Erste Gemeinderätin im Rat verabschiedet

Die offizielle Verabschiedung folgt im Frühsommer. Aber im Rat bekam die scheidende Erste Gemeinderätin Kons-tanze Beckedorf am Montagabend von Bürgermeister Helge Zychlinski ihre Entlassungsurkunde. Foto: A. Wiese
 
SPD-Fraktionschef Jürgen Benk bedankte sich mit einem Blumenstrauß bei Konstanze Beckedorf für ihre Arbeit. Foto: A. Wiese

SPD und Grüne geizen nicht mit Lob für scheidende Konstanze Beckedorf

Wedemark (awi). Bereits am 23. Mai soll der Rat eine Nachfolgerin für die Erste Gemeinderätin Kons-tanze Beckedorf wählen, die seit gestern Stadträtin und Sozialdezernentin der Stadt Hannover ist. Damit hat sich Bürgermeister Helge Zychlinski erwartungsgemäß gegen die Stimmen der CDU am Montagabend im Rat durchgesetzt. Die CDU hatte beantragt, die Ausschreibung und somit auch die Neuwahl des Ersten Gemeinderates oder auch der Ersten Gemeinderätin bis nach der Kommunalwahl im September auszusetzen.
SPD-Fraktionschef Jürgen Benk erteilte diesem Ansinnen eine klare Absage. Hochgerechnet ein Jahr werde es dann bis zur Neubesetzung der so wichtigen Position in der Gemeindeverwaltung dauern. Das sei viel zu lange und würde ja bedeuten, dass
Beckedorfs geleistete Arbeit unwichtig gewesen wäre. Genau das Gegenteil sei jedoch der Fall gewesen. Zuvor hatte Bürgermeister Helge Zychlinski bereits die „überaus erfolgreiche“ Erste Gemeinderätin gelobt, die mit Dienstantritt im Mai 2006 auch die „dienstälteste Erste Gemeinderätin der Wedemark“ gewesen sei, der die Gemeinde „in ganz vielen Punkten Dank schulde“. Beckedorf habe bleibende Spuren hinterlassen, insbesondere im Bereich Bildung und Betreuung durch den Ausbau von Kindergärten, Krippen und Horten. Zusammen mit dem Rat habe sie die Weichen zum Umbau der Wedemark zur familienfreundlichsten Gemeinde der Region gestellt, betonte Zychlinski. Sie habe die Verantwortung für die Gründung der IGS übernommen, den Fachbereich VI (Gebäudemanagement) aufgebaut, der bis dahin brach gelegen habe. „Damit hat Konstanze Beckedorf die Grundlage dafür geschaffen, dass es nicht weiter zu Substanzvernichtung kommt wie es vor ihrer Zeit durch Unterlassung der notwendigen Maßnahmen war“, setzte der Bürgermeister nach. Er lasse sie nicht gerne gehen und habe mehr als ein weinendes Auge, gestand er seiner allgemeinen Vertreterin – eine Funktion, die laut Ratsbeschluss von Montagabend jetzt zunächst einmal Gemeindekämmerer Joachim Rose übernimmt. Ratsvorsitzender Heiner Peterburs lobte Beckedorfs Engagement für die Flüchtlinge und bedauerte ihren angekündigten Umzug nach Hannover. Auch die scheidende Erste Gemeinderätin selbst ließ es sich nicht nehmen, ein letztes Mal das Wort im Rat zu ergreifen. Als sie im März 2006 durch den damaligen CDU/FDP-geführten Rat gewählt worden sei und am 1. Mai ihr Amt angetreten habe, habe es in der Wedemark noch etwas anders ausgesehen, erinnerte sich Beckedorf an die „merkwürdige Atmosphäre des ehemaligen Rathauses an der Berliner Straße mit dem Spiegel vor der Tür und den Ratssitzungen im Scherenbosteler Schützenhaus, wo als Trennung von den Zuschauern vor dem nichtöffentlichen Teil der Rolladen runterging“. „Da habe ich gewusst, dass es hier eine Menge zu tun gibt“, resümierte Beckedorf am Montag. Mit der Kommunalwahl im September 2006 sei der große Wechsel gekommen: Bürgermeister Tjark Bartels und eine neue Ratsmehrheit – „der Start für eine riesengroße und rasante Entwicklung für die Gemeinde, aber vor allem zu ihrem Besten!“, zeigte sich Beckedorf überzeugt und betonte die „spürbare, fundamentale Veränderung“. Doch nicht nur die Gemeinde und die Gebäude, auch die Menschen hätten sich verändert: Die Stimmung im Rathaus sei anders, die Atmosphäre offener geworden. Mittlerweile herrsche in der Gemeindeverwaltung eine Dienstleistungsatmosphäre erster Güte, betonte Beckedorf. Die Kollegen seien so mitgegangen wie erwartet, hätten ein kundenorientiertes Rathaus geschaffen, das sich sehen lassen könne. Und auch nach außen habe sich die Stimmung verändert. Jetzt gebe es ein breites Bürgerengagement, der neu geschaffene Ehrenamtsbeauftragte Daniel Diedrich betreue mehr als 40 Gruppen. Die Wedemark habe sich in den letzten zehn Jahren zudem zu einem attraktiven Wohnstandort entwickelt, lobte Beckedorf und sei mittlerweile auch als Ansiedlungsort für Firmen begehrt. „Man schaut zu uns und das war beileibe nicht immer so. Die Wedemark sei mittlerweile Vorbild und Beispiel für andere Kommunen und sie habe in dieser Zeit ihre Ideen einbringen und verwirklichen können, stellte Beckedorf zufrieden fest. Sie bedankte sich bei ihren Kollegen für deren Unterstützung und das Mittragen der Ideen sowie deren Geduld und „auch für ihren Mut, mir zu spiegeln, wenn mal was nicht so gut war“, erklärte die scheidende Erste Gemeinderätin.
Dank an die Feuerwehr
Ihr Dank gelte auch den Feuerwehrkameraden und der Wehrführung sowie allen Ehrenamtlichen, vorneweg dem Arbeitskreis Inklusion und dem Behindertenbeirat, aber ganz besonders auch dem Runden Tisch Flüchtlinge, der jetzt in den Verein „Miteinander Wedemark“ habe überführt werden können. Ihr Dank richte sich also an alle, die offen, vertrauensvoll und wertschätzend mit ihr umgegangen seien, so Beckedorf. Bei ihrer Wiederwahl vor drei Jahren sei sie auf ihr Verhältnis zur CDU eingegangen und dem bedürfe es nichts hinzuzufügen. „Die Entwicklung hier war richtig und gut. Sie hat meinen Blick geschärft“, sagte Beckedorf in Richtung Fraktions- und Parteivorstand der Christdemokraten in der Wedemark. Drei Männer hätten sie in den letzten zehn Jahren erheblich geprägt, drei Männer, denen sie viel zu verdanken habe: Tjark Bartels, Helge Zychlinski und ihr Ehemann Reinhard Schmalz. Getragen von ihrem Vertrauen und ihrer Großzügigkeit habe sie an ihrer beruflichen Karriere feilen können. Beim Tagesordnungspunkt Ausschreibung der Stelle der Ersten Gemeinderätin – man kann an dieser Stelle ruhig die weibliche Form verwenden, da der Bürgermeister unmissverständlich klar gemacht hat, dass er auf diesem Posten eine Frau sehen möchte – betonte Helge Zychlinski, dass er vorhabe, noch diese Woche nicht nur regional, sondern bundesweit den nun vakanten Posten auszuschreiben. Er strebe die Wahl durch den Rat für den 23. Mai an. Die Gespräche mit den Bewerberinnen werde er persönlich führen, denn der Bewerbervorschlag obliege dem Bürgermeister, wenn auch der Rat den ausgesuchten Bewerber dann wählen müsse. Und er werde nach der Wahl seines Wunschbewerbers „ebenso räuberisch auftreten, wie der Oberbürgermeister von Hannover dies im Fall von Frau Beckedorf getan hat. Ich erwarte einen unverzüglichen Amtsantritt“, so Zychlinski, also zum 1. Juni, allerspätestens aber zum 1. Juli. An Voraussetzungen werde ein abgeschlossenes Universitätsstudium, vorzugsweise der Rechtswissenschaften mit der Befähigung zum Richteramt erwartet, dazu mehrjährige Führungs- und Verwaltungserfahrung und Kenntnisse in der kommunalen Selbstverwaltung sowie politisches und gesellschaftliches Einschätzungsvermögen sowie Erfahrungen im Umgang mit politischen Gremien. Die anspruchsvolle Funktion setze zudem eine menschlich überzeugende Persönlichkeit mit Verantwortungsbewusstsein. Durchsetzungs- und Kooperationsvermögen voraus, die über analytische und assoziative Fähigkeiten, Kreativität sowie Personalführungsgeschick und eine große Nähe zu bildungs-, sozial- und familienpolitschen Themen verfüge. „Ohne eine Leidenschaft gerade für diesen Themenbereich kann man ihn nicht erledigen“, zeigte sich der Bürgermeister überzeugt. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jürgen Benk stimmte allen Vorstellungen des Bürgermeis-ters in vollem Umfang zu. Die CDU habe ja bereits über die Presse verkündet, der Ausschreibung zu diesem Zeitpunkt nicht zustimmen zu wollen und die Stelle erst nach den Kommunalwahlen im September ausschreiben und neu besetzen zu wollen. Er frage sich, was die CDU damit bezwecke, wunderte sich Benk. Die Gemeinde könne es sich nicht leisten, die wichtigste Stelle nach dem Bürgermeister unbesetzt zu lassen. CDU-Chef Rudi Ringe habe ja bereits öffentlich verkündet, dass er wegen des Ausscheidens Beckedorfs nicht in Tränen ausbreche.
Benk kritisert Ringe
Im Zusammenhang mit dieser Äußerung könne man das c für christlich und das d für demokratisch im Wort CDU wohl vergessen, äußerte Benk deutlich seine Kritik an den Einlassungen seines CDU-Kollegen. Die SPD habe Konstanze Beckedorf schätzen gelernt und dabei zu keinem Zeitpunkt von ihr verlangt, in die SPD einzutreten. „Die sachliche Zusammenarbeit hat für uns immer im Vordergrund gestanden“, betonte Benk. Und auch wenn die CDU offensichtlich ersthaft glaube, die Kommunalwahl gewinnen zu können, liege das Vorschlagsrecht für die Bewerberin um den Posten der Ersten Gemeinderätin immer noch beim Bürgermeister, erinnerte der SPD-Fraktionschef. Der Rat könne diesen dann zwar ablehnen, aber selbst keinen eigenen Vorschlag unterbreiten. Benk bedankte sich bei Konstanze
Beckedorf für ihre „großartige Arbeit“ und überreichte einen Blumenstrauß. Einen solchen gab es auch von Rudi Ringe aus der CDU. Auch die CDU bedanke sich für ihre Arbeit und wünsche ihr alles Gute sowie eine stets glückliche Hand als Sozialdezernentin in Hannover. Ringe betonte, dass die CDU die Neubesetzung der Stelle auch begrüße und ebenfalls eine Frau auf diesem Posten sehe, „aber nicht jetzt“. Ein neuer Rat müsse fünf Jahre lang mit der neuen Ersten Gemeinderätin zusammenarbeiten. Die SPD habe 2006 auch kritisiert, dass die CDU ihre Bewerberin durchgesetzt habe. Caren Marks habe sich seinerzeit dafür stark gemacht, dem neuen Bürgermeister seinen Gestaltungsspielraum zu erhalten und von einem „vergifteten Klima“ gesprochen. SPD und Grüne hätten sich jedoch als lernfähig erwiesen, indem sie dem damals von ihnen abgelehnten Dezernatssystem mit dem dreiteiligen Gemeindevorstand noch einen drauf gesetzt hätten.
Für die Grünen befürwortete auch Fraktionschef Ingemar Beck-er die Stelle der Ersten Gemeinderätin schnellstmöglich auszuschreiben. Der Wettbewerb auf dem Markt sei groß. Wenn schon die Vergangenheit bemüht werde, müsse er auch an einige Punkte erinnern, so Bürgermeister Helge Zychlinski: In unwürdiger Art sei der damalige erste Gemeinderat Dieter Schulz 2005 aus dem Amt entlassen worden. Daraufhin habe sich eine lange Diskussion entzündet, die im Rat an die Grenzen gegangen und parteipolitische Ränkespielchen ausgelöst habe. Die Einführung des Dezernatssystems sei eine Nacht- und Nebelaktion gewesen, die Umstrukturierung in einen Verwaltungsvorstand hingegen sorgfältig vorbereitet und wohlüberlegt. Er verwahre sich vor einem Vergleich, so Zychlinski: „Das hier war kein Parteiproporz!“ Das Parteibuch eines Bewerbers habe für ihn nie eine Rolle gespielt und werde es auch in Zukunft nicht tun. Er sei heute froh, dass Konstanze Beckedorf, die damals der CDU angehört habe und von ihr gewählt worden sei, die Position der Ersten Gemeinderätin eingenommen habe. Die SPD habe immer nur das Verfahren abgelehnt, nie die Person Beckedorfs. Diesen langen Statements folgte die Abstimmung für die Ausschreibung, die mit Mehrheit gegen die Stimmen der CDU beschlossen wurde.