Erna Böhmer ist jetzt 103 Jahre alt

Erna Böhmer mit ihren Gratulanten, dem stellvertretenden Bürgermeister Wilhelm Lucka und Ortsbürgermeis-terin Christa Goldau. Foto: A. Wiese

Die Seniorin genießt die Abwechslung in der Seniorenresidenz Allerhop

Mellendorf (awi). Ihre Augen strahlen. Munter blickt sie über ihre Gästeschar, die im Separee der Seniorenresidenz Allerhop um die Geburtstagstafel versammelt ist: Erna Böhmer wurde am Montag stolze 103 Jahre alt. Sie freut sich über ihre Geschenke, klönt mit allen und stellt die Gäste gegenseitig vor. Als der zweite stellvertretende Bürgermeister Wilhelm Lucka ihr die offiziellen Urkunden von Region und Landesregierung überreicht, wehrt sie ab: „Davon hab ich doch schon jede Menge.“ Das ist mit 103 Jahren auch nicht verwunderlich. Verwunderlich ist eher, wie fit die hochbetagte Seniorin noch ist. Zwar sitzt sie im Rollstuhl, doch das hält sie nicht davon ab, aktiv zu sein. „Am liebsten kegele ich. Ich freue mich schon auf das nächste Mal“, sagt sie augenzwinkernd. Sie sei dieses Jahr allerdings auch sehr krank gewesen, berichten ihr Sohn und ihre Tochter. Mit einem Oberschenkelhalsbruch sei sie ins Krankenhaus gekommen, habe sich dann noch eine Lungenentzündung eingefangen. „Wir haben darauf gedrungen, dass sie wieder in ihr Zimmer hier im Heim kommt und sie hier täglich umsorgt wird. Mein Bruder hat sie gefüttert und aufgepäppelt“, erzählt die Tochter. „Daran kann ich mich nicht erinnern. Jetzt geht es mir wieder gut und das ist die Hauptsache“, findet die Jubilarin. Geboren wurde Erna Böhmer am 2. Dezember 1910 In Seifersdorf im Kreis Sorau in Schlesien als eines von drei Kindern eines Schweizers auf einem großen Gut. Sie wuchs in der Landwirtschaft auf, heiratete am 9. Februar 1929 einen Bauernsohn aus dem Nachbardorf und bekam zwei Kinder. Der Krieg vertrieb auch Erna Böhmer aus ihrer Heimat. Zweimal musste sie flüchten, kam dann bei ihren Eltern in der Nähe von Cottbus unter. Als ihr Mann aus englischer Kriegsgefangenschaft entlassen wurde, suchte er ein neues Zuhause für seine Familie und fand auf der Landkarte Mellendorf. In Schlesien habe es auch ein Mellendorf gegeben, daher habe sich die Familie entschlossen, hierher zu kommen. Am 23. Dezember 1945 hielt Erna Böhmer in Mellendorf Einzug. Das heutige Haus am Teich war das erste Zuhause der Böhmers. Später zog die Familie in ein etwas außerhalb gelegenes Haus zwischen Mellendorf und Scherenbostel. Ihren Mann verlor Erna Böhmer 1966, doch hatte sie immer ein enges Verhältnis zu ihren Kindern, mit denen sie dann 1982 in ihr Haus in Elze zog. Ein Enkel und zwei Urenkel gehören zur Familie, die sie regelmäßig in Mellendorf besucht, ihr Sohn sogar täglich.