Fahrzeugtausch gibt weiter Anlass zu Kritik

Michael Hartmann (Berkhof), Martin Schönhoff (Hellendorf), Björn Hellmich (Mellendorf), Klaus Freund (Meitze), Thomas Müller (Gailhof) und der stellvertretende Gemeindebrandmeister Jens Kahlmeyer (v. l.) wurden auf der diesjährigen Gemeindekommandositzung (Foto: L. Irrgang)
 
Nach neun Jahren ein Wechsel auf der Position des Jugendwartes: Christoph Meyer (mitte) folgt Christian Baumgarte (links) ins Amt, Gemeindebrandmeister Michael Hahn gratulierte nach der Wahl. (Foto: L. Irrgang)

Vorschlag zum Tausch ohne Austausch mit Führung „ein Schlag in den Magen“

Mellendorf (ig). Rückblickend sei das Jahr 2009 sowohl durch eine Steigerung im Einsatzbereich, „als auch im Allgemeinen sehr prägend gewesen“, machte Gemeindebrandmeister Michael Hahn schon zu Beginn der diesjährigen Gemeindekommandositzung deutlich. Bei verschiedensten Einsätzen seien die Aktiven oftmals bis an die Grenzen belastet worden, „schwerste Situationen mussten bewältigt werden.“ Das vergangene Jahr sei geprägt gewesen von großflächigen Bränden beispielsweise im Bereich des Moores und von schwersten Umfällen auf der Autobahn, bei welcher die Wedemärker Feuerwehren als Erstversorger vor Ort waren. Hier schilderte Hahn auch die enorme psychische Belastung, wie beispielsweise bei einem Unfall, als ein PKW zwischen zwei LKWs komplett eingeklemmt wurde, und neben einer Schwerverletzten Person drei weitere nur tot geborgen werden konnten. Mit 358 habe sich die Anzahl der Alarmierungen gegenüber 2008 mit 312 Alarmierungen noch einmal erhöht, „und dies zu 195 Ereignissen.“ Bei zwei Alarmierungen des Gefahrgutzuges habe sich die sehr gute Zusammenarbeit der Ortswehren gezeigt, betonte der Gemeindebrandmeister.
Aktuell sind in der Feuerwehr gemeindeweit 576 Menschen aktiv, was gegenüber 2007 mit 598 und 2008 mit 587 einen leichten Rückgang darstelle. Den Rückgang im Jugendbereich von 233 (2007) über 227 (2008) zu aktuellen 216 sei „kein Ergebnis von Desinteresse der Jugendlichen“, vielmehr seien sehr viele Jugendliche in die aktive Feuerwehr übernommen worden, „und das zeigt, dass die Nachwuchsarbeit an der richtigen Stelle erfolgt“, betonte Hahn. Schon auf der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr Bennemühlen (das ECHO berichtete) war der von der Verwaltung vorgeschlagene Fahrzeugtausch zwischen Bennemühlen und Berkhof ein bewegendes Thema. Die Erste Gemeinderätin, Konstanze Beckedorf, welche die Grüße von Rat und Verwaltung an die Versammlung überbrachte, wollte „gewisse Dinge aber heute nicht nennen“, am 18.02. habe es mit der Feuerwehr „eine Absprache gegeben, bestimmte Dinge nicht in die Öffentlichkeit zu tragen.“ Beckedorf wollte „nicht verhehlen, dass es Punkte gibt, in denen zwischen Verwaltung und Kommando auf den ersten Blick keine Übereinstimmung besteht.“ Aber an diesem müsse gearbeitet werden „und man muss auch Kompromisse eingehen.“ Den Aktiven der Feuerwehr dankte Beckedorf, „Sie haben gezeigt, welch´ großer Verlass auf Sie ist und welch´ großes Potential in Ihnen steckt.“
In seinem Bericht war Hahn indirekt auf den Fahrzeugtausch eingegangen, er berichtet von der öffentlichen Sitzung des Feuerschutzausschusses, in welcher der Tausch von der Verwaltung erstmals genannt worden war. „Seitens der Verwaltung einen Tausch ohne einen fachlichen Austausch mit der Feuerwehrführung anzustreben, hat den anwesenden Feuerwehrleuten einen Schlag in den Magen und das Herz versetzt.“ Solche Entscheidungen, ohne Abstimmung mit den ehrenamtlich Aktiven der Feuerwehr sei äußerst demotivierend. Denn die Motivation sei das Kapital, „mit dem man als Ehrenamtliche mit helfender Hand Tag und Nacht bereit steht.“ Die Ortswehren hätten auch ein Eigenleben, „und dazu gehören auch die Fahrzeuge, dies alles bildet die Gemeindefeuerwehr.“ Diese sei in der Vergangenheit mit der Verwaltung gemeinsam erarbeitet worden, „und dies kann man nicht immer nur unter den wirtschaftlichen Aspekten eines Kaufmanns sehen.“ Hierzu zähle für Hahn auch die Ersatzbeschaffung des 25 Jahre alten Mellendorfer Rüstwagens. Laut Hersteller sei dieses Fahrzeug nicht mehr mit Ersatzteilen ausstattbar, umwelttechnisch zudem völlig veraltet. „Für eine zukunftsfähige Gemeinde, wie der Bürgermeister Investitionen an anderer Stelle rechtfertigt, benötigen wir auch eine zukunftsfähige Feuerwehr und das auf dem Stand der Technik.“
Mellendorfs Bürgermeister und Vorsitzender des Feuerschutzausschusses, Rudi Ringe dankte den Feuerwehren für das, „was in die Dorfgemeinschaften eingebracht wird.“ Ihn selbst hätten die Sitzungen des Feuerschutzausschusses sehr bewegt. Direkt zu dem Tausch äußerte sich Ringe nicht, aber er könne es verstehen, „wenn die Feuerwehrführung sauer ist, erfahrene Feuerwehrleute die Nase voll haben und jüngere sich nicht für den Dienst motiviert fühlen.“ Zudem bekräftigte Ringe den Vorschlag, eine Fläche am Kreuzkamp für ein später zu errichtendes neues Gerätehaus freizuhalten. „Bei dem prognostiziertem Wachstum der Gemeinde wird es nicht mehr lange dauern, bis langfristig ein neues Gerätehaus gebaut werden muss.“
Bis auf den Gemeindejugendwart wurden bei den diesjährigen Wahlen sämtliche Funktionsträger in ihren Ämtern bestätigt. Im Jugendbereich folgte Christoph Meyer auf Christian Baumgarte, welcher das Amt zuvor neun Jahre ausgeübt hatte.