Fahrradstreifen ist für Autofahrer tabu

Ortsbürgermeisterin Susanne Brakelmann schickt sich an, den neuen Fahrradschutzstreifen zu benutzen, während ihr Ortsratskollege Wolfgang Jansen (rote Jacke) noch mit dem Kontaktbeamten Andreas Kremrich und Fritz Schnehage von der Gemeinde diskutiert. Foto: A. Wiese

Premiere in der Wedemark – Ortsrat informiert sich über Vorschriften

Bissendorf (awi). Entlang der Scherenbosteler Straße in Bissendorf gibt es jetzt den ersten Schutzstreifen für Fahrradfahrer in der Wedemark. Entscheidend: Auch wenn keine Radfahrer darauf fahren, dürfen Autofahrer die gestrichelte Linie nicht überfahren. Ausnahmen gelten nur, wenn der Gegenverkehr auf der verbleibenden 4,70 Meter breiten Fahrbahn so ausladend ist, dass ein Ausweichen unabdinglich ist.
Aber wissen die Autofahrer von diesen rechtlichen Vorgaben? Die Ortsratsmitglieder, die am Mittwoch gemeinsam mit dem Kontaktbeamten des Mellendorfer Kommissariates, Andreas Kremrich, und Fritz Schnehage von der Gemeindeverwaltung den Schutzstreifen in Augenschein nahmen, kamen zu der Erkenntnis: „Ganz offensichtlich weiß die überwiegende Mehrzahl der Kraftfahrer nicht, dass der Schutzstreifen für sie tabu ist.“ Ausnahmen gelten ausschließlich noch für Mofas. Entstanden ist der Fahrradschutzstreifen, der einige Meter hinter der Einmündung Schillingkreuzung beginnt und mit Unterbrechungen bis zum Bahnübergang führt, auf Antrag der Ortsrates. Daher zeigten sich Susanne Brakelmann, Susanne Kopp, Wolfgang Jansen und Reiner Fischer auch grundsätzlich sehr zufrieden, dass ihr Antrag von vor über einem Jahr jetzt umgesetzt wurde.
Beim Gang entlang des neuen 1,25 Meter breiten Schutzstreifens ergaben sich für sie jedoch einige Punkte, die Fritz Schnehage mit seinem Ansprechpartner bei der Region, die die Markierungsarbeiten in Auftrag gegeben hat, in der kommenden Woche noch einmal besprechen will. So blieb die Frage offen, warum es die lange Unterbrechung des Schutzstreifens in Höhe der Bäckerei Vatter gibt. Die Vermutung der Teilnehmer des Ortstermins ist, dass es an dem Mittelstreifen am Fußgängerüberweg liegt, der vielleicht nicht entfernt werden darf. Wenn irgendwie möglich möchte der Ortsrat diese Lücke geschlossen sehen. Dann gebe es eine Doppelbeschilderung ab Gartenweg: Der neue Schutzstreifen verläuft vom Gartenweg bis zur Schranke und die Benutzung des Fußwegs als Radwegs ist ebenfalls noch zulässig. Der Ortsrat möchte den Fußweg nicht mehr für die Radfahrer freigeben, also müsste das entsprechende Schild entfernt werden. Die Radfahrer sollen den Schutzstreifen benutzen, waren sich die Kommunalpolitiker einig. Nach dem Bahnübergang muss nach Ansicht ein neues Schild den Radfahrern erlauben, direkt bei der Absenkung den Fußweg zu benutzen. Das Schild muss noch montiert werden. Und schließlich kamen die Teilnehmer des Ortstermin zu dem Schluss, dass nach der Straße Riepkenberg dasFußgänger/Fahrrad-Schild freigeschnitten werden muss. Dazu soll die Gemeinde einen Auftrag erteilen. Die Ortsratsmitglieder hatten sich im Vorfeld ihrer Entscheidung für den Schutzstreifen mit vielen Radfahrern unterhalten und waren zu dem Ergebnis gekommen, die Fahrradfahrer wollen nicht auf den Fußweg gezwungen werden. Wenn sie aber auf der Straße fahren, müssen sie geschützt werden, so die Ansicht der Politiker. Und so fahren die Radler jetzt ortsauswärts auf dem Schutzstreifen bis zum Bahnübergang und ortseinwärts auf dem kombinierten Rad-Fußweg. Doch die Politiker mussten bei ihrem Ortstermin auch feststellen, dass viele Radfahrer auch rechtswidrig den Fußweg auf der falschen Seite benutzen – und das ganz offenbar ohne jedes Unrechtsbewusstsein. Betroffene Gesichter, als sie darauf vom Kontaktbeamten Andreas Kremrich angesprochen wurden, waren die Folge. Es wird also wohl noch eine Weile dauern, bis die neue Regelungen in den Köpfen ist – in denen der Autofahrer und auch in denen der Radfahrer.