Exkursionen in vier Moore

Reinhard Löhmer (rechts) erläutert seiner Gruppe auf dem Weg zum Bissendorfer Moor die Entstehung der Hannoverschen Moorgeest und Maßnahmen zu deren Erhalt. Foto: B. Stache

Moorerlebnistage vermitteln Wissenswertes über die Hannoversche Moorgeest

Wedemark (st). Wann sind die vier Moore der Hannoverschen Moorgeest entstanden, welchen ökologischen Wert haben sie für uns und unser Klima, welche Veränderungen haben die Hochmoore durch den Torfabbau erfahren und wie funktioniert die Wiedervernässung? Auf diese und viele weitere Fragen rund um das Thema Moor und Umwelt gab Reinhard Löhmer während einer Exkursion am Sonntagvormittag kenntnisreich Auskunft. Aufgrund des großen Erfolgs der Moorerlebnistage in den vergangenen Jahren hatte der Aktionskreis Hannoversche Moorgeest am Wochenende nun schon zum zehnten Mal (zweimal im Rahmen des Regionalen Entdeckertags) die Möglichkeit angeboten, die vier im Naturschutzgroßprojekt zusammengefassten Hochmoore durch fünf Einzel-Exkursionen genauer kennenzulernen: Bissendorfer Moor, Helstorfer Moor, Otternhagener Moor und Schwarzes Moor wurden angeboten. Reinhard Löhmer, stellvertretender Vorsitzender BUND Landesverband Niedersachsen e.V. und Sprecher der Faunistischen Arbeitsgemeinschaft Moore (FAM) hatte sich mit einer elfköpfigen Gruppe auf den Weg gemacht, um von Wiechendorf aus den Nordrand des Bissendorfer Moors zu erkunden. Erstes Etappenziel war der Nordturm, ein hölzerner Aussichtsturm, für dessen Sanierung die Region Hannover in diesem Jahr zirka 41 000 Euro aufgebracht hatte. Die Exkursionsteilnehmer erfuhren aus berufenem Munde alles über Hochmoorbildung durch Torfmoose und die Wiedervernässung einer 2243 Hektar großen Fläche im Rahmen des von der EU geförderten LIFE+ Projekts „Hannoversche Moorgeest". Exkursionsleiter und Biologe Reinhard Löhmer war bis 2008 an der Tierärztlichen Hochschule Hannover im Institut für Zoologie tätig. Seit 1972 engagiert er sich aktiv in der FAM für den Moorschutz und sammelte anfangs faunistische und vegetationskundliche Daten für geplante Unterschutzstellungen von Mooren. „Wir haben Anfang der siebziger Jahre Datenerhebung gemacht und gesehen, dass wir auch Maßnahmen treffen müssen, um den Wert der Moore zu halten“, erinnerte er sich. „Mitte der siebziger Jahre haben wir mit Pflegemaßnahmen begonnen.“ Das waren Staumaßnahmen wie das Zuschütten von Gräben und Entkusseln, um die Moorflächen offen zu halten, alles in mühevoller Arbeit von Hand „und eine reine Sisyphusarbeit“. Eine nachhaltige Vernässung der Hannoverschen Moorgeest sei heute nur noch maschinell zu erreichen, wie dies jetzt mit EU-Mitteln im LIFE+ Projekt erfolgt. „Diese Moorlandschaften wieder zu vernässen und damit wertvolle Lebensräume für nachfolgende Generationen zu sichern und zu entwickeln. Das Projekt leistet gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“, heißt es in der Projektbeschreibung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, NLWKN. Reinhard Löhmer beschrieb auch sehr anschaulich die Funktion der Moore als CO2-Speicher. Diese Speicherfunktion werde erst wieder durch die Vernässung erreicht. Als eine negative Auswirkung des intensiven Moorabbaus und der damit zusammenhängenden Trockenlegung nannte der Biologe unter anderem das Birkhuhn, das diesen Lebensraum verlassen habe. Auf der Tour zeigte der Biologe den Gästen allerlei typische Moorpflanzen, darunter Torfmoos.