Erreichbarkeit von Ärzten lässt zu wünschen übrig

Die halbstündig verkehrende S-Bahn, hier ein einfahrender Zug am Mellendorfer Bahnhof, wird von den Senioren besonders gerne genutzt. (Foto: S. Birkner)

Seniorenumfrage misst Lebensqualität in der Wedemark

Mellendorf (sb). Im Alter geht ja bekanntlich alles nicht mehr ganz so leicht von der Hand wie in den jungen Jahren. Damit den Älteren unter uns bei den täglichen Aktivitäten wie den Einkäufen, aber auch beim Bewegungsprogramm, der Freizeitgestaltung oder der medizinischen Versorgung, kurz: in ihren gesamten Lebensverhältnissen in der Wedemark alles möglichst optimal gelingen kann, hat der Seniorenbeirat der Gemeinde nun die Ergebnisse einer Umfrage vorgestellt. Auf Grundlage der Auswertung der Befragung will der Seniorenbeirat Verbesserungen die Lebensqualität der Rentner schaffen. „Wir haben rund 500 Bürger ab 60 einem Alter von Jahren stichprobenartig um ihre Meinung gebeten, das entspricht der Befragung jedes zehnten Rentners“, erklärt der Sprecher des Seniorenbeirats, Rolf Reupke. Es sei bei der Befragung darum gegangen, einen möglichst differenzierten Überblick über die Lebens- und Wohnverhältnisse der Wedemärker Senioren zu erarbeiten. „Die Ergebnisse sind überwiegend positiv, was eigentlich ein Grund zur Freude ist“, berichtet Reupke, „dennoch sieht der Seniorenbeirat viel Potential, den Lebensstandard der älteren Menschen deutlich anhand der Umfrageergebnisse zu erhöhen“.
Als lobenswert erachten die Senioren bis auf einige Ausnahmen die infrastrukturelle Lage in der Wedemark. Mehr als vier Fünftel von ihnen nutzen regelmäßig die S-Bahn-Verbindung nach Hildesheim und bezeichnen den Service und die Fahrzeiten fast durchweg als „gut“ oder „sehr gut“. Besonders gefallen ihnen an der Wedemark die Landschaft und die einzelnen Ortsteile, aber auch die ländliche Struktur und dörfliche Leben. Deutlich mehr als die Hälfte der Senioren ist insgesamt der Meinung, dass sich die Gemeinde viel für ihre älteren Bürger einsetzt. Auch die meistens kurzen Wege zu Lebensmittelmärkten, dem öffentlichen Nahverkehr, Kirchen, Parks und Grünflächen werden von den Senioren honoriert. Am Gemeindeleben beteiligen sie sich aktiv durch Mitgliedschaften in Sportvereinen, Kirchen, der Feuerwehr sowie Musik- und Gesangsvereinen.
„Wir müssen unser Augenmerk natürlich darauf legen, was von Senioren noch nicht so gut angenommen wird und wo Verbesserungsbedarf besteht“, blickt Sprecher Reupke voraus.
Der größte Kritikpunkt der befragten Senioren dreht sich um die Erreichbarkeit von Fachärzten, die nur ein Drittel der Senioren in 30 Minuten zu Fuß erreichen können. Aber auch der Zugang zu Haus- und Zahnärzten sowie Apotheken gestaltet sich nicht immer leicht. Ein weiteres Manko deckt die Studie in Bezug auf das Angebot von Kultur- und Bildungsveranstaltungen auf. „Diese werden von den Senioren so gut wie gar nicht in Anspruch genommen“, sagt Reupke. Und trotz des generellen Lobs der Infrastruktur sind nur wenige Rentner häufig oder sehr häufig mit dem Bus unterwegs. „Wenn keine Busse fahren, sind Taxis für viele Senioren zu teuer“, meint Reupke und hat „schon eine Idee, wie die Verkehrssituation für Renter angenehmer gestaltet werden kann“. Genaueres hierzu soll aber erst in Absprache mit dem gesamtem Gremium bekannt gegeben werden.
Die Idee zu der Umfrage war dem Seniorenbeirat bereits im Jahr 2007 gekommen, woraufhin anhand bereits bestehender Umfragen aus anderen Kommunen ein eigener Fragebogen erstellt worden war. Die Umfrageergebnisse beziehen sich auf den November 2008, als den zufällig ausgewählten Senioren, die den Fragebogen mit einer Beteiligung von zwei Dritteln zurücksendeten, zwei Wochen Bearbeitungszeit eingeräumt worden waren. Der Dank des Seniorenbeirats gilt in diesem Zusammenhang insbesondere den Sozialwissenschaftlern Ingemar Becker und Matthias Biester, die bei der Ausarbeitung und Auswertung der Fragebögen aktiv mitgewirkt hatten. Auch Gemeindebürgermeister Tjark Bartels kündigte an, die Ergebnisse zu verschiendsten Verbesserungen der Lebensqualität nutzen zu wollen.