Feuerwehrhäuser auf dem Prüfstand

Das Feuerwehrgerätehaus in Meitze hat Rang eins auf der Prioritätenliste der sanierungsbedürftigen Feuerwehrhäuser. Andrea Giese von der FDP ist eines der Mitglieder der am Donnerstag gebildeten Projektgruppe. Foto: A. Wiese

Feuerschutzausschuss nickt Bedarfsplan ab und bildet Projektgruppe

Wedemark (awi). Es brennt – und zwar bei der Notwendigkeit, die Feuerwehrgerätehäuser der 15 Ortswehren auf den Prüfstand
zu stellen. Gemeindebrandmeister Maik Plischke ließ im Feuerschutzausschuss am Donnerstagabend keinen Zweifel daran, dass es hier akuten Handlungsbedarf gibt und präsentierte eine entsprechende Prioritätenliste für die nächsten Jahre, auf der die Feuerwehrhäuser in Meitze, Berkhof und Wennebos-tel ganz oben an stehen. Gegebenenfalls käme noch Negenborn dazu. Nämlich dann, wenn irgendwann das geländegängige Löschfahrzeug angeschafft und in Negenborn stationiert wird, dass die Gemeindefeuerwehr für Moor- und Waldbrände für dringend notwendig erachtet. Denn ein solches würde in das Negenborner Gerätehaus gar nicht hineinpassen.
Viele Feuerwehrgerätehäuser sind vor allem zu klein, bergen Unfallgefahren, sind schlecht beleuchtet und sind baulich in schlechtem Zustand. Die zweite Dringlichkeitsstufe gilt für Hellendorf, Gailhof und Mellendorf, das trotz der Hausmeisterwohnung, in der künftig Kinder- und Jugendfeuerwehr Räume erhalten und ein Büro für den Gemeindebrandmeister eingerichtet wird, viel zu beengt für seine vielseitige Verwendung ist. Ein echtes Problem ist hier zudem die Parkplatzsituation. Gegebenenfalls würde hier noch Abbensen dazuzählen, trug Plischke im Feuerschutzausschuss vor. In die dritte Priorität gehören Duden-Rodenbostel, Oegenbostel, Bennemühlen, Elze, Brelingen und Resse, wo noch am we-
nigsten aktueller Handlungsbedarf bestände. Für das Gebäude der Schwerpunktfeuerwehr Mellendorf bezeichnete der Gemeindebrandmeister die Zustände wörtlich als „dramatisch“. Hier sei man „am Ende dessen, was geht. Das Gerätehaus sei „überhaupt nicht in der Norm“ und berge sogar „hohe Unfallgefahren“. Und wenn man Mellendorf anfasse, müsse man über Hellendorf gleich mit nachdenken, gab Plischke den etwas verdutzten Politikern mit auf den Weg, die mit einem solchen Generalangriff auf die Feuerwehrhäuser ganz offensichtlich nicht gerechnet hatten, den von Plischke vorgeschlagenen Weg mit dem grundsätzlichen Ja zum Feuerwehrbedarfsplan aber mitgingen. Zunächst wurde eine Projektgruppe gebildet, die sich mit diesem Thema und auch mit anderen notwendigen Investitionen in den nächsten Jahren befassen soll.
Ihr gehören außer dem Feuerschutzausschussvorsitzende Wolfgang Kasten (CDU) dessen Parteikollege Felix Adamczuk, Karsten Molesch von der SPD, Andrea Giese von der FDP und Vertreter von Feuerwehrführung und Verwaltung an, die noch benannt werden müssen. Eine Bereisung aller Feuerwehrhäuser soll für den gesamten Feuerschutzausschuss organisiert werden. Plischke empfahl zudem eine Besichtigung von Feuerwehrhäusern in den Nachbarkommunen, die mit annehmbaren Mindeststandards neu gebaut hätten wie beispielsweise Altwarmbüchen. Doch nicht nur die Feuerwehrhäuser nimmt das Soll-Konzept des Feuerwehrbedarfsplans als Handlungsgrundlage für die nächsten drei Jahren aufs Korn. Die schlechte Tagesverfügbarkeit insbesondere in Resse erfordere eine Materialneuverteilung und -ergänzung zwischen Resse, Negenborn und Abbensen, die Einrichtung von Arbeitsgruppen, um konkrete Maßnahmen auszuarbeiten und anschließend zusätzliche Ausbildung, damit in den Wehren mit dem neuen Material umgegangen werden kann. Die geforderte Mindeststärke von 504 Feuerwehrkameraden ist bei einem Status Quo von 553 derzeit locker gegeben.
