„Es war Liebe auf den ersten Blick“

Das Ehepaar Wojke auf den Tag genau 60 Jahre nach der Hochzeit im Jahr 1950. „Wir würden jeden Tag noch einmal leben“, sagen August und Isolde Wojke. (Foto: S. Birkner)

August und Isolde Wojke feiern Diamanthochzeit

Mellendorf (sb). Behutsam legt August den Arm um seine Isolde, die sich vertraut an ihn schmiegt. Von Sträuchern gedämpfte Sonnenstrahlen fallen hier und da auf das Paar und erzeugen helle Fleckchen auf den Gesichtern der beiden. „Ja, anders kann man es nicht sagen. Es war Liebe auf den ersten Blick“, sagen sie einstimmig. Auch nach mehr als 62 Jahren erinnern sich August und Isolde Wojke noch genau an den Tag, an dem sie sich kennenlernten – und am vergangenen Mittwoch feierten sie ihren 60. Hochzeitstag, die Diamanthochzeit.
Die inzwischen 80 und 83 Jahre alten Eheleute leben seit dem Ende des 2. Weltkrieges in der Wedemark. Die 1930 geborene Isolde und der 1926 geborene August finden auf unterschiedlichem Wege nach Mellendorf. Aus Darmstadt kommend und zu Zeiten den Krieges in Hannover lebend, wird Isolde nach einem Bombenangriff als Älteste von fünf Geschwistern quasi über Nacht nach Plumhof umgesiedelt. August, der seine spätere Ehefrau während des Krieges noch nicht kennt, wird 1943 im Alter von 17 Jahren noch als Soldat eingezogen und gerät im Anschluss an die Kapitulation des Dritten Reichs in amerikanische Gefangenschaft. Mithilfe des Roten Kreuzes findet August dann den Weg nach Mellendorf, wo sich seine Eltern niedergelassen haben.
Dass es in der Folgezeit zu der Begegnung kommt, die das Leben beider von Grund auf verändert, verdanken die Eheleute einer Freundin Isoldes. Im Zug schlägt sie ihr 1948 spontan den Besuch eines Tanzballs in Oegenbostel vor. „Dort haben ich ihn gesehen und wusste sofort: Das ist der Richtige“, erzählt die dreifache Mutter heute. August bestätigt diese Empfindung. „Ich dachte damals schon auf dem Tanzball: sie oder keine“, erinnert er sich.
Nach der Hochzeit im Jahr 1950 und der Geburt des ersten Sohnes Bruno am Heiligen Abend des selben Jahres zieht das Ehepaar 1954 in das von Augusts Eltern gebaute Haus im Kreuzkamp.
In der Nachkriegszeit, in der bald die beiden anderen Kinder Renate und Erika folgen, findet August Arbeit im Langenhagener Kabelwerk Hackethal. Er bleibt dort rund 40 Jahre lang beschäftigt und geht 1989 in Rente. Die hauptsächlich als Hausfrau und Mutter beschäftigte Isolde sieht nebenbei in der alten Funkstation, die bald durch den großen, noch heute vorhandenen Funkturm ersetzt wird, nach dem Rechten. Bis 1990 erledigt sie im Turm viele der dort anfallenden Arbeiten, ehe auch sie in Rente geht.
Heute sind August und Isolde Wojke bereits Groß- und Urgroßeltern. Sie haben 11 Enkel und zwei Urenkel, von denen der Großteil in der Wedemark und der Umgebung geblieben ist. August ist bis heute aktives Mitglied der Mellendorfer Soldatenkameradschaft; die beiden beteiligen sich aktiv an den jährlichen Tanzbällen. „Fast wie vor 62 Jahren“, schmunzeln sie. Zweimal im Monat geht das Ehepaar mit Freunden kegeln. August macht zum Stolz seiner Familie noch täglich eine Fahrradtour rund um Scherenbostel. „Am Ende fährt er den Kreuzkamp mit seinen 83 Jahren hoch, ohne vom Rad abzusteigen“, sagt seine Tochter Erika Wojke-Schröter anerkennend.
Auf die Frage, ob sich die beiden schon auf den 65. Hochzeitstag, die Eiserne Hochzeit, freuen, haben die Wojkes eine klare Antwort. „Jeder Tag ist ein Geschenk und wir werden immer wichtiger füreinander“, betonen sie. Was der eine nicht mehr allein könne, stelle mit der Unterstützung des anderen noch immer kein Problem dar. „Wir sehen jeden Tag als Geschenk an und wollen die verbleibende gemeinsame Zeit bewusst und in vollen Zügen genießen“, sagt das Ehepaar.