Friedenstauben für den „Höllenengel“

Das Brautpaar stößt mit Freunden an.
 
Kein Durchkommen mehr in Bissendorf

Hanebuth-Hochzeit ein Megaevent: In Bissendorf war kein Durchkommen mehr

Bissendorf (awi). Auf der Ortsdurchfahrt in Bissendorf zwischen Kirche und Bürgerhaus ging am frühen Sonnabendnachmittag zeitweise nichts mehr: Hunderte von Menschen bevölkerten erst den Straßenrand und als die etwa 50 Zweiräder starke Harley-Eskorte, Stretchlimousine und Rolls Royce mit herzförmigem Rosenbukett durch waren, drängten sie auf die Straße.
Der Anlass für den Menschenauflauf: Die „Rockerhochzeit“ des Jahres, wie sie in den überregionalen Medien gehandelt wurde. Für die Bissendorfer Pastorin Wibke Lonkwitz war die kirchliche Hochzeit von Frank Hanebuth (52) aus Bissendorf-Wietze, aktuell Chef des Hells Angels Charters North Gate, und seiner Frau Sarah (36), – laut Medienberichten eine Pastorentocher – jedoch nur „eine ganz normale, konventionelle Trauung von zwei Gemeindemitgliedern“. Die Pastorin musste auf die Braut allerdings fast zwanzig Minuten warten. Während der Bräutigam pünktlich um wenige Minuten vor 14 Uhr mit der Stretchlimousine vorfuhr, ließ der Rolls mit Braut auf sich warten. Grund dafür dürfte der durch die zahlreichen Schau-
lustigen und Gäste – nicht alle Geladenen passten in die St.-Michaelis-Kirche, die nur rund 300 Menschen fasst – verursachte Verkehrsstau auf der Burgwedeler Straße gewesen sein. (Als der Rolls dann aber endlich einrollte und ihm die Braut im weißen Kleid mit ansehlichem Dekolletee entstieg, schnellten hunderte von Armen mit Smartphones und Kameras in die Höhe.) Die Herren im Anzug, die bereits vorher den Kirchplatz abgeriegelt und weiße Bändchen nur an offensichtlich Zutrittsberechtigte verteilt hatten, bahnten der Braut den Weg in die Kirche. Dann ging alles recht schnell. Schon eine halbe Stunde später kamen Sarah und Frank Hanebuth, jetzt auch mit Gottes Segen ausgestattet, wieder aus der Kirche, von Applaus, ohrenbetäubendem Harley Sound und einem von den Trauzeugen organisierten Ständchen des Musikkorps Langenforth begleitet. Die standesamtliche Trauung hatte bereits 24 Stunden vorher im Bürgerhaus stattgefunden. Nachdem das Paar sich im kleinen Kreis vor Standesbeamtin Marion Meine das Ja-Wort gegeben hatte, wurde es von rund 30 Hells Angels und Reitern empfangen. Aus weißen blumengeschmückten Körben nahm das frisch getraute Paar zwei weiße Tauben in die Hände und ließ sie zusammen mit weiteren Friedensboten fliegen. Am Sonnabendnachmittag waren es dann rosafarbene und hellblaue Luftballons, die in den blauen Himmel aufstiegen und per Aufschrift „Just married“ verkündeten. Einige Schaulustige hatten auch bereits das Spektakel vor dem Standesamt am Freitag verfolgt, dessen Uhrzeit offensichtlich trotz höchster Geheimhaltungsstufe ebenso durchgesickert war, wie die der kirchlichen Trauung am Sonnabend. Doch der Andrang der neugierigen Wedemärker am Sonnabend, die unbedingt einen Blick auf das prominente Paar und natürlich seine Gäste werfen wollten, war dann doch um einiges höher. Und Hanebuths zeigten sich großzügig: Es gab auf dem Amtshof beim Cateringservice Brötchen und Getränke für alle, die Lust darauf hatten. Die geladenen Gäste stiegen schon nach kurzer Zeit in ihre Nobelkarossen und den gecharterten Reisebus und fuhren hinter dem Brautpaar im Rolls Royce mit klappernden Red-Bull-Dosen am Heck in Richtung Bissendorf-Wietze davon. Gefeiert wurde nämlich mit dem Hörensagen nach über 700 Gästen im Ausflugsrestaurant Waldkater, wo die neue Frau Hanebuth Geschäftsführerin der Betreibergesellschaft des an die Gaststätte angeschlossenen Biergartens ist. Hier ließ sich das frisch getraute Paar von Verwandten, Freunden und Bekannten ausgiebig feiern. Doch auch das Bad in der Menge vor der Kirche hatte Frank Hanebuth, der seit vielen Jahren in der Wedemark wohnt, ganz offensichtlich genossen. Von den Ermittlungen, die in Spanien gegen den ehemaligen Rockerboss laufen, die ihm bereits zwei Jahre Untersuchungshaft eingebracht haben und auch nach vier Jahren immer noch nicht abgeschlossen sind, war an diesem Wochenende im Kreise des Hochzeitspaares und seiner Gäste mal keine Rede.