Damit das so bleibt, soll die Imagekampagne „Danke Florian“ in Kooperation mit dem Wedemark ECHO fortgeführt und das Ehrenamt gestützt werden. Auch den Rahmenvertrag für vergünstigte Konditionen für Feuerwehrkameraden in zwei Wedemärker Fitnessstudios zählt der Gemeindebrandmeister zu diesen nachwuchsfördernden Maßnahmen.
Beim Personal sieht das Soll-Konzept des Feuerwehrbedarfsplans mittelfristig die Installation eines hauptamtlichen Gerätewartes spätestens 2019 vor. als Interimslösung soll bereits ab 2017 ein ehrenamtlicher Gerätewart für die Gemeindefeuerwehr Wedemark eingesetzt werden. In der neuen Entschädigungssatzung der Feuerwehr, die der Feuerschutzausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag ebenfalls positiv in Richtung Rat weiterwinkte, ist diese Funktion bereits vorgesehen. „Wir sind eine der wenigen Kommunen in der entsprechenden Größenordnung, die einen solchen hauptamtlichen Feuerwehrgerätewart noch nicht hat“, gab Plischke zu bedenken. Ebenfalls im Sollkonzept: Die Tagesalarmgruppe. Ein Feuerwehrfahrzeug aus dem Bestand soll tagsüber dort stationiert werden, wo mehrere Feuerwehrkameraden arbeiten, beispielsweise am Rathaus oder bei der Firma Sennheiser. Organisiert werden muss, wer das Fahrzeug dort hinstellt und abends wieder mitnimmt, ob die Überführung zu seiner Arbeitszeit zählt und ob er dabei versichert ist beziehungsweise, was passiert, wenn er krank wird oder Urlaub hat. Inwieweit der Stellplatz für das Fahrzeug ertüchtigt, beispielsweise mit Strom ausgestattet werden muss, wie es im Winter vor Eis und Schnee geschützt wird und ähnliche Fragen müssen außerdem geklärt werden. Und schließlich müssen alle Mitglieder dieser Tagesalarmgruppe auch auf das Fahrzeug und seine Ausrüstung geschult werden.
Plischke fordert im Feuerwehrbedarfsplan auch Mittel für den Zwei-Meter-Funkbereich an, wo die Feuerwehr zurzeit extreme Probleme zu verzeichnen habe. In der Technik sei ein weiterer Rüstsatz mit Schere, Spreizer und Stromaggregat für die westliche Wedemark notwendig, um Resse, Negenborn und Abbensen abzudecken. Wo dieser Rüstsatz verlas-tet wird, möglicherweise auf einem neuen Fahrzeug, das für Negenborn angeschafft werden könnte, soll ebenfalls von der neu eingerichteten Arbeitsgruppe geprüft werden.
Im Fahrzeugkonzept findet sich die Anforderung neuer Mannschaftstransportwagen für Gailhof und Hellendorf. Vor allem aber mahnte Plischke an, dass an die Ersatzbeschaffung für die Drehleiter gedacht und dafür Rücklagen geschaffen werden müssten. Im Jahr 2022 müsse der Ersatz in Angriff genommen werden, da ansonsten die mindestens 70.000 Euro teure Inspektion der alten Drehleiter nach 30 Jahren anstehe, die nicht mehr wirtschaftlich sei.
Und schließlich stehe im Rahmen des MTW-Ersatzbeschaffungsprogramms auch ein neuer Kommandowagen an. Die Notwendigkeit im Falle des neuen geländegängigen Wunschfahrzeuges für die Ortsfeuerwehr Negenborn das Feuerwehrgerätehaus zu ertüchtigen oder gleich neu zu bauen, wurde bereits erwähnt. „Meine Empfehlung dazu ist klar“, stellte Plischke fest und sagte zum Thema Feuerwehrhäuser zudem: „Die Gerätehäuser sind in einen Zustand zu versetzen, der es den Aktiven erlaubt, ohne Eigengefährdung in den Einsatz gehen zu können.“ Geländegängige Fahrzeuge gebe es aktuell nur in Bissendorf und Elze. Beide Fahrzeuge sind für die Stützpunktwehren allerdings ansonsten völlig anders strukturiert, bog Plischke den Gedanken von FDP-Ausschussmitglied Andrea Giese an einen möglichen Fahrzeugtausch bereits im Vorfeld ab.
Der Feuerschutzausschuss beschloss am Donnerstag zudem eine Satzungsänderung für die Feuerwehr, in der unter anderem die Heraufsetzung der Altersgrenze der Aktiven auf 63 Jahre berücksichtigt ist, außerdem Doppelmitgliedschaften und die Kinderfeuerwehr sowie ein ernannter, nicht gewählter Brandmeister vom Dienst. Ebenfalls grünes Licht gab der Ausschuss für die neue Entschädigungssatzung.