsführer der Klimaschutz- und Energieagentur Lothar Nolte das Wort ergriff, unternahmen die Besucher des Empfangs zum fünfjährigen Bestehen der Gemeindewerke einen Rundgang durch die Ausstellung „Ökobilanz“ des Umweltzentrums Hannover, die in den nächsten Wochen auf den Rathausfluren im ersten Obergeschoss zu sehen ist. Eberhard Röhrig-van der Meer führte in diese ganz besondere Ausstellung ein und bedankte sich bei der Gemeinde Wedemark, insbesondere bei der Umweltbeauftragten Ursula Schwertmann, für die gute Zusammenarbeit. Der Ausstellungs-Titel „Ökobilanz“ lasse keine zahlenmäßige Bilanz für die Wedemark folgen. Vielmehr hätten die „Macher“ einige Entwicklungsprozesse beispielhaft aufgearbeitet und nach den Menschen gefragt, die sich für die Entwicklung der Wedemark engagiert haben. Herausgekommen sei, dass es sich gelohnt habe und auch künftig lohnen werde. „Die heutige hohe Umwelt-Lebensqualität verdanken wir den vielen Menschen, die sich persönlich engagiert haben, privat oder beruflich“, so Röhrig-van der Meer. In besonderem Maße für Umweltbelange engagierte Persönlichkeiten seien stellvertretend für Organisationen oder Unternehmen aus der Wedemark als Zeitzeugen gewonnen worden und ständen stellvertretend für die verschiedenen Themenfelder der Ausstellung: Peter Völcker, aktiver Bürger und Naturschützer, setzte sich für den Erhalt des Brelinger Berges ein. Heinz-Werner Reichenbach ist Mitbegründer und Geschäftsführer der WedeWind GmbH. Lothar Flachsbart organisiert seit 25 Jahren den Ökomarkt der Grünen in Bissendorf. Ursula Schwertmann ist die Umweltschutzbeauftragte der Gemeinde Wedemark. Ein zentrales Thema sei die Erhaltung und Pflege der Naturlandschaft Brelinger Berg. In den letzten Jahren habe es eine breite Initiative gegen die Ausweitung von Schürfrechten von Sand und Kies für einzelne Unternehmen gegeben. „Rettet den Brelinger Berg“ sei erfolgreich gewesen, die entsprechenden Planungen im Landesraumordnungsprogramm vom Tisch. Dass diese Initiative so erfolgreich eine breite Beteiligung erhalten habe, sei auch denen zu verdanken, die bereits in den 90er Jahren die Schönheit und Besonderheit dieser Landschaft herausgestellt hätten, so Röhrig-van der Meer. Die Ausstellung macht dies am Beispiel des eiszeitlichen Erlebnispfades deutlich. Dessen Grundlage wurde im Jahr 1990 mit einer Ausstellung zu den typischen Gesteinen durch den Oegenbosteler Gotthelf Schwidurski geschaffen. Realisiert werden konnte der Erlebnispfad von ihm dann erst etliche Jahre später zusammen mit Künstlern des Ateliers Landart, unterstützt durch die Gemeinde Wedemark. Traditionell spiele die Landwirtschaft in der Wedemark eine wesentliche Rolle. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gebe es in Brelingen mit dem Hof Rotemund-Hemme einen Biolandbetrieb, dessen Legehennenhaltung mit dem Hühnermobil als besonders vorbildlich bezeichnet werden könne. Verbraucher in der gesamten Region Hannover würden mit Bio-Eiern, Feldgemüse und Rindfleisch über Marktstände versorgt. Für die Einwohner von Brelingen stelle der Hofladen mit seinem breiten Lebensmittelsortiment eine wichtige Alternative in der Nahversorgung dar. Seit den 90er Jahren erhalten der Hof Rotermund-Hemme und andere Bio-Betriebe Unterstützung durch den jährlichen Ökomarkt in Bissendorf. Mit mehr als 25 Ausstellern sei der Ökomarkt zu einer festen kulturellen Institution geworden.
Bürgermeister Zychlinski, der am Mittwochabend krankheitsbedingt nicht teilnehmen konnte, habe darauf hingewiesen, dass Wedemark dem Anspruch folge, Wohlfühlgemeinde zu sein, so Röhrig-van der Meer. Die Versorgung mit guten Lebensmitteln aus der Region trage dazu genauso bei wie die schöne Landschaft. Besondere Bedeutung komme auch der S-Bahn-Anbindung zu.