Erstmals Amokprävention thematisiert

Dr. Frank Robertz informierte Pädagogen, Polizei und Gemeinde über die Hintergründe von Amokläufen und leistete Präventionsarbeit. (Foto: S. Birkner)

Kriminologe Frank Robertz hielt informativen Vortrag für die Lehrer

Bissendorf (sb). Dass in Sachen Amokprävention dringender Handlungsbedarf besteht, führen uns verschiedene grauenvolle Taten im gesamtem Bundesgebiet und weltweit immer wieder vor Augen. Für die Gemeinde Wedemark ist die Entwicklung von Amokläufen im Laufe der letzten Jahrzehnte Grund genug, aktiv zu werden und Präventionsmaßnahmen einzuleiten. In diesem Zusammenhang referierte am vergangenen Mittwoch ein Doktor für Kriminologie, Frank Robertz, im Bissendorfer Bürgerhaus. Neben Polizisten des Mellendorfer Kommissariats, das auch mit einigen Kontaktbeamten zugegen war, und den Verwaltungsmitarbeitern Konstanze Beckedorf und Jörg Clausing war eine Zielgruppe gesondert angesprochen: Die Lehrerinnen und Lehrer der weiterführenden Schulen in der Wedemark. Für alle Pädagogen des Gymnasiums, der Realschule, der Hauptschule und der IGS herrschte bei dem Vortrag Anwesenheitspflicht, was für die Wedemark einen großen Schritt in Sachen die Amokprävention bedeutet. Stephanie Schittek von der Gemeinde sprach von 150 Besuchern.
In seinem Vortrag unterrichtete Dr. Robertz die Pädagogen insbesondere über zwei Dinge: Im ersten Teil seiner Präsentation informierte er sie über den Kenntnisstand der Wissenschaft zum Täterprofil und zum Ausmaß und Schema gegebener Vorfälle. Anschließend gab seinen Zuhörern Ratschläge an die Hand, wie diese eventuell gefährdete Jugendliche als solche identifizieren können.
Zum Täterprofil stellte er eine wissenschaftliche Theorie nach Travis Hirschi vor. Dieser legt vier simple Kriterien fest, nach denen ein Täter für einen Amoklauf infrage kommt. Anhand der Informationen wüssten die Lehrerinnen und Lehrer nun besser, auf welche Schüler sie besonders Acht geben sollten, war sich der Kriminologe sicher. Dr. Robertz ist wissenschaftlicher Leiter des Instituts für Gewaltprävention und angewandte Kriminologie (IgaK) in Berlin. Vorträge dieser Art, tatsächlich oft für Lehrer, aber auch Seminare und Fortbildungen leitet er an drei bis vier Tagen pro Woche im ganzen Bundesgebiet. Organisiert worden war die Veranstaltung vom Wedemärker Präventionsrat